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Bloß keine Scham! Wie dieses Gefühl gesunden Beziehungen im Weg steht

Wie dieses Gefühl gesunde Beziehungen beeinflusst
© Krakenimages.com / Adobe Stock
Es gibt viele Gründe, die uns und einer guten Beziehung im Weg stehen können. An Scham hätten wir dabei wahrscheinlich nicht sofort gedacht, doch dieses Gefühl beeinflusst uns stärker, als wir erwarten.

Inhaltsverzeichnis

Wir schämen uns für etwas und würden danach am liebsten direkt im Erdboden versinken. Welche Auswirkungen das auf unsere Beziehungen hat und was wir dagegen tun können, zeigen wir dir hier.

Was bedeutet Scham eigentlich?

Scham ist das unangenehme, fast quälende Empfinden, dass wir etwas falsch gemacht oder uns bloßgestellt haben. Die Auslöser dafür sind sehr unterschiedlich. Wir können uns zum Beispiel dafür schämen, wenn Menschen uns etwas vorwerfen und sagen, wir seien zu egoistisch, zu sensibel, zu laut, zu leise, zu viel davon oder zu wenig hiervon. Auch unangenehme Kommentare über unser Aussehen sowie Momente, in denen wir uns "blamiert" haben,  brennen sich förmlich in unsere Gehirne ein und können unser zukünftiges Verhalten beeinflussen. Schließlich möchten wir sowas am liebsten nie wieder erleben. 

So schränken uns die Gefühle ein

Scham in Partnerschaften ist ein wichtiges Thema, denn oft stellt dieses Gefühl ein großes Problem für die Stabilität dar. Passiert uns nämlich innerhalb der Beziehung etwas, in unseren Augen, Unangenehmes und es kommt häufig zu negativen Äußerungen des:der Partner:in über unser Verhalten oder Aussehen, mindert das unser Selbstwertgefühl. Dadurch fangen wir an, an uns zu zweifeln. Es ist schmerzhaft zu denken, dass bei uns etwas nicht stimmt und es von anderen zu hören, macht es nur realer für einen selbst. Klar, wir müssen Anmerkungen und Kritik an unserem Verhalten aushalten, wenn sie gerechtfertigt sind, aber gerne haben wir das trotzdem nicht. Im schlimmsten Fall führt es dazu, dass wir uns immer mehr zurücknehmen. Wir haben Angst, dass das Gefühl zurückkommt und wir wieder verurteilt, belächelt oder sogar gedemütigt werden.

Wenn unser Empfinden das Problem ist

Es wird immer schambehaftete Momente in unserem Leben geben und das auch in unseren Beziehungen, weil sie völlig normal sind. Doch für viele Menschen ist Scham etwas, das sie bereits im Kindesalter erlebt haben und nie verarbeiten konnten. Konflikte abrupt zu beenden, einer unangenehmen Situation zu entfliehen oder im schlimmsten Fall unsere durch Scham ausgelöste Angst auf die andere Person zu projizieren, um sie selbst nicht mehr spüren zu müssen, sind Anzeichen, dass wir mit Scham nicht umgehen können. Das irritiert das Verhältnis zu anderen Menschen und sorgt für mehr Konfliktpotential. Schämen wir uns andersherum für das Verhalten unseres Gegenübers, weil er:sie sich auf der Party daneben benimmt oder in unseren Augen unangenehm verhält, und greifen sie deshalb an, verletzt es sie. Am Ende schieben wir unsere eigenen Probleme von uns und hinterlassen damit ein schlechtes Gefühl bei unserem:r Partner:in. Dadurch nehmen wir uns selbst die Möglichkeit, unsere Partner:innen an uns heranzulassen, wodurch wir Distanz aufbauen. All das sind Reaktionen auf unser eigenes Empfinden, die eigentlich kaum etwas mit der anderen Person zu tun haben.

Sex und Scham

In einer gesunden und stabilen Beziehung können wir uns fallen lassen und sein, wer wir sind. Schämen wir uns genau dafür, leidet die Beziehung. Unsere Körperwahrnehmung spielt dabei eine große Rolle. Fühlen wir uns in unser Haut nicht wohl und sehen nur unsere vermeintlichen Makel, kann uns das einschränken. In unseren Augen haben wir oft ein paar Kilo zu viel, unebenmäßige Haut sowie unschöne Rundungen (was natürlich Quatsch ist) und wenn wir uns deshalb schämen, beeinträchtigt das unser Liebesleben. Während unser:e Partner:in diese Dinge vielleicht gar nicht bemerkt, glauben wir, dass er:sie in Wahrheit darüber urteilt. Sprich, wir schämen uns und im schlimmsten Fall wollen wir unseren Körper nicht mehr zeigen. 

Der Beziehungsstatus als Auslöser von Scham

Für viele Menschen ist er sehr wichtig, doch er sorgt auch schnell für Zweifel und Gesprächsstoff: Der Beziehungsstatus. Bin ich schon zu lange Single? Macht mich meine Beziehung überhaupt glücklich? Ist er:sie der:die Richtige? Bin ich überhaupt gut genug für ihn:sie? All diese Fragen können mit einem Schamgefühl zusammenhängen, weil wir uns Sorgen machen, was andere Menschen über uns denken. Die Angst falsch, beziehungsunfähig oder schlichtweg nicht liebenswert zu sein, begünstigt das Schamgefühl. Offen zuzugeben, dass wir in der Beziehung unglücklich sind oder es nicht gut läuft, ist somit oftmals unangenehmer, als so zu tun, dass alles in Ordnung ist.  

Du schämst dich auch wirklich für gar nichts!

Es gibt Menschen, für die ist Scham ein Fremdwort. Von diesen Personen können wir uns direkt etwas abschauen, um besser mit diesem Gefühl umzugehen:

  • Das Schamgefühl annehmen: Ja, das mag schwierig klingen, aber die Gefühle zu akzeptieren, die in uns brodeln, hilft weiter. Wir können nur an den Aspekten arbeiten, die wir zulassen und wahrnehmen. Sich zu schämen ist normal.
  • Ein starkes Selbstwertgefühl aufbauen: Wenn wir uns mit uns selbst wohlfühlen und wissen, dass wir gut sind und unsere vermeintlich "unangenehmen" Verhaltensweisen zum Gesamtpaket dazugehören, schämen wir uns weniger. Indem du dir selbst etwas Gutes tust und auf deine Bedürfnisse achtest, stärkst du deinen Selbstwert. Mehr zu dem Thema "Selbstwertgefühl stärken" findest du hier.
  • Selbstmitgefühl erlernen: Scham geht oft mit sozialen Ängsten einher. Eine negative Selbsteinschätzung, Angst vor dem Versagen, kritische Bewertungen im näheren Umfeld und die Sorge, die Anforderungen anderer nicht zu erfüllen, bedingen auch Scham. Sich selbst etwas sanfter und nachsichtiger gegenüberzutreten, kann helfen, diese Ängste zu unterbinden.
  • Erkennen, dass du liebenswert bist: Die Menschen, die du in deinem Leben hast, sind nicht ohne Grund da. Sie lieben und schätzen dich auch mit deinen Fehltritten, vermeintlichen Makeln und Grübeleien. Die Rückversicherung deiner Mitmenschen kann dir helfen zu erkennen, dass du viel wertvoller bist, als du vielleicht ahnst.
  • Offene Kommunikation: Es mag kompliziert sein, aber das Gespräch mit deinem:r Partner:in wird dir weiterhelfen. Nur wenn du offen und ehrlich klarstellst, wann und wie du Scham empfindest, könnt ihr gemeinsam daran arbeiten. Jede:r nimmt Scham unterschiedlich wahr,  weshalb eure individuellen Blickwinkel darauf sehr wichtig sind.
  • Grenzen erkennen: Scham zeigt dir deine Grenzen auf und insgeheim auch, wie viel du in bestimmten Momenten aushältst. Das ist sehr hilfreich und gibt dir die Möglichkeit zu lernen, wo du Grenzen ziehen möchtest und was du hinnehmen kannst. Wenn du dir dessen bewusst wirst, baust du ein gesundes Verhältnis zu dir, deinen Grenzen und denen anderer auf. 
  • Eine Therapie in Erwägung ziehen: Ist das Schamgefühl ein häufiger Begleiter, kann auch professionelle Hilfe die richtige Lösung sein. Die ständige Kritik an sich selbst oder an anderen raubt Energie und kann die Beziehungen zu diesen Personen nachhaltig schädigen. Es ist keine Schande, Hilfe anzunehmen.

Verwendete Quellen: psychologytoday.com, beziehungsweise-magazin.de

Brigitte

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