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Schlafforschung 5 Dinge, die du nachts tust, ohne es zu merken

Was passiert, während wir schlafen? Eine schlafende Frau im Bett
© ullision / Shutterstock
Wenn es gut läuft, legen wir uns abends ins Bett und wachen am nächsten Morgen wieder auf. Was dazwischen passiert, davon bekommen wir kaum etwas mit – dabei ist es eine ganze Menge ...

Es heißt, jeder Mensch habe drei Gesichter, doch im Grunde müsste man diese Zahl noch einmal mindestens verdoppeln: Denn morgens sind die meisten von uns völlig anders als abends! Abends sind wir tendenziell eingegroovt und ans Wachsein gewöhnt, zugleich aber auch voll mit Eindrücken und ziemlich verbraucht. Morgens sind wir dagegen halbwegs orientierungslos und benötigen erstmal ein paar Minuten, um zu verstehen, was eigentlich gerade Phase ist. Andererseits sind wir irgendwie frischer als am Abend zuvor (spätestens nach dem ersten Kaffee) und sehen viele Dinge anders – und irgendwie klarer. Was aber passiert zwischen diesen beiden Zuständen und verändert uns zum Teil so sehr, dass wir uns selbst kaum wiedererkennen (oder zumindest einige unserer abendlichen Gedanken plötzlich nicht mehr nachvollziehen können ...)? Unter anderem folgendes.

5 Dinge, die du nachts tust, ohne es zu merken

1. Aufwachen

Selbst wenn wir glauben, wir hätten acht Stunden durchgeschlafen: In Wahrheit wachen wir nachts mehrmals auf und wechseln unsere Schlafposition, bis zu 20 Mal gilt in der Schlafforschung als völlig normal. Maximal eine Minute dauern diese kurzen Wachphasen, in denen wir checken, ob wir warm und sicher liegen, und die uns davor bewahren, aus dem Bett zu fallen. Interessant: Diese Schlafroutine ist nicht angeboren, sondern gelernt, deshalb empfiehlt es sich auch, Kinder in einem Gitterbettchen schlafen zu lassen – sie würden sonst nämlich häufiger aus dem Bett kullern. Um uns am nächsten Morgen an unser Aufwachen zu erinnern, müssten wir um die fünf Minuten wach sein.

2. Verarbeiten

Wir können noch so achtsam leben und geübt im Selbstreflektieren sein: Tagsüber werden wir unsere Erlebnisse und Empfindungen niemals so verarbeiten können wie nachts. Der Grund dafür ist, dass immer irgendwelche Eindrücke auf uns einströmen, wenn wir wach sind, und die lenken uns davon ab, uns mit uns selbst auseinanderzusetzen (außer vielleicht beim Meditieren). Im Schlaf, genauer gesagt in unseren Tiefschlafphasen, schotten wir uns von der Außenwelt ab und sind lediglich für Gefahren und Alarmsignale empfänglich (laute Geräusche, komische Gerüche, extreme Temperaturen ...). Unser Gehirn nutzt diese Gelegenheit, um Eindrücke zu ordnen und zu bewerten, Prioritäten zu setzen und sogar um Lösungen zu finden – deshalb kommen uns manchmal über Nacht die besten Ideen.  

3. Verrückt werden

Wir erinnern uns zwar nur selten an unsere Träume, doch tatsächlich träumen wir jede Nacht. Rund ein Fünftel unserer Ruhezeit und damit zwischen anderthalb und zwei Stunden befinden wir uns im REM-Schlafstadium (Rapid Eye Movement), in dem wir fantasieren, Situationen durchspielen, die uns Angst machen oder beschäftigen, und, wenn wir Glück haben, auch mal jemanden in den Arm nehmen können, der gar nicht mehr lebt – zumindest in unserer Vorstellung.

Manche Schlafforscher bezeichnen Träumen als psychotischen Zustand, weil es Halluzinationen und Wahnvorstellungen gleicht, aber dieser Zustand ist wichtig für uns, denn im Traum machen wir zum Teil wertvolle Erfahrungen, die wir wach nie machen könnten. Bei vielen Menschen sind sogar einige ihrer frühesten Kindheitserinnerungen Träume, da sie so starke Emotionen ausgelöst haben, dass sie ihnen im Gedächtnis geblieben sind. Der Schlafforscher Michael Perlis von der University of Pennsylvania sagte gegenüber dem "Stern": "Schlafen ist gut für Gehirn und Körper, aber auch ein Erlebnis. Der REM-Schlaf ist vielleicht das Element, das uns am meisten zum Menschen macht." 

An unsere Träume erinnern können wir uns in der Regel nur, wenn wir daraus aufwachen. Allerdings können wir unser Gehirn trainieren, einen Traum als Traum zu registrieren: Stellen wir uns mehrmals täglich gezielt die Frage: "Passiert das gerade wirklich oder träume ich vielleicht?", tut es das nach einer Weile auch, wenn wir schlafen, und wir nehmen unsere Träume bewusster wahr. Was deine Träume bedeuten, kannst du übrigens in unserer Traumdeutung nachlesen.

4. Stimmung regulieren

Wir können noch so gestresst und  mies gelaunt ins Bett gehen – wir wachen niemals ebenso gestresst und mies gelaunt wieder auf. Wenn wir schlafen, sinkt unser Kortisolspiegel und wir kommen psychisch wie körperlich zur Ruhe. Außerdem gewinnen wir, vor allem durch den Übergang in den Tiefschlaf, Abstand zu was immer uns gestresst oder geärgert hat und unsere Träume lenken uns davon ab oder eröffnen uns darauf eine neue Perspektive, wenn es darin eine Rolle spielt. Auf jeden Fall fühlen wir uns fast immer besser, nachdem wir geschlafen haben – es sei denn, es war zu kurz oder wir haben am Vorabend zu viel getrunken ... 

5. Lernen

Abgesehen von Lösungen finden und Eindrücke verarbeiten nutzt unser Gehirn die Ruhe unserer Tiefschlafphasen für die Gedächtnisbildung. Erfahrungen und Erlebnisse werden ins Langzeitgedächtnis einsortiert, Gewohnheiten setzen und festigen sich in unserem "Unterbewusstsein". Durch diesen Prozess sichern wir nicht nur Erinnerungen, sondern sind zudem jeden Morgen wieder empfänglich für neue Informationen und können uns neuen Herausforderungen stellen.

Neben den genannten Aktivitäten, regeneriert sich natürlich auch unser Körper, während wir schlafen – unser Immunsystem wird gestärkt, Knochen und Muskeln wachsen (nach), unser Stoffwechsel reguliert sich. Insofern erscheint es mehr als sinnvoll zu probieren, tagsüber so zu leben, dass wir nachts ruhig schlafen können!


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