Hirnforscher verrät: So triffst du die klügsten Entscheidungen

Bauch oder Kopf? Mama oder Papa? Noch etwas googeln oder genug informiert? Entscheidungsprozesse sind manchmal ganz schön kniffelig. Wie du laut Hirnforschern am besten vorgehst.

  • Aufstehen oder Snoozen?
  • Brötchen oder Müsli? Rock oder Hose?
  • Zurücklächeln oder verschämt wegschauen?

Die meisten Entscheidungen unseres Alltags bewältigen wir, ohne großartig darüber nachzudenken, und mit beeindruckendem Erfolg. Manchmal stehen wir jedoch vor einer Wahl, bei der wir unsicher sind:

  • In den Urlaub nach Dänemark oder Italien?
  • Neuen Fernseher oder Kühlschrank?
  • Studieren oder Geld verdienen?

Um in solchen Fällen bestmöglich zu entscheiden, brauchen wir alle Entscheidungsinstrumente, die uns zur Verfügung stehen. Aber: Welche sind das eigentlich?

Diese zwei Werkzeuge unterstützen uns bei Entscheidungen

Wie der Hirnforscher und Autor Martin Korte in seinem Buch "Hirngeflüster" erklärt, haben wir sozusagen zwei Werkzeuge, die wir bei Entscheidungsprozessen nutzen können:

  1. Intuition (auch als "Bauchgefühl" bekannt)
  2. Verstand

Da die beiden nicht nur unterschiedlich funktionieren, sondern auch verschiedene Stärken und Schwächen haben, schauen wir sie uns kurz einzeln an.

1. Intuition

Unsere Intuition verorten Neurologen in demselben Hirnareal wie unsere Gewohnheiten, den sogenannten Basalganglien. Aus evolutionsbiologischer Sicht ist dieser Teil unseres körpereigenen Rechenzentrums sehr alt und was sich dort abspielt, uns meistens weder bewusst noch "sprachlicher Natur", wie Korte schreibt. Unsere Intuition bezieht die Informationen, die sie zu einem Entscheidungsprozess heranzieht, aus unserer eigenen Erfahrung: Indem sie ein Muster erkennt, das uns aus einer früheren Situation vertraut ist. Anhand dessen empfiehlt sie uns, so oder so zu entscheiden. Die große Stärke der Intuition: Sie berücksichtigt wahnsinnig viele Parameter bei einer Entscheidung, nämlich alle, die die Muster-Situation bedingt haben. Ihre Schwäche: Sie verkennt gerne mal den Unterschied zwischen der neuen, konkreten Situation und dem abgespeicherten Muster – und natürlich kann das zu Fehleinschätzungen führen ... (Da wir erlebte Erfahrungen in der Regel mit Emotionen verknüpfen und Erinnerungen daran über sie auch wieder abrufen, ist zudem unser limbisches System in den intuitiven Entscheidungsprozess involviert.) 

Sympathische Frau

2. Verstand

Dem Verstand ordnet Korte vorwiegend den präfrontalen Cortex zu, einen vergleichsweise jungen Teil unseres Gehirns, der bewusstes Nachdenken steuert und sprachbegabt ist. Unter anderem dank seiner Sprachbegabung kann unser Verstand unterschiedliche Optionen durchspielen ("was wäre, wenn ...") und Zusammenhänge wie Kausalität klar erkennen – und letztlich ist das in einem Entscheidungsprozess auch seine größte Stärke. Die Schwäche unseres Verstands: Ihn zu nutzen ist tierisch anstrengend, er hat keine besonders hohe Kapazität und kann nur einen Bruchteil der relevanten Faktoren erfassen – was natürlich zu beträchtlichen Fehleinschätzungen und verzerrten Gewichtungen führen kann ...

So nutzen wir unsere Werkzeuge optimal

Aus der Beschreibung im Beipackzettel unserer zwei Entscheidungswerkzeuge ergibt sich folgende Gebrauchsempfehlung:

  • In komplexen, aber uns vertrauten Situationen können wir uns guten Gewissens auf unsere Intuition verlassen – vor allem, wenn wir uns schnell entscheiden müssen. (Beispiele: Straßenverkehr, Alltagsentscheidungen, Priorisierung gewohnter To-Dos ...)  
  • In einfachen, uns unbekannten Situationen ist unser Verstand der beste Ratgeber – vor allem, wenn wir Zeit zum Nachdenken haben. (Beispiele: Investitionen und Kaufentscheidungen, wann ist der richtige Zeitpunkt, um zu einer Verabredung in einem neuen Café aufzubrechen? ...)
  • In komplexen, neuen Situationen, in denen uns Entscheidungen normalerweise am schwersten fallen und die uns deshalb am meisten interessieren, ist eine Kombination aus Intuition und Verstand die beste Variante, also "nachdenken über unser Denken", wie es der Hirnforscher formuliert: In uns hinein-spüren, was sich richtig anfühlt, plus bewusst überlegen, warum es sich richtig anfühlt, welche Konsequenzen es hätte, unserem Gefühl zu folgen, was wir wohl fühlen würden, wenn wir uns anders verhielten ... oder wie es bei Korte heißt: "Wir müssen uns immer klarmachen, um welche Art von Entscheidung es sich gerade handelt und welche Informationen dafür essentiell sind."

Letzteres klingt anstrengend – und ist es auch. Doch eine weitere Regel, die laut dem Neurologen unverzichtbar ist, um kluge Entscheidungen zu treffen, ist zum Glück ganz einfach (*hust, hust*):

  • Unsicherheit zulassen!

Hundertprozentige Gewissheit über die Konsequenzen haben wir nämlich nie, wenn wir uns entscheiden, weder bei einfachen Problemen noch bei komplexen, neuen oder uns vertrauten. Sich aber aus diesem Grund zu drücken und seinem Schicksal zu ergeben, ist mit hundertprozentiger Sicherheit niemals die klügste Entscheidung – sondern die dümmste.

sus
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