Selbstbewusstsein: Mehr Selbstsicherheit!

Besonders Frauen neigen dazu, ständig an sich selbst zu zweifeln. In einem Interview erklärt Diplom-Psychologin Eva Wlodarek, warum das so ist und was Sie für mehr Selbstbewusstsein tun können.

Der Chef kritisiert einen vor versammelter Mannschaft, der Partner macht eine Bemerkung über die tolle Frau am Nebentisch - nichts Weltbewegendes eigentlich, doch plötzlich fühlt man sich klein, schwach und unfähig.

Besonders Frauen neigen dazu, ständig an sich selbst zu zweifeln. Dabei kann man Selbstsicherheit lernen. Ein Interview mit Diplom-Psychologin Eva Wlodarek über Unsicherheit, wirkungsvolle Methoden, um sie zu bekämpfen und ihr neues Buch "Go! Mehr Selbstsicherheit gewinnen".

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Dipl.-Psychologin Eva Wlodarek

Brigitte.de: Selbstsicher sein - was bedeutet das eigentlich?

Eva Wlodarek: Es bedeutet, mit sich im Reinen zu sein, die eigenen Bedürfnisse zu kennen und sie auch durchzusetzen. Nicht mit den Ellenbogen und um jeden Preis, sondern maßvoll, aber trotzdem mit Bestimmtheit.

Brigitte.de: Und das können viele nicht?

Eva Wlodarek: Viele Menschen sind schon in sich ruhend und reagieren sehr sicher. Aber niemand kann sagen: Ich bin ein hundert prozentig selbstsicherer Mensch. Und die meisten Frauen könnten erst recht mehr aus sich herausholen und mit mehr Sicherheit auftreten.

Brigitte.de: Mangelnde Selbstsicherheit ist also vor allem ein Frauenproblem?

Eva Wlodarek: Absolut. Weil Frauen darauf geeicht sind, permanent ihre Antennen auszufahren, ständig zu fragen, ob es auch allen gut geht und dabei sich selbst vergessen. Das ist typisch weiblich. Immer noch. Nur, wer sich nicht selbst respektiert und für sich selbst sorgt, ist auch nicht selbstbewusst. Sich lieben und sich respektieren, das sind die Grundvoraussetzungen für Selbstsicherheit.

Brigitte.de: Frauen sind heute gebildet, haben gute Jobs, verdienen ihr eigenes Geld und sehen gut aus. Warum zweifeln sie trotzdem an sich und ihren Fähigkeiten?

Eva Wlodarek: Die junge Frauen sind, im Gegensatz zu älteren Generationen, schon viel selbstsicherer geworden. Dennoch gucken sie sich immer noch alte Verhaltensweisen von ihren Müttern ab. Lassen sich zum Beispiel von den kleinsten Bemerkungen total aus der Bahn werfen oder haben eine unangemessen große Ehrfurcht vor Autoritätspersonen. Andererseits leben sie in einer Zeit, in der eine glatte Fassade sehr gefragt ist und sie immer kompetent und stark rüberkommen müssen. Es gibt eine riesige Diskrepanz zwischen dem äußeren Erscheinen und dem, was dahinter liegt. Frauen leiden daher oft unter dem Scharlatan-Syndrom.

Brigitte.de: Was ist denn das?

Eva Wlodarek: Scharlatan-Frauen denken, sie seien eigentlich nur durch Zufall oder das Wohlwollen anderer dahin gekommen, wo sie jetzt sind. Und wenn jemand wüsste, wie unsicher sie eigentlich sind, gäbe es eine berufliche oder private Katastrophe. Sie täuschen ihre Souveränität und Stärke nur vor und glauben nicht, dass sie wirklich gut sind.

Brigitte.de: Man merkt ihnen also die Unsicherheit nicht an?

Eva Wlodarek: Erstmal nicht. Aber zeigen tut sie sich dann doch. Zum Beispiel in der Sprache. Frauen benutzen eine "Seidenpapiersprache". Sie fangen Sätze an mit: "Eigentlich würde ich gerne...", "Könnte ich vielleicht mal..." oder "Ich will ja nicht weiter stören, aber...". Das läuft alles ganz unbewusst ab, bringt aber leider gleich in die schwächere Position. Frauen müssen umlernen, damit sie klarer ausdrücken, was sie wollen und was sie können.

Brigitte.de: Was ja wahrscheinlich nicht so einfach ist, weil diese Verhaltensweisen über Jahre antrainiert sind ...

Eva Wlodarek: Stimmt, das ist wie beim Sport. Wenn man erkennt, dass man was tun muss, dann muss man es regelmäßig machen, sich dabei nicht übernehmen, sich aber auch nicht unterfordern. So wird man irgendwann stärker und kann den nächsten Schritt machen.

Brigitte.de: Kann Ihr Buch "Go! Mehr Selbstsicherheit gewinnen" dabei helfen?

Eva Wlodarek: Mein Buch ist ein Rundum-Paket. Es behandelt selbstsicheres Denken, Handeln, Sprechen, Auftreten und Sich wehren. Viele Ratgeber geben lediglich Tipps, wie man selbstbewusst erscheint, nicht aber, wie man es auch wird. Das ist dann wie bei Edmund Stoiber, dem zwar die richtige Gestik beigebracht wurde, bei dem man aber trotzdem spürt: Das ist er nicht. Mein Buch fängt deshalb beim Denken an. Denn nur, wer seine Gedanken ändert, kann auch anders handeln.

Brigitte.de: Hört sich theoretisch gut an, aber wie funktioniert das praktisch?

Eva Wlodarek: Am liebsten möchte ich sagen: Mein Buch von vorne bis hinten durcharbeiten. Bis das getan ist, würde ich als kleinen Tipp vorschlagen, sich ein Vorbild zu suchen. Jemanden, der einem in seiner Selbstsicherheit gut gefällt. Und dann mal genau hingucken: Wie macht der das? Wie sitzt der, wie spricht der, wie bewegt der sich? All das kann man in kleinem Rahmen ruhig kopieren und es dann immer mehr auf sich selber zuschneiden.

Brigitte.de: Und wer dann ihr Buch durchgelesen hat, ist ein vollkommen selbstsicherer Mensch?

Eva Wlodarek: Also ich weiß gar nicht, ob das so wünschenswert wäre. Unsicherheit kann ja auch positiv sein und eine warnende Funktion haben. Wenn man einen neuen Job anfängt oder zum erstenmal die Schwiegereltern trifft, fände ich es eher komisch, nicht aufgeregt zu sein. Aber um die Unsicherheit zu besiegen, die die Lebensqualität einschränkt, gibt es nur einen Weg und der heißt: Hab die Angst und tue es. Um die Angst zu besiegen, muss man da durch. Ich kann dafür mit meinem Buch nur das Handwerkszeug bieten. Umsetzen muss das jeder alleine. Und wenn es mit schlotternden Knien ist.

Eva Wlodarek: "Go! Mehr Selbstsicherheit gewinnen" Krüger Verlag 17,90 Euro

Nina Grygoriew
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