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Unpopular opinion Valentinstags-Blues: 4 Gründe, warum mich der Tag der Liebe nervt

Valentinstags-Blues: Eine Frau steht am Fenster
© Jan Faukner / Shutterstock
Für einige Menschen gehört der Valentinstag zu den schönsten Tagen des Jahres – für andere nicht. Unserer Autorin geht vor allem der Rummel um den 14. Februar von Jahr zu Jahr mehr auf die Nerven. Was sie am Tag der Liebe am meisten stört, erörtert sie hier.

Im Großen und Ganzen ist mir der Februar wirklich sympathisch. Das Wetter ist zwar gar nicht meins, aber ich liebe es zum Beispiel, dass sich die Dunkelheit nun spürbar zurückzieht. Morgens beim Aufwachen ist der Himmel zumindest meist schon grau statt schwarz. Das ist doch was. Ebenso muss ich erst einige Minuten nach Feierabend das Licht in meiner Wohnung einschalten. Wow. Kein Witz, das macht mir richtig gute Laune. Zudem mag ich diese Wochen, in denen die für mich schönste Zeit des Jahres – Frühling, Sommer und Herbst – unverbraucht, aber doch in absehbarer Nähe vor mir liegt. Und ich schätze es, dass der Februar den Anstand besitzt, nach maximal 29 Tagen Lebewohl zu sagen, und sich nicht so dreist und endlos hinzieht wie meine persönlichen Horrormonate Januar und Dezember. Der Februar hat also einen besonderen Platz in meinem Herzen. Nur eine Sache nervt mich an diesem Monat: der Valentinstag. 

Im Grunde habe ich gar nichts gegen diesen Tag an sich. Ich bin immer dafür, schöne Dinge, in diesem Fall die Liebe, zu feiern und ich finde auch die Geschichte oder Legende, auf der der Valentinstag beruht, interessant und erzählenswert. Ein Mann, der sich gegen die Regeln stellt und letztlich sein Leben opfert, um Menschen zusammenzubringen, die sich lieben, verdient schon einen Ehrentag, ob es ihn nun wirklich gab oder nicht. Wenn er dann auch noch Blinde heilt – chapeau, Monsieur Valentin. Doch was in unserer Gesellschaft und Öffentlichkeit gemeinhin aus dem Valentinstag gemacht wird, geht mir gehörig auf den Zeiger und schlägt mir manchmal sogar auf die Stimmung. Ich denke da zum Beispiel an folgende Punkte.

4 Dinge, die mich am Valentinstag nerven

1. Kommerzialisierung

Berufsbedingt werde ich ab dem letzten Januardrittel traditionell mit PR-Mails zugeballert, die das Wort Valentinstag im Betreff stehen haben. Das ist schon etwas anstrengend. Aber es betrifft nicht nur mein E-Mail-Postfach. Gefühlt möchte jede Branche von dem Tag der Liebe profitieren. Bei Blumenhandlungen, Pralinen- und Grußkartenproduktionen kann ich es ja noch verstehen. Doch wenn von Supermärkten über Apotheken und Fitnessstudios bis hin zu Banken und Möbelhäusern alle möglichen Geschäftszweige mit Valentinstagsaktionen um die Ecke kommen, wird es mir schon ein bisschen viel. Und es ist mir zuwider. Tag der Liebe und Marketingveranstaltung beziehungsweise Profitgier passen für mich nicht so gut zusammen.

2. Gruppenzwang

Als ich zur Schule ging, hat unsere Schülervertretung jedes Jahr eine Valentinsaktion gestartet, bei der man – anyonym oder auch nicht anonym – Zettel mit Grüßen an Mitschüler:innen schreiben und in einen Kasten werfen konnte, die die Mitglieder:innen besagter Schülervertretung an einem Schokoherz befestigten und am 14. Februar verteilten. Grauenvoll. Natürlich lief es jedes Jahr darauf hinaus, dass sich diejenigen, die keine oder wenig Grüße bekommen hatten, schlecht fühlten, während die anderen wetteiferten, wer wohl die meiste Schokolade mit nach Hause nehmen würde. Herzlichen Glückwunsch zu dieser super Aktion.

Nun gehe ich zwar nicht mehr zur Schule, doch auch in meinem Erwachsenenleben gab es schon Momente, in denen ich im Zusammenhang mit dem Valentinstag einen unangenehmen Gruppenzwang empfunden habe. Allein die Frage: "Was machst du denn Schönes am Valentinstag?" suggeriert ja schon, dass es selbstverständlich wäre, an diesem Tag etwas Besonderes zu machen. Aber was ist, wenn ich darauf keine Lust habe? Im Grunde fühle ich mich dann doch ähnlich schlecht wie Schüler:innen, die bei einer Valentinsaktion leer ausgehen: Außen vor, nicht integriert, unverstanden. 

3. Exklusivität

Tatsächlich schließt das gängige, derzeitige Verständnis vom Valentinstag einige Menschen aus: Zum Beispiel Singles und andere Personen, die nicht in einer klassischen, romantischen Beziehung stecken. Okay, bei der Legende um den Märtyrer Valentin ging es um die Ehe, doch mittlerweile wissen wir jawohl, dass die Ehe weder die einzige Form von Liebe noch das beste Lebensmodell widerspiegelt. Freundschaftliche Liebe, Geschwisterliebe, meinetwegen auch die gute, alte Selbstliebe – soll doch jeder Mensch am Valentinstag die Liebe feiern, die er gerade am stärksten fühlt, die ihn glücklich macht und ihm Halt gibt. 

4. Erwartungsdruck und Wettbewerb

Und wo wir gerade bei dem Gedanken sind, den Valentinstag für diverse Formen der Liebe zu öffnen: Überlassen wir doch gerne auch jedem Menschen, jedem Paar, jeder Familie oder Freundesgruppe selbst, wie sie ihn feiern oder verbringen. Wenn die romantische Überraschung der Partnerin oder des Partners nicht so teuer oder aufwendig war wie die, die die:der beste Freund:in bekommen hat, sagt das nichts über die Liebe oder die Partnerschaft aus. Genau wie nicht für alle Menschen die Ehe das richtige Lebensmodell ist, mögen nun mal nicht alle Menschen Rosen, Schmuck, Parfum, Pralinen oder Dates bei Kerzenschein. Niemand braucht sich schlecht zu fühlen oder zu zweifeln, wenn der Valentinstag bei ihm:ihr zu Hause nicht so abläuft wie in einem Disneyfilm. Jede:r kann selbst entscheiden, wie der perfekte Valentinstag für sie:ihn aussieht. Und vielleicht fiele diese Entscheidung nicht nur mir ein wenig leichter, wenn das kommerzielle und öffentliche Trara um unseren Tag der Liebe ein kleines bisschen leiser wäre. 

Brigitte

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