Sich selbst feiern: "Nehmt eure Geburtstage wichtig!"

Warum feiern wir nicht mehr, dass wir älter werden? Alena Schröder fordert weniger Bescheidenheit von ihren Freunden.

Geburtstage sind zum Feiern da!

Ein gefährlicher Trend macht sich in meinem Freundeskreis breit, und ich gedenke, ihm entschieden entgegenzutreten. Es ist der Hang, mit zunehmendem Alter seine Geburtstage nicht mehr wichtig zu nehmen. Nicht zu feiern, nicht mal zum Kaffee einzuladen, höchstens die bucklige Verwandtschaft, weil die das irgendwie erwartet. Anzudeuten, man möge den Tag doch bitte einfach ignorieren und vielleicht maximal eine SMS schreiben oder per Facebook gratulieren, aber bitte bloß keine Umstände! Wirklich, keine Geschenke, keine Blumen, keine Anrufe, mein Gott, wir sind ja nicht mehr im Kindergarten, wozu feiern, dass man wieder ein Jahr älter geworden ist? Leute, ganz ehrlich, wenn es etwas gibt, das man wirklich feiern sollte und zwar mit Menschen, die einem wichtig sind, dann genau das: älter werden. Ein Privileg, das nicht jedem gegeben ist. 

Geburtstagsverweigerung ist nicht drin

Ich mache da nicht mit bei eurer Geburtstagsverweigerung, ich nehme meine Geburtstage sehr ernst. An 364 Tagen im Jahr neige ich eher nicht dazu, mich selbst und meine Großartigkeit so richtig abzufeiern. Aber an meinem Geburtstag, da mache ich eine Ausnahme, schon aus Prinzip. Da finde ich mich selber richtig toll. Und wichtig. Und all der Glückwünsche würdig. Da glimmt schon morgens beim Aufwachen das schöne alte Kindheitsglücksgefühl in mir: Heute ist mein Tag! Wie schön, dass ich geboren und immer noch da bin! 

Es mag auch daran liegen, dass ich im Januar Geburtstag habe, ein Monat, in dem viele Menschen eher niedergeschlagen sind. Die Weihnachtstage sind vorbei, es bleiben nur die angefangenen und wieder abgebrochenen Diäten, die Ebbe auf dem Konto und das nackt vor einem liegende Jahr mit all seinen Ungewissheiten. Mir hilft es, mich dann zwei Wochen im Voraus auf meinen Geburtstag zu freuen und noch Wochen später davon zu zehren, wie gern ich ihn gefeiert habe. Es ist übrigens vollkommen okay, liebe mitlesende Freunde und Bekannte, falls ihr meinen Geburtstag vergessen habt. Ich bin niemandem böse, der ihn vergisst. Aber wehe, ihr habt ihn gar nicht vergessen, sondern bewusst ignoriert. 

Wir werden nie zu alt sein, um unser Alter zu feiern

Ich würde mir wünschen, alle meine Freunde würden ihre Geburtstage genauso wichtig nehmen wie ich. Nicht nur, weil wir dann einfach einen Grund mehr hätten, uns in irgendeiner Spelunke zu treffen und miteinander anzustoßen. Sondern auch, weil es schön ist, einen institutionalisierten Rahmen zu haben, um seinen Freunden zu zeigen, wie wichtig sie einem sind. Klar, ich könnte meine Freunde natürlich an jedem beliebigen anderen Tag mit Konfetti beregnen, mir ein paar Gedanken zu einem Geschenk machen, das von Herzen kommt und über das sie sich freuen würden, und eine Karte formulieren, in der ich versuche, in Worte zu fassen, wie viel sie mir bedeuten. Aber es kann nicht schaden, einen konkreten Anlass dafür zu haben, damit diese schönen Rituale nicht im Alltag untergehen. 

Also, Freunde, hört auf zu hadern, ob ihr euch wirklich die ganze Mühe machen sollt, euren Vierzigsten groß zu feiern oder für euren Neununddreißigsten ein paar Freunde in eine Kneipe zu bitten. Und wenn das alles nichts nutzt, dann wünsche ich mir ab sofort und für alle Zeit nur noch dies zum Geburtstag: dass ihr mich zu euren einladet. Ich werde als Erste kommen und als Letzte gehen, und ihr werdet es nicht bereuen.

Brigitte 12/2018

Wer hier schreibt:

Alena Schröder
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