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Mimimi Was es dir sagen sollte, wenn andere dich häufig kränken

Warum fühlt man sich gekränkt? Eine junge Frau im Profil
© Androlia / Shutterstock
Du wirst oft von anderen gekränkt? Diese fiesen Menschen! Allerdings liegt es vielleicht auch ein bisschen an dir ...

In welchen Situationen und von welchen Aussagen wir uns gekränkt fühlen, ist sehr individuell. Würde mir zum Beispiel jemand sagen, dass ich einen furchtbaren deutschen Akzent habe, wenn ich Englisch spreche, würde ich sagen "Ei no sät" und darüber lachen. Als mir jedoch vor kurzem eine Freundin sagte, ihr fehlt in ihrer Arbeit (in der Unternehmenskommunikation) manchmal ein bisschen der Sinn und sie träumt ab und zu davon, Ärztin zu sein und Leben zu retten, denn das allein empfände sie als wirklich sinnvoll, hat mich das getroffen und sogar gekränkt – dabei ging es nicht einmal um mich.

Genau genommen kränken wir uns immer nur selbst

Bei einer Kränkung spielt es oft gar keine Rolle, ob uns jemand gezielt angreift oder nicht, denn meist sind wir in hohem Maße selbst dafür verantwortlich, dass wir uns gekränkt fühlen. Wie andere Emotionen entsteht das Gefühl der Kränkung aus unserer Interpretation unserer Wahrnehmung: Wenn wir etwas hören oder erleben, das wir als Angriff auf unseren Selbstwert interpretieren oder durch das wir unsere Werte und Überzeugungen bedroht oder in Zweifel gezogen sehen, fühlen wir uns getroffen und empfinden heftige Emotionen. Wir "taumeln", wie es der Psychologe und Unternehmer Dr. Leon Windscheid im Podcast "Betreutes Fühlen" mit Atze Schröder formuliert, weil wir gerade einen Schlag in unseren mentalen Solarplexus eingesteckt haben – und das auch noch durch unsere eigene Faust.

Kränkungen treffen uns nur an Schwachstellen

Doch nun kommt das eigentlich Entscheidende: Genau wie wir einen Boxer nicht zum Taumeln bringen, wenn wir auf seinen durchtrainierten Po oder seine Bauchmuskeln zielen, werden wir uns niemals gekränkt fühlen, wenn es um Dinge geht, die für uns unwichtig sind, oder um unsere Stärken, derer wir uns sicher sind. Sehen wir dagegen unsere Unsicherheiten, Schwachstellen, wunden Punkte und wichtigsten Werte unter Beschuss, trifft uns eine Kränkung schwer – und lässt uns taumeln. 

Insofern führen uns Kränkungen meist unsere Unsicherheiten vor Augen und wer viele davon hat und selbst stark an sich und seinem Leben zweifelt, ist in der Regel deutlich leichter und häufiger gekränkt als jemand, der sich seiner Stärken, Prioritäten und Entscheidungen im Großen und Ganzen sicher ist. Wunde Punkte hat zwar jeder Mensch, doch es sollten nicht so viele sein, dass wir durchs Leben taumeln. 

Was die Aussage meiner Freundin anbelangt, die mich gekränkt hat, habe ich übrigens eine Theorie, welche meiner Unsicherheiten bzw. Werte damit getriggert wurde. Aber jetzt auch noch das Fass aufzumachen, über den Sinn des Lebens nachzudenken, würde wahrscheinlich nicht nur mich zum Taumeln bringen – und das ganz ohne Kränkung.  

Falls du mehr über das Thema Kränkung erfahren und wissen möchtest, was Leon und Atze darüber denken, kannst du dir zum Beispiel unter folgendem Link ihre Podcast-Folge dazu anhören.


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