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Glücksforscher verrät So kannst du am besten dein Wohlbefinden steigern

Wohlbefinden steigern: Hilfsbereite Frau
© Halfpoint / Shutterstock
Unser Wohlbefinden steigt nachweislich enorm, wenn wir uns freiwillig engagieren. Warum, erklärt Glücksforscher Karlheinz Ruckriegel.

BRIGITTE WOMAN: Herr Ruckriegel, welchen Effekt hat es auf mich, wenn ich anderen unentgeltlich helfe?

Karlheinz Ruckriegel: Untersuchungen zeigen, dass Menschen, die ehrenamtlich tätig sind, eine bessere Emotionsbilanz haben. Sie tragen klar mehr positive als negative Gefühle in sich. Aber auch auf der kognitiven Ebene schätzen sich Menschen mit Ehrenamt deutlich zufriedener ein als solche ohne.

Wie lässt sich das erklären?

Wenn wir anderen helfen, tun wir damit auch ganz viel für uns selbst: Wir erleben uns als zupackend, bewirken etwas und stärken so unser Selbstvertrauen. Wir lösen Probleme in einer Community, schieben kleine und große Projekte an. Das ist unglaublich sinnstiftend. Und wir können gezielt unsere Kenntnisse und Fähigkeiten einbringen, bis ins hohe Alter.

Klingt fast erfüllender als so mancher Job.

Beim Ehrenamt habe ich mich freiwillig für eine Tätigkeit entschieden, hinter der ich zu hundert Prozent stehe. Dadurch steigere ich meine Selbstwirksamkeit enorm. Da müssen wir im Job viel öfter Kröten schlucken. Deshalb wirkt ein Ehrenamt auch Stress entgegen und stärkt das Immunsystem. Das kann die Lebenserwartung um fünf bis zehn Jahre steigern.

Soziales Handeln ist demnach weniger selbstlos als gedacht.

Als vor 400.000 Jahren die Nahrung knapper wurde, mussten die Menschen kooperieren, sonst wären sie ausgestorben. Und Zusammenarbeit setzt Fairness voraus. Damals wurde die entscheidende Weiche gestellt, die uns zum sozialsten Lebewesen der Erde macht.

Aber, ganz ehrlich, leben wir nicht immer noch vor allem in einer Ellenbogengesellschaft?

Nein, der Mensch ist kein Homo oeconomicus, der nach größtmöglichem Nutzen für sich strebt. Mittlerweile erkennen auch die Wirtschaftswissenschaften: Wir sind von Haus aus auf Fairness und Gemeinschaft gepolt. Natürlich ging es seit den 80ern viel ums Sichdurchsetzen. Aber das kehrt sich gerade um.

Eine gute Nachricht für alle, die sich ehrenamtlich engagieren?

Ja. Der aktuelle World-Happiness-Report stellt fest: Der Beitrag des Materiellen zu unserem Glück ist begrenzt. Es geht den Menschen hauptsächlich um gelingende soziale Beziehungen und um sinnhaftes Tun.

Trotzdem muss ich mir ein Ehrenamt erst mal leisten können, auch zeitlich.

Sicher. Aber interessanterweise sind gerade Menschen, die beruflich sehr eingespannt sind, oft auch ehrenamtlich tätig. Ein Ehrenamt ist eben ein guter Ausgleich.

Und für die anderen geht es nach der Rente los?

Vielen gelingt dann der Einstieg leider nicht mehr. Darum ist es sehr sinnvoll, damit möglichst früh zu beginnen. Und wenn es mich schon jetzt so viel zufriedener machen kann – warum noch lange warten?

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