Scheidungs-Tipps: "Und morgen bin ich dich los"

Im großen BRIGITTE-Scheidungsbuch "Und morgen bin ich dich los" hat Vera Sandberg Erste-Hilfe-Tipps von Experten und geschiedenen Frauen gesammelt. Dazu gehören auch ihre eigenen. Eine Leseprobe.

1. Wieder jünger werden

Ich mache alles, aber auch alles, was mir gut tut. Zuerst bin ich umgezogen. Meine neue Wohnung ist winzig, zwei Zimmer, aber die mache ich mir so schön wie ich kann. Rote, transparente Vorhänge im Schlafzimmer, weiße Couch, weißer Schreibtisch im Wohnzimmer. Großes Marmorbad. Mini-Küche. Ich werde noch mal jung. Meine Kinder leben schon in eigenen Wohnungen.

2. Soldaten aufstellen

Abends im Bett zähle ich nicht Schäfchen, sondern Soldaten. Es ist schließlich ein Kampf. Ein Kampf ums Weiterleben. Meine Soldaten sind all jene Menschen, die ich kenne und von denen ich weiß oder annehme, dass sie mich gern haben. Freundinnen, Verwandte, Kollegen. Leute, die mich anrufen und fragen, wie es mir geht, die mich einladen zum Reden, alle, die nur ein bisschen nett sind. Das sind ganz schön viele. Ich stelle mir vor, wie sie einen Kreis um mich bilden. Ich in der Mitte, sie mein Schutzwall. In diesem Augenblick bin ich nicht mehr allein im Universum. Und kann einschlafen.

3. Mein Leben verstehen

Zum Verstehen mache ich eine Therapie. Einmal die Woche eine Stunde bei einer sehr klugen, sehr sympathischen Frau, die mir empfohlen worden ist. Ich freue mich immer auf den Tag, an dem ich sie sehe. Bis dahin können die schlimmsten Gefühle und Gedanken warten. Die Gespräche gehen zurück bis zur Kindheit. Sie sind der Kern meines Programms.

4. Gesundheit sichern

Nach einem Heulkrampf im Foyer eines Kinos gehe ich zu einer Neurologin. Sie verschreibt mir Stimmungsaufheller. Sie sagt: »Wenn Sie sich einen Knochen gebrochen haben, warten Sie auch nicht ab, bis er wieder von allein zusammenwächst. Ähnlich ist es mit der Seele. Sie können ihr medikamentös helfen.« Ich nehme vier Monate lang Tabletten. Sie füllen die tiefsten Täler etwas auf. Es gibt keine Nebenwirkungen und keine Probleme beim Absetzen.

5. Verständnis suchen

Zum Jammern mache ich eine Selbsthilfegruppe ausfindig, eine sogenannte Trennungsgruppe. Einmal in der Woche sitzen wir im Kreis und erzählen, wie die letzten sieben Tage waren. Dabei wird geheult und zugehört. Ich sehe, dass es anderen noch schlechter geht. Ich bin nicht schadenfroh, kann aber meine Erlebnisse besser einordnen. Nach dem Heulen gehen wir zusammen in eine sehr schöne Kneipe, essen Salat und trinken Rotwein. Es ist seltsam lustig, mit Fremden über so Privates zu sprechen. Wir unternehmen auch gemeinsam Wanderungen. Und feiern eine Hochzeit. Zwei von uns haben sich ineinander verliebt. Das macht uns allen Mut.

6. Meinen Körper lieben lernen

Gegen mein Gefühl, nicht mehr attraktiv zu sein, melde ich mich im Fitnessstudio an. Und zwar im besten der Stadt. Dreimal die Woche Bauch-Beine-Po und Stepp-Aerobic. Zu Anfang denke ich, die spinnen mit dem Programm, das schafft doch keiner. Aber nach ein paar Wochen bin ich locker dabei. Später fange ich an, im Park zu joggen. Ich bekomme ein völlig neues Körpergefühl. Und eine bessere Figur.

7. Mich schön machen

Ich gehe zum Friseur und erhalte eine strahlendere Haarfarbe. Ich habe einen Termin bei einer Kosmetikerin und bekomme ein besseres Hautgefühl. Ich kaufe mir so viele neue Kleider, wie ich mir leisten kann. Und sogar ein bisschen mehr...

8. Viel arbeiten

Um das alles bezahlen zu können, arbeite ich mehr. Und ich habe mehr Erfolg. Und mehr Selbstbewusstsein.

9. Lieb zu mir sein

An den Wochenenden setze ich mich statt ins Auto aufs Fahrrad und kaufe auf einem besonders schönen Markt Blumen. Und Obst.

10. Wieder Spaß am Sex finden

Ich mache einen Tangokurs und lerne dabei meinen nächsten Sexpartner kennen. Es ist der schönste Mann, dem ich je begegnet bin. Als Lebensgefährte völlig ungeeignet, fürs Selbstwertgefühl aber erst mal ideal. Als er nach vier Monaten per Postkarte mitteilt, er gehe wieder zu seiner Ex zurück, will ich in Tränen ausbrechen. Aber ich besinne mich auf der Stelle, zerreiße die Karte in kleine Stücke und denke: Es gibt auch andere.

11. Meine Träume selbst erfüllen

Ich bin nach meiner kleinen Wohnung zurück in meine Heimatstadt gezogen und habe mir einen Traum erfüllt: ein Bauernhaus mit Garten vor der Stadt.

12. Dem Erlebten einen Sinn geben

Da sitze ich nun und schreibe dieses Buch. Und wenn ich mir heute vorstelle, es hätte diese Trennungen in meinem Leben nicht gegeben, dann wird mir sehr ungemütlich. Dann würde ich mich nämlich nicht kennen.

Und morgen bin ich dich los Das große BRIGITTE-Scheidungsbuch Vera Sandberg Diana Verlag 256 Seiten 7,95 Euro ISBN: 978-3-453-35242-1

Text: Vera Sandberg