Tricksen beim Unterhalt

Clever hat der Ex-Mann vor der Scheidung sein Vermögen beiseite geschafft. Der geschiedenen Frau nützt sogar ein Gerichtsurteil nur wenig.

Die erste Zeit nach der Trennung waren Silvia und ihre beiden kleinen Töchter noch gut versorgt. Die 37-Jährige hat eine Teilzeitstelle als Verlagsangestellte und verdient netto 1000 Euro. Ihr Mann Gerhard, 52, Geschäftsführer eines Großunternehmens, zahlte ihr 1500 Euro Unterhalt im Monat. Doch dann lernt er eine neue Frau kennen, "und plötzlich war alles anders", berichtet Silvia.

Gerhard, der etwa 150 000 Euro im Jahr verdiente, verliert seinen Job und reduziert die Unterhaltszahlungen auf 800 Euro. Kurz darauf reicht Silvia die Scheidung ein. Das Familiengericht entscheidet, dass ihr und den Kindern 1700 Euro monatlich zustehen. Außerdem muss Gerhard die 95 000-Euro-Abfindung, die er erhalten hat, in den Unterhalt investieren, bis er beruflich wieder Fuß fasst. Doch er kümmert sich nicht um das Urteil. Mit 50 000 Euro beteiligt er sich an zwei Unternehmen, den Rest, so erklärt er seiner Ex-Frau, habe er anderweitig ausgegeben.

Als Silvias Rechtsanwältin einen Gerichtsvollzieher schickt, stellt sich heraus, dass Gerhard alles, was er besaß, seiner Freundin überschrieben hat. In zähen Telefongesprächen erreicht Silvia, dass sie 1000 Euro Unterhalt bekommt und er mit monatlich 200 Euro seine Unterhaltsschulden abstottert, die sich inzwischen auf 16 000 Euro belaufen. Dafür verzichtet sie darauf zu klagen. "So ein Gerichtsverfahren kann sich lange hinziehen. Wir hätten wahrscheinlich Erfolg gehabt, aber meine Mandantin war mit den Nerven am Ende", sagt die Anwältin. Silvia empfindet die Situation als höchst ungerecht. "Ich weiß genau, dass er Geld hat. Er arbeitet inzwischen wieder als leitender Angestellter. Und von meinen Kindern habe ich erfahren, dass er sich gerade einen teuren Sportwagen angeschafft hat. Ich bin überzeugt, dass er einfach nur trickst, um möglichst wenig zahlen zu müssen." Erschreckend findet Silvia, wie wenig ein gerichtlicher Titel nützen kann, wenn es jemand darauf anlegt, offiziell als mittellos dazustehen.

Die Töchter sind jetzt sieben und neun Jahre alt. Silvia hat genug von den ständigen Auseinandersetzungen und fürchtet, dass sie sich langfristig sowieso nicht auf ihren Ex-Mann verlassen kann. Die Kinder will sie bald auf eine Ganztagsschule schicken und ihre Teilzeitstelle so schnell wie möglich ausbauen: "Notfalls komme ich dann auch ohne Unterhalt klar."

Protokoll: Nina Poelchau Ein Artikel aus der BRIGITTE
Themen in diesem Artikel