Was wird aus dem Haus?

Was wird aus dem gemeinsamen Haus oder der Eigentumswohnung, wenn die Ehe zerbricht? Katja Flemming, Rechtsanwältin und Fachanwältin für Familienrecht in Hamburg, beantwortet die wichtigsten Fragen.

Die Juristin warnt: "Viele Frauen machen sich gar nicht klar, dass sie im Falle einer Scheidung sehr oft einen Verlust erleiden, was die Immobilie in der bisher genutzten Form angeht." Ab dem Tag, an dem der Scheidungsantrag zugestellt wird, muss auf jeden Fall die Nutzung der Immobilie neu geregelt werden. Was bis dahin selbstverständlich gemeinsam von der Familie genutzt wurde, gehört ab dann zwei unabhängigen Personen, oder manchmal auch nur einem der ehemaligen Ehepartner. Im Falle eines Verkaufs kann es zu finanziellen Verlusten kommen, die dann auch von jedem zur Hälfte getragen werden müssen.

Darf ich mit den Kindern in unserem Haus wohnen bleiben?

Das ist nicht automatisch der Fall, aber es kann möglich sein - auch dann, wenn Ihnen das Haus nur zur Hälfte oder gar nicht gehört. Gerade wenn Kinder betroffen sind, die in der Nähe des Wohnorts zur Schule gehen, kann es eine unzumutbare Härte sein, Mutter und Kind zum Umzug zu zwingen. Dies muss jedoch vom Richter entschieden werden. Eine solche Regelung hat das Wohl des Kindes zum Ziel und endet, wenn das Kind die Schule verlässt. Manche Paare einigen sich schon bei der Scheidung darauf, dass die Mutter dem späteren Verkauf schon im Voraus zustimmt, um im Gegenzug bis zu diesem Zeitpunkt ein Nutzungsrecht zu bekommen.

Muss ich meinem Ex-Mann dann Miete bezahlen?

Wenn ihm das Haus zur Hälfte oder ganz gehört - ja. Schließlich nutzen Sie sein Eigentum. Man spricht hier von einer Nutzungsvergütung, deren Höhe sich an den marktüblichen Mieten (Mietspiegel, Vergleichsmiete) orientiert.

Wollen Sie in Ihrem Haus oder Ihrer Wohnung bleiben, sollten Sie zudem bedenken: Ist die Immobilie noch nicht komplett abbezahlt und muss Ihr Ex-Partner Kredite bedienen, kann sich das auf die Höhe Ihres Unterhalts auswirken! Von seinem Einkommen zahlt er zuerst die Raten - was nach Abzug übrigbleibt, steht für Ihren Unterhaltsanspruch zur Verfügung.

Wenn die Kinder schon erwachsen sind: Kann mein Ex-Mann mich zwingen, aus unserem Haus auszuziehen, wenn es mir zur Hälfte gehört?

Wenn Sie beide als Miteigentümer im Grundbuch eingetragen sind, müssen Sie auch beide dem Verkauf des Hauses zustimmen. Sind z.B. jedoch die Belastungen für Ihren Ex-Partner zu hoch - wenn er etwa die Kredite nicht mehr bedienen kann oder das Kapital braucht - kann er eine Teilungsversteigerung erzwingen. Dann wird die Immobilie versteigert und der Erlös zwischen den Miteigentümern aufgeteilt. Bei einer solchen Versteigerung erzielen Sie in der Regel jedoch einen viel geringeren Preis als bei einem normalen Verkauf.

Ich stehe nicht als Miteigentümerin im Grundbuch. Heißt das, ich gehe nach der Scheidung völlig leer aus, wenn das Haus verkauft wird?

Nein. Wenn Sie keinen Ehevertrag geschlossen haben, also in einer Zugewinngemeinschaft leben, und das Haus wurde während der Ehe gekauft, muss Ihr Partner Sie nach der Scheidung am Netto-Wert (nach Abzug der bestehenden Belastungen) beteiligen. Der Zugewinnausgleich basiert auf dem Vergleich zwischen dem Anfangsvermögen zur Eheschließung und dem Endvermögen am Tag der Zustellung des Scheidungsantrages. Derjenige mit dem größeren Vermögenszuwachs muss dem anderen so viel abgeben, dass schließlich beide Partner mit gleich großem Vermögenszuwachs aus der Ehe gehen.

Hat Ihr Mann während der Ehe ein Haus im Wert von 200.000 Euro erworben, das noch mit einer Restschuld von 100.000 Euro belastet ist, hat er einen Zugewinn von 100.000 Euro. Und haben Sie während der Ehe Ersparnisse von 20.000 Euro angesammelt, so muss Ihnen Ihr Mann einen Zugewinnausgleich von 40.000 Euro zahlen (100.000 minus 20.000 = 80.000,- ; davon die Hälfte = 40.000). Das ist unabhängig davon, wer von Ihnen die Kredite für das Haus unterschrieben und bedient hat. Über den Zugewinnausgleich haben Sie aber nur einen Anspruch auf Geld. Sie können nicht verlangen, dass er Ihnen einen Teil des Hauses überschreibt.

Und wenn mein Mann die Wohnung schon vor unserer Hochzeit hatte?

In diesem Fall wird nur der Wertzuwachs oder Wertverlust zwischen Eheschließung und Scheidung berücksichtigt. Um bei obigen Beträgen zu bleiben: Das Haus hatte zu Beginn der Ehe einen Wert von 200.000,- Euro. Zum Zeitpunkt der Scheidung beträgt der Wert noch 180.000,- Euro. Dann hat Ihr Mann gar keinen Zugewinn erzielt. In diesem Fall hatten also nur Sie mit Ihren Ersparnissen einen Zugewinn und müssen Ihrem Ex-Mann 10.000,- Euro zahlen (20.000,- Hälfte = 10.000,-)

Aber auch dann können Sie, falls Sie Kinder haben, unter sehr strengen Voraussetzungen das Recht haben, die Wohnung weiter zu nutzen (s.o.).

Ab 1.9.2009 gibt es eine Gesetzesänderung - was ändert sich?

Die Berechnung des Anfangsvermögens wird neu geregelt. Bisher war das Anfangsvermögen im geringsten Falle 0,- Euro. Ab 1.9. werden auch Schulden berücksichtigt - ein sogenanntes negatives Anfangsvermögen ist dann möglich - was bisher nicht der Fall war. Wurden also während der Ehe Schulden eines Partners abgetragen, die er mit in die Ehe gebracht hat, so wurde dies bei der Berechnung des Zugewinnausgleichs bisher nicht berücksichtigt. Ab 1.9. muss sich Ihr Ex-Mann in der entsprechenden Konstellation diesen Zugewinn anrechnen lassen. Sollte er Ihnen einen Zugewinnausgleich zahlen müssen, so ist er jedoch nicht verpflichtet, sich dafür zu verschulden.

Anm.: o.a. Ausführungen beziehen sich auf die Zeit ab Zustellung des Scheidungsantrags . Die Zeit der Trennung vor der Scheidung unterliegt einer anderen Regelung. Die Berechnungen beziehen sich auf die bis zum 1.09.2009 geltende Regelung.

Katja Flemming ist Rechtsanwältin und Fachanwältin für Familienrecht in Hamburg

Text: Swantje Wallbraun

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