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"Unsere Tochter will ihren Vater nicht besuchen - was tun?"


Mein zukünftiger Ex-Mann und ich leben seit über einem Jahr getrennt, und seit einem halben Jahr wohnt er in der Nachbarschaft, um unserem Kind nahe zu sein. Unsere Tochter ist vier Jahre alt. Die bisher funktionierende Umgangsregelung ist so, dass sie unter der Woche zwei Nachmittage und eine Nacht bei ihm verbringt, außerdem jedes zweite Wochenende von Freitagabend bis Sonntagabend.

Dennoch ist mein Mann von der Angst beseelt, ich wolle ihm das Kind nehmen. Seit einigen Monaten will unsere Tochter nicht mehr bei ihm übernachten, obwohl sie sonst meistens, wenn auch nicht immer, gern zu ihm geht. Manchmal bringt er sie dann nach Hause, in letzter Zeit aber verlässt er mit ihr an den Wochenenden die Stadt, um Familie oder Freunde zu besuchen, ohne mir etwas davon zu sagen. Er glaubt, es liegt an mir, dass unsere Tochter nicht mehr bei ihm übernachten will.

Ich gebe mir aber große Mühe, dass sie gerne bei ihm ist und glücklich wiederkommt. Das sieht er nicht, ist feindselig und redet nicht mit mir. Nimmt unsere Tochter Schaden, wenn Mama sie überzeugt, zu Papa zu gehen, und er sie dann fortbringt, ohne dass Mama etwas davon wusste und gesagt hätte? Ich weiß nicht, wie ich mich noch richtiger verhalten kann, auch nicht, was ich tun kann, damit unsere Tochter gerne bei Papa schläft.

Zunächst einmal sei gesagt, dass es für Ihre Tochter sehr gut ist, dass Sie und Ihr Noch-Ehemann gemeinsam eine Umgangsregelung gefunden haben. Um diese Regelung aber auch weiterhin am Laufen zu halten, sind Gespräche zwischen Ihnen als Eltern wichtig. Diese Gespräche sollten möglichst im Beisein einer neutralen Person erfolgen. Sie könnten sich dann gegenseitig über Ihre Bedenken austauschen. Vielleicht gibt es einen ganz anderen Grund, warum Ihre Tochter im Augenblick nicht bei Ihrem Vater übernachten möchte.

Sie schreiben, dass der Vater seine Tochter "fortbringt" und dass Sie nichts davon wissen. Die Wortwahl "fortbringen" lässt schon Ihre Empfindungen erahnen. Natürlich wäre es schön, wenn Sie sich über die Unternehmungen austauschen könnten, dieses ist aber anscheinend im Moment noch schwierig. Sie müssen versuchen, dem Kindsvater ein wenig Vertrauen entgegenzubringen. Die Gestaltung der Umgangskontakte liegt immer bei dem Elternteil, bei dem das Kind zu Besuch ist, und der Kindsvater muss nicht über jeden Schritt Rechenschaft ablegen.

Es reicht ganz und gar, wenn Sie Ihrem Kind ein schönes Wochenende oder schöne Tage beim Vater wünschen. So vermitteln Sie Ihrer Tochter, dass Sie keine Einwände gegen den Besuch haben. Kinder sind hoch sensibel und spüren die Spannung zwischen den Eltern. Versuchen Sie gemeinsam, im Sinne Ihrer Tochter, einen Weg zu finden. Vielleicht hat Ihre Tochter auch ganz konkrete Vorstellungen bezüglich der Besuche beim Vater, die Sie berücksichtigen sollten.

Ute Kuleisa-Binge ist Erzieherin. Seit 16 Jahren ist sie tätig als Verfahrenspflegerin und Vormünderin sowie zusätzlich seit 5 Jahren als Familienmediatorin. In Scheidungsprozessen ist es ihre Aufgabe, als "Anwältin des Kindes" dessen Interessen zu vertreten.


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