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Psychologie 8 Gründe, warum es gut ist, die Nette zu sein

Schluss mit kleine Schwester von: Lachende Frau mit Sonnenbrille
© lev dolgachov / Brigitte
Nett ist die kleine Schwester von ... ? Pustekuchen. Laut dieser Persönlichkeitsstudie gibt es gleich acht Gründe dafür, warum es gut ist, nett zu sein. Welche das sind, erfährst du hier. 

In Zeiten, in denen Selbstfürsorge gepredigt wird und Neinsagen salonfähig geworden ist – das ist toll, nicht falsch verstehen – schneiden nette Menschen plötzlich ziemlich schlecht ab. Nett ist die kleine Schwester von sch***, People Pleaser und Gutmenschen kann auch niemand mehr ab. Zeig doch mal Ecken und Kanten, sei doch nicht immer so nachgiebig, heißt es oft.

Dabei sind das eigentlich zwei verschiedene Paar Schuhe. Eine Person kann zu ihren Bedürfnissen stehen und Grenzen aufzeigen und dabei trotzdem freundlich bleiben. Dass Nettigkeit eigentlich eine tolle Eigenschaft ist, die es dir und deinen Mitmenschen in punkto Zwischenmenschlichkeit leichter macht, scheint vergessen. 

Kann jemand zu nett sein?

Der sogenannte People Pleaser möchte es allen zu jeder Zeit recht machen und vergisst dabei, auf sich selbst zu achten. Das ist auf Dauer natürlich nicht gesund und kann langfristig zu einer Überlastung führen. Solange du aber deine Bedürfnisse im Blick hast, profitieren sowohl du selbst als auch dein Umfeld von deiner netten Art. Das belegte erst kürzlich eine Studie, die sich mit Persönlichkeitspsychologie befasst.

Stell dir vor, du bietest einer Freundin an, ihr bei einem Projekt zu helfen. Dann tust du ihr mit deiner Unterstützung etwas Gutes, lernst aber auch selbst dazu und weitest deine Fähigkeiten aus. Im besten Fall bringt es auch noch Spaß und schweißt euch zusammen. Eine klassische Win-Win-Situation.

Wie wird Nettigkeit in der Persönlichkeitspsychologie bewertet?

In der Persönlichkeitspsychologie wird der Faktor Nettigkeit in Verträglichkeit übersetzt – eine der fünf Bereiche des Fünf-Faktoren-Modells (FFM) der Persönlichkeit. Verträglichkeit beschreibt laut FFM "das Persönlichkeitsmerkmal, das darauf ausgerichtet ist, anderen zu helfen und positive Beziehungen zu ihnen aufzubauen". Bist du verträglich, ist deine Anpassungsfähigkeit sehr stark ausgeprägt und du kommst mit ganz unterschiedlichen Menschen klar. Vermutlich bist du auch ziemlich offen und lässt dich gerne darauf ein, Neues auszuprobieren.

Das hört sich erst mal ziemlich positiv an. Die Wissenschaftler Wilmot und Ones untersuchten in ihrer Studie nun, ob diese Verträglichkeit oder in anderen Worten das "Nettsein", Konsequenzen hat, die das Leben der jeweiligen Person beeinflussen – positiv wie negativ

Wie ist die Studie aufgebaut?

Die Wissenschaftler entwickelten ein hierarchisches Modell, in welchem die Verträglichkeit in mehrere Teilaspekte aufgeteilt wurde: Vertrauen, Mitgefühl, Höflichkeit, Hilfsbereitschaft, Geradlinigkeit und Bescheidenheit. Die Frage, die sich die Forschenden nun gestellt haben, lautete: Inwieweit führen Menschen mit diesen Eigenschaften ein besseres Leben? Um das zu beantworten, befragten sie um die 1,9 Millionen Personen zu den oben genannten Variablen. Das Resultat: 93 Prozent der Eigenschaften, die unter Verträglichkeit fallen, bringen zusätzlich Vorteile für die jeweilige Person. Die acht auffälligsten Eigenschaften, die nette Menschen ausmachen, folgen jetzt.

Laut Studie: Diese 8 Eigenschaften bringen nette Menschen mit – und sind deshalb glücklicher

1. Selbsttranszendenz

Nette Menschen werden oft vom Wunsch getrieben, als Person zu wachsen. Sie sind sehr ambitioniert und motiviert, ihre Ziele zu verfolgen. Dabei besitzen sie ein hohes Maß an Selbstreflexion. Sie gehen zwar zielstrebig vor, würden aber nie ihr Umfeld vergessen oder als Einzelkämpfer:in vorpreschen.

2. Zufriedenheit

Die Personen akzeptieren ihr Leben so, wie es ist, und können sich gut an neue Lebensumstände anpassen. 

3. Zwischenmenschliche Beziehungen

Sie sind daran interessiert, gute Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen und diese auch aufrechtzuerhalten.

4. Teamplayer

Nette Menschen besitzen die empathische Fähigkeit, ihre eigenen Ziele mit denen anderer zu koordinieren, und sind deshalb tolle Teamplayer. Das Gruppenziel wird dem eigenen Ziel überstellt.

5. Arbeitsmoral

Sie sind bereit, die Ärmel hochzukrempeln und ihre Aufgaben gewissenhaft zu erledigen.

6. Normorientierung

Nette Menschen tendieren dazu, Regelverstöße zu vermeiden, und verhalten sich meist umsichtig und der Erwartungshaltung ihres Umfelds entsprechend. Deswegen geraten sie nicht so häufig in brenzlige Situationen.

7. Soziale Integration

Sie besitzen Empathie und können sich so leichter in die Gesellschaft integrieren. Die soziale Feinfühligkeit ermöglicht es netten Menschen beispielsweise, länger in einem Job zu bleiben, da sie von der Kollegschaft sehr geschätzt werden.

8. Selbstreflexion

Ein ausgeglichenes Wesen macht sie aus. Zudem können sie sich gut in andere Personen hineinversetzen. Das führt dazu, dass nette Menschen nicht nur ein großes soziales Netzwerk besitzen und tolle Zuhörer:innen sind, sondern sich auch ausgezeichnet selbst reflektieren können.

Quellen: Psychology Today, Mental Health, Studie: Wilmot, M. P., & Ones, D. S. (2022). Agreeableness and its consequences: A quantitative review of meta-analytic findings. Personality and Social Psychology Review, 26(3), 242–280. https://doi.org /10.1177/10888683211073007

Brigitte

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