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Gelassenheit 5 Dinge, die tiefenentspannte Menschen verstanden haben

Warum sind manche Menschen so gelassen? Eine entspannte Frau mit Laptop und Hund auf ihrem Balkon
© ImYanis / Shutterstock
Hast du dich auch schon mal gefragt, wie manche Menschen immer so unfassbar gelassen und entspannt bleiben? Oder bist du vielleicht selbst einer von ihnen – und hast folgende Weisheiten längst verinnerlicht?

Es heißt, Gelassenheit kommt mit dem Alter: Je mehr Erfahrungen wir sammeln und je öfter wir feststellen, dass die Welt meistens doch nicht untergeht, selbst wenn es sich für uns so anfühlt, umso zuversichtlicher und entspannter werden wir. Außerdem soll uns Erfolg gelassen machen, denn wer erfolgreich ist, fühlt sich weniger angreifbar und hat mehr (Selbst-)Vertrauen. Wenn wir uns die Etymologie des Wortes Gelassenheit anschauen, könnte auch der Glaube oder Religiosität zu einer Tiefenentspanntheit beitragen: Das mittelhochdeutsche "Gelazenheit" bedeutete Gottergebenheit und Gottvertrauen.  

Allerdings scheint es nicht nur am Alter, Erfolg und unserem Glauben zu hängen, ob wir gelassen sind oder nicht. Vor einigen Wochen ging ich über eine grüne Fußgängerampel. Plötzlich kam ein Radfahrer von hinten links und kreuzte den Fußgängerübergang, obwohl er hätte anhalten müssen. Ich erschrak kurz, blieb stehen, sagte "Ups" und ging dann einfach weiter. Die Frau rechts neben mir – sie war rund 30 Jahre älter als ich und ihre Frisur und Klamotten waren circa viermal so teuer wie meine – blieb ebenfalls stehen, fauchte "Arschloch!" und ging dann sichtlich erzürnt weiter. Ich würde mich nicht einmal als besonders entspannten Menschen bezeichnen. Doch in dieser Situation haben die gut gekleidete "Arschloch!"-Lady und ich die drei Thesen über Gelassenheit widerlegt (wie sie zu Gott steht, weiß ich natürlich nicht, aber für mich gibt es ihn jedenfalls nicht).

Sicher spielen auch Faktoren wie Wetter, To-Do-Liste und Tagesform eine Rolle dabei, wie gelassen wir sind. Hätte es an diesem Tag zum Beispiel geregnet und wären es unter acht Grad gewesen, hätte ich mich vielleicht ebenso über den Radfahrer aufgeregt wie die Frau neben mir. Wirklich tiefenentspannte Menschen sind jedoch im Gegensatz zur mir und der anderen Fußgängerin weitestgehend unabhängig von äußeren Faktoren, weil sie die richtige Einstellung haben – und folgende fünf Dinge verinnerlichen.

5 Dinge, die grundentspannte Menschen verstanden haben

1. Sich aufzuregen bringt meistens nichts

Aus evolutionsbiologischer Sicht haben Gefühle wie Stress, Angst und Aufregung den Sinn, uns in Gefahrensituationen zu fokussieren und kurzfristig unser Überleben zu sichern. Doch solche Situationen sind heutzutage eher selten. Die meisten Anforderungen unserer Zeit bewältigen wir deutlich besser, wenn wir entspannt und gelassen sind – weil wir dann leichter das Gesamtbild im Blick behalten, sinnvoller priorisieren und besonnener agieren. Aufregung ist oftmals verschwendete Energie, die überhaupt nichts nützt, sondern im Gegenteil sogar eher schadet. Und das haben grundentspannte Menschen so tief verinnerlicht, dass sie sich diese Mühe von vornherein sparen. 

2. Im Leben läuft nicht immer alles glatt

Es kann im Leben nicht immer alles gutgehen und nach unserer Nase laufen, manchmal kreuzen eben rüpelhafte Radfahrer unseren Weg und wir können nichts daran ändern – aber dann müssen wir es auch gar nicht erst versuchen. Chaos, Scheitern, Verfall und Misserfolge gehören zum Leben dazu. Sich innerlich dagegen aufzulehnen, führt zu Frust und Aufregung, es zu akzeptieren, schenkt Frieden und Gelassenheit.

3. Das Leben ist zwar fordernd, aber Dauerstress machen wir uns immer nur selbst

Auch tiefenentspannte Menschen liegen nicht den ganzen Tag in der Hängematte und chillen. Wir alle müssen uns den Herausforderungen des Lebens stellen und manchmal ist das eben anstrengend und stressig. Was grundgelassene Menschen jedoch verstanden haben, ist, dass notwendiger Stress immer nur kurzfristig anhält, und zwar bis wir eine Situation eingeordnet und im Griff haben. Danach könnten wir eigentlich wieder runterkommen und uns beruhigen, doch viele Leute verlieren sich in ihrem Stress und steigern sich in ihn hinein, statt ihn ziehen zu lassen – und sich das Gefühl zu erlauben, genug getan zu haben.

4. Es passiert nichts Schlimmes, wenn wir entspannen

Tatsächlich steckt bei manchen dauergestressten Personen ein Phänomen hinter ihrer Anspannung, das sich "Fear of Happiness" also Angst vor dem Glücklichsein nennt. Betroffene glauben, dass sie, wenn sie einmal loslassen und gelassen sind, umso tiefer fallen und umso härter aufschlagen, wenn die nächste Stresssituation eintritt. Außerdem fürchten sie, dass ihnen die Dinge entgleiten und sie die Kontrolle verlieren könnten, wenn sie sich entspannen. Grundgelassene Menschen haben diese Angst nicht, weil sie wissen, dass sie unbegründet ist. 

5. Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jot jejange

Generell zählt die deutsche Kultur und Gesellschaft nicht zu den gelassensten – man denke nur an Sprichwörter wie "ohne Fleiß keinen Preis" und "erst die Arbeit, dann das Vergnügen". Doch rheinische Weisheiten wie "et hätt noch immer jot jejange" zeigen, dass wir auch als Deutsche eine entspannte Lebenseinstellung haben können. Was im Dialekt so niedlich klingt, ist in der Tat eine wichtige und richtige Erkenntnis, die uns zu einer Grundgelassenheit verhelfen kann: Denn selbst wenn bei uns gerade alles aus dem Ruder läuft, ist das selten das Ende der Welt. Klar, sofern wir eine Atombombe entschärfen müssen, kann es das schon mal sein, doch die meisten unserer Alltagsdramen sind spätestens nach ein paar Wochen vorbei und vergessen, selbst wenn wir sie nicht optimal gemeistert haben. Warum das so ist, ist zwar eine Glaubensfrage, aber dass es so ist, können wir uns ebenfalls mit einer rheinischen Weisheit einbläuen: "Et löpt sich ans torecht".


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