Diese Worte sind Warnsignale für eine Depression

Menschen mit Depressionen benutzen bestimmte Wörter öfter als andere – diesen Schluss legt eine Studie nahe. "Absolute" Ausdrücke können demnach Warnsignale sein.

Lässt sich an der Wortwahl einer Person erkennen, ob der- oder diejenige an einer Depression leidet? Dieser Frage haben sich Forscher in einer Studie gewidmet. Ergebnis: Ganz so weit, dass jemand nur den Mund aufmachen muss und wir ihm den Gemütszustand an der Wortwahl ablesen können, ist es noch nicht.

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Aber: Den Wissenschaftlern zufolge nutzen Menschen mit Depressionen tatsächlich bestimmte Wörter öfter als gesunde Personen. Demnach besteht ein Zusammenhang zwischen "absoluten" Ausdrücken und depressiven sowie suizidalen Gedanken. 

Was heißt das genau?

Für ihre Forschung machten sich die Forscher das Internet sowie Text-Analyse-Tools zu Nutze. Verglichen Psychologen bisher beispielsweise persönliche Texte und Tagebucheinträge depressiver Personen, um die Wortwahl von Betroffenen zu untersuchen, nutzten die Autoren der vorliegenden Studie jetzt "Big Data". In drei Studien analysierten sie 63 einschlägige Internetforen mit mehr als 6400 Mitgliedern. 

Dabei stellte sich heraus, dass die Art der Sprache tatsächlich auf den Gemütszustand schließen lässt. So haben Menschen mit Depressionen eine stärkere "Schwarz-Weiß"-Sicht auf die Welt, berichten die Forscher. Konkret bedeutet das, dass Betroffene eher absolute Wörter benutzen – also wenig Spielraum für Abwägung oder Reflexion einräumen. 

Anzeichen sind demnach vor allem Begriffe wie "immer", "nie" oder "völlig". Im Vergleich zu anderen Foren, so berichten die Autoren, sei der Gebrauch dieser Wörter in speziellen Depressions- und Suizid-Foren um 50 bis 80 Prozent höher. 

Kein allgemeingültiger Rückschluss möglich

Allerdings sollte einschränkend betont werden: Natürlich bedeutet das nicht, dass jeder, der diese Vokabeln nutzt, depressiv ist. Und: "Depressionen allein aufgrund von Sprachmerkmalen zu diagnostizieren, das ist derzeit noch nicht möglich", zitiert zu diesem Thema die "Süddeutsche Zeitung" Markus Wolf, Psychologe an der Universität in Zürich. 

Auch seien Internetforen als Datenquellen "schwierig". Zumindest für eine Prognose könnten die Erkenntnisse zur Wortwahl von Patienten gleichwohl hilfreich sein. Weitere Untersuchungen dazu müssten allerdings über längere Zeit durchgeführt werden.

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