Auf Scheidung verzichten wegen Steuervorteils?

Mein Mann und ich leben seit mehr als einem Jahr getrennt. Jetzt schlägt er mir vor, auf die Scheidung zu verzichten. Dann könnte er weiter vom Ehegatten-Splitting profitieren und würde mir mehr Unterhalt zahlen. Ist das legal? Und wenn ja, ist es empfehlenswert?

Die Antwort der Expertin

Im Einkommensteuergesetz ist geregelt, dass jeder Ehepartner eine getrennte Steuererklärung abgeben muss, wenn er ab dem 1. Januar eines Kalenderjahres dauernd von dem ande-ren getrennt lebt. Eine Zusammenveranlagung wäre nicht legal - man verliert im Jahr nach der Trennung den Vorteil des Ehegatten-Splittings. Hat es aber im Jahr nach der Trennung einen Versöhnungsversuch gegeben (z. B. ein Zusammenleben der Eheleute für einen Monat) ist eine Zusammenveranlagung wieder möglich. Diese Regelung verleitet Ehepartner häufig dazu, gegenüber dem Finanzamt falsche Angaben zu machen.

Der Verlust der Zusammenveranlagung wird im Steuerrecht zum Teil dadurch kompensiert, dass man Ehegattenunterhalt bis zu EUR 13.805,-- jährlich als Sonderausgabe von der Steuer absetzen kann. Ihr Ehemann könnte sich den an Sie gezahlten Unterhalt bis zu diesem Betrag als Freibetrag auf seiner Steuerkarte eintragen lassen und hätte dadurch ein höheres Nettoeinkommen. Ob sich dieses sogenannte Realsplitting in Ihrem Falle lohnt, sollten Sie berechnen lassen.

Bei der Frage, ob man sich scheiden lässt oder nicht, darf nicht nur der Unterhalt betrachtet werden. Lassen Sie sich über sämtliche Folgen rechtlich beraten, damit Sie entscheiden können, welche Lösung für Sie in Betracht kommt.

Katharina Mosel ist Rechtsanwältin in Köln. Als Fachanwältin beschäftigt sie sich vor allem mit dem Familienrecht.

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