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Zu viel Empathie Schadet dir dein Mitgefühl?

Zu viel Empathie: Zwei Freundinnen sitzen auf der Couch
© Prostock-studio / Shutterstock
Mit anderen mitfühlen können ist eigentlich eine gute Eigenschaft. Zu viel Empathie kann aber schaden. Woran du ein Übermaß erkennst, erfährst du jetzt.

Hyper-Empathie-Syndrom: Zu viel Empathie

Empathie bezeichnet die Fähigkeit, sich in die Gefühlswelt eines anderen hineindenken zu können. Ohne Empathie würde das soziale Zusammenleben, wie wir es kennen, nur schwer funktionieren. Wir spüren, wann es angebracht ist, kritische Themen anzusprechen und wann man lieber den Mund halten sollte. Empathische Menschen nehmen wahr, wenn Mitmenschen Hilfe brauchen und achten darauf, anderen keinen Schaden zuzufügen.

Rücksicht, Respekt oder Hilfsbereitschaft basieren auf einem gesunden Level an Empathie. Nicht nur sich selbst sehen, sondern auch an andere denken – das ist für Beziehungen jeder Art absolut essentiell.

Das Level an Empathie ist angeboren, kann aber im Laufe des Lebens beeinflusst werden. Menschen, die kein Mitgefühl empfinden können, entwickeln oft Persönlichkeitsstörungen wie die Psychopathie oder dem klinisch diagnostizierbaren Narzissmus

Zu wenig Empathie schadet uns und unserem Miteinander, keine Frage. Aber wie sieht es eigentlich mit zu viel Empathie aus? Auch das kann schädlich sein und uns vor viele Herausforderungen stellen. Wissenschaftler bezeichnen übermäßiges Mitgefühl auch als "Hyper-Empathie-Syndrom", das oft mit Hochsensibilität einhergeht. Folgende vier Punkte sprechen dafür, dass deine Empathie etwas zu stark ausgeprägt ist.

1. Nein sagen kommt selten vor

Hallo, Überforderung! Zu viel Empathie bringt uns dazu, dass wir uns mehr aufhalsen, als wir wirklich schaffen können. Wir erkennen den Stress unseres Gegenübers und möchten helfen. Unseren eigenen Stress sehen wir dann aber viel zu spät. Wir verlieren uns in den Bedürfnissen der anderen – und das ist auf Dauer ungesund. 

Am Ende haben wir vorbildlich an alle anderen gedacht und uns dabei vollkommen selbst verloren. Nicht vergessen: Manchmal bedeutet ein Nein für andere ein Ja zu sich selbst. Schütze dich vor Überforderung und Stress, indem du Grenzen ziehst. Dann hast du auch mehr Power, um für andere da zu sein.

Hier erfährst du weitere Methoden, um Stress abbauen zu können.

2. Zu viel Empathie: Kritische Worte fallen schwer

Eine Freundin erzählt dir vom gefühlt achten Beziehungsversuch mit einem schwierigen Ex. Du fühlst ihren Schmerz, du siehst ihre Hoffnung. Wenn sie dich nach deiner Meinung fragt, reagierst du deshalb verständnisvoll und bejahst die emotionale Achterbahnfahrt. Schließlich wünschst du dir so sehr für sie, dass es diesmal klappt.

Wer sehr empathisch ist, verpasst allerdings Momente, in denen kritische Worte angebracht wären. Wir geben anderen zu schnell Recht, weil wir sie nicht vor den Kopf stoßen möchten. Wer will schon der Buhmann sein, der etwas schlecht macht?

Natürlich wollen wir niemanden kränken oder unglücklich machen. Eine gute Freundin traut sich allerdings auch manchmal, Kritik an Entscheidungen zu äußern und die BFF nicht blindlings ins Verderben rennen zu lassen. Widerworte sind zwar zuerst unangenehm, können aber langfristig viel Positives bewirken!

Hier zeigen wir dir, wie Kritik äußern gelingen kann, ohne dabei verletzend zu wirken.

3. Probleme werden übernommen

Als sehr empathischer Mensch fühlst du, was dein Gegenüber fühlt. Eine schöne Gabe, die für deine rücksichtsvolle Art spricht. Zu viel Empathie bringt allerdings auch eine Schwierigkeit mit sich: Du empfindest nicht nur die guten Emotionen anderer, sondern nimmst auch ihre Negativität mit. Ihre Emotionen sind deine Emotionen. Ihre Probleme sind deine Probleme. Und so kann ein eigentlich guter Tag schnell kippen. Wie das Wort Mitleid bereits verrät: Du leidest mit!

Ein Anruf, bei dem du von schlechten Nachrichten eines geschätzten Menschen hörst, reicht aus und die Laune sinkt in den Keller. Das kann kräftezehrend werden: Zusätzlich zu den eigenen Problemchen fühlen wir uns dann auch noch für Konflikte von anderen verantwortlich. Anstrengend!

Sind wir zu empathisch, fehlt uns oft die nötige emotionale Distanz zu anderen. Die ist allerdings wichtig, um das eigene Wohlergehen zu schützen und die passende Hilfe anzubieten. 

4. Zu schnell verzeihen

"Ach, das hat sie bestimmt nicht so gemeint!" Ein typischer Satz, den wir bestimmt alle schon mal gesagt oder gedacht haben. Nicht nachtragend zu sein, ist eine absolut positive Eigenschaft. Irgendwann muss man den Ballast schließlich loslassen und weitermachen!

Extrem empathische Menschen verzeihen allerdings etwas zu schnell. Statt verletzte Gefühle zuzulassen, werden sie unterdrückt. Das birgt die Gefahr in ungesunden Beziehungen steckenzubleiben, die dem eigenen Selbstwert schaden. Wir lassen uns zu viel gefallen und geben zu schnell nach. Wer glücklicher und selbstbewusster werden will, sollte zu seinen (verletzten) Gefühlen stehen. Zu schnell zu verzeihen ist ein typisches Zeichen für das Hyper-Empathie-Syndrom. 

Hast du dich bei dem ein oder anderen Punkt wiedererkannt? Vergiss im täglichen Alltagsstress nicht, auf dich selbst zu achten und dich nicht in der Empathie für deine Mitmenschen zu verlieren.

Viele weitere Tipps findest du auch in unserer BRIGITTE Community!


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