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Paartherapeut verrät Warum finden Frauen schwerer einen neuen Partner?

Warum finden Frauen schwerer einen neuen Partner: Frau sitzt alleine am Meer
© Konstantin Kolosov / Shutterstock
Liebe ist die Antwort auf alle Fragen? Nicht ganz. Sie stellt auch ziemlich viele. Psychologe und Paartherapeut Oskar Holzberg beantwortet sie alle.

Warum finden Frauen schwerer einen neuen Partner als Männer?

Kurz gesagt:

...wählt die erfahrene Köchin auf dem Wochenmarkt gezielter als der Typ mit ordentlich Kohldampf.

Jetzt mal ausführlich:

Tatsächlich scheint es so zu sein. Nach der ersten Ehe oder dem Ende einer langjährigen Beziehung bleiben Frauen eher und länger Single als Männer. Das sagt der Blick in den Bekanntenkreis, das sagt auch die Statistik. Im mittleren Alter wandeln bevorzugt Frauen auf Solopfaden: Fünf Jahre nach dem Ehe-Aus sind in der Altersgruppe zwischen 40 und 60 Jahren drei Viertel der Männer wieder verheiratet, aber nur die Hälfte der Frauen. Bei den über 60-Jährigen sind es immer noch die Hälfte der Männer, aber nur ein Viertel der Frauen. Auch die Beobachtung, dass Männer nach einer Trennung verdammt schnell wieder verpartnert leben, findet sich in Zahlen wieder. 50 Prozent der Männer, aber nur 30 Prozent der Frauen gaben eine alte für eine neue Beziehung auf, wechselten also direkt ins neue Liebesnest. Und die Befragung einer Dating- Plattform ergab, dass Frauen sich nach 15 Monaten bereit für eine neue Be- ziehung fühlen, Männer dafür aber nur vier Monate benötigen.

Für die Schweizer Psychologin Pasqualina Perrig-Chiello ist das Verharren in alten Rollenbildern der Grund, dass Männer sich so schnell wieder in neue Beziehungen stürzen. Sie haben es nicht gelernt, Schwächen einzugestehen. Sie können sich nicht verletzlich zeigen. Überspitzt gesagt, lassen sie eigentlich nicht einmal den Gedanken zu, verlassen worden zu sein. Deshalb trauern sie nicht. Stattdessen stehen sie wie James Bond nach dem Knock-out wieder auf und reparieren ihr ramponiertes Selbstwertgefühl durch eine neue Partnerschaft. Außerdem fehlt ihnen zumeist ein soziales Netz, das sie auffängt. Die Kumpel nicken nur, die emotionale Auseinandersetzung fehlt. Also suchen sie wieder die Intimität einer Liebesbeziehung, um emotional lebendig zu bleiben.

Frauen können es sich erlauben, wählerischer zu sein. Und sie sind es auch.

Frauen dagegen sind für ihre Lebensfreude weniger auf eine Partnerschaft angewiesen, sie leben eher in einem aktiven Netzwerk aus Freundinnen und Kontakten. Sie können es sich erlauben, wählerischer zu sein. Und sie sind es auch. Zum einen wollen sie oft nicht wieder in die Versorgerinnen- und Dienstleisterinnen-Rolle zurückkehren, die sie meist in Ehe und Familie ausgefüllt haben. Und sie suchen, entsprechend ihres Rollenverständnisses, meistens jemanden, der in puncto Alter und Bildung zumindest auf Augenhöhe ist. Doch immer mehr gut ausgebildete Frauen stehen immer mehr weniger gut ausgebildeten Männern gegenüber.

Wie wir uns binden, bestimmt nicht nur die Biologie oder unsere persönliche Geschichte. Es ist, wie die Soziologin Eva Illouz betont, auch ein kulturelles Verhalten. Da Männer in Sachen Bildung und Alter auch "nach unten" daten, wird es für Frauen auf dem "Heiratsmarkt" eng. Männer gehen leichter Bindungen ein, bei denen die Partnerinnen einen geringeren sozialen Status oder Bildungsstand haben und jünger als sie selbst sind. Der Professor, der seine Diplomandin heiratet, oder die Sugardaddys sind eben nicht nur Klischees. Durch ihr Wahlverhalten haben Männer eine größere Auswahl an mög­lichen Partnerinnen. Und da sie, wie wir auch wissen, emotional mehr von einer Liebesbeziehung profitieren, gehen sie entsprechend schneller wieder im Ehehafen vor Anker.

Oskar Holzberg ist Paartherapeut und schreibt in jeder BRIGITTE die Kolumne „Fragen der Liebe“. Keine Frage also, dass er der perfekte Autor für dieses Stück ist.

Porträt Oskar Holzberg
Oskar Holzberg, 66, berät seit mehr als 20 Jahren in seiner Hamburger Praxis Paare und bekommt immer wieder Beziehungsfragen gestellt. Sein aktuelles Buch heißt: "Neue Schlüsselsätze der Liebe" (242 S., 20 Euro, Dumont).
© Ilona Habben

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