Zahlen für den Mann

Unterhaltspflichtig für den Ex-Mann? Gar nicht mehr so selten. Warum viele Frauen noch immer sträflich uninformiert sind, wenn es um ihre ökonomischen Rechte und Pflichten in der Ehe geht, weiß Katharina Mosel, Fachanwältin für Familienrecht in Köln.

BRIGITTEwoman: Frauen müssen nach der Scheidung Unterhalt für ihre Männer zahlen - wie häufig kommt das in Ihrer Praxis vor?

Katharina Mosel: Häufiger als früher, mindestens einmal im Monat. Frauen sind eben immer besser ausgebildet und verdienen immer mehr.

BRIGITTEwoman: Ist das nicht ungerecht: eine Frau trägt jahrelang die Hauptlast der Familie, verdient das Geld, erzieht die Kinder und ermöglicht ihrem Mann beispielsweise ein brotloses Künstlerdasein - und dann soll sie nach der Scheidung noch bezahlen?

Katharina Mosel: Rechtlich ist die Sache eindeutig: Der Gesetzgeber geht davon aus, dass nach einer langen Ehe die Verhältnisse ungefähr so bleiben sollen, wie die Partner sie in der Ehe gestaltet haben. Wenn einer durchgehend mehr verdient hat, muss er nach der Scheidung für den anderen "Aufstockungsunterhalt" bezahlen, je nach Ehedauer ein Leben lang. Allerdings wird man sich als Folge der Unterhaltsreform, die am 1. Januar 2008 in Kraft tritt, viel genauer ansehen müssen, ob derjenige, der Unterhalt fordert, ehebedingte Nachteile erlitten hat. Die Ehedauer alleine wird nicht mehr das ausschlaggebende Kriterium sein. Ausnahme: Man hat die Dinge in einem Ehevertrag anders geregelt. Den muss man übrigens nicht bei der Heirat abschließen, das kann man jederzeit während der Ehe machen, wenn man seine Zukunft absichern will.

<frage name="BRIGITTEwoman"> Machen das viele Frauen?</frage> <antwort name="Katharina Mosel"> Nein, das geht meistens von den Männern aus. Wenn Frauen überhaupt einen Ehevertrag abschließen, dann kommen sie häufig aus einem Handwerksbetrieb oder einem Familienunternehmen, das abgesichert werden soll. Ansonsten sind Frauen immer noch die romantischeren, sie denken, sie verstoßen damit gegen den ursprünglichen Sinn der Ehe. Manche Frauen halten es schon für eine Misstrauensbekundung, wenn sie überhaupt nur eine Anwältin anrufen. Männer sind da viel pragmatischer und in der Regel besser informiert.</antwort>

<frage name="BRIGITTEwoman"> Was kann die Anwältin noch retten, wenn es - ohne Ehevertrag - zur Scheidung kommt und die Frau den Rest ihres Lebens Unterhalt für den Mann zahlen muss?</frage> <antwort name="Katharina Mosel"> Sie kann versuchen, einen Unterhaltsvergleich abzuschließen. Denkbar ist zum Beispiel eine Übergangslösung: Sie zahlt noch fünf Jahre für ihn, dann muss er auf eigenen Beinen stehen. Hilfreich kann auch eine Mediation, also ein Vermittlungsgespräch sein (Adressen bei der Bundesarbeitsgemeinschaft für Familienmediation, Tel. 030/23628266 oder unter www.bafm-mediation.de, die Red.).</antwort>

Katharina Mosel

BRIGITTEwoman: Manche Frauen hätten vor Gericht durchaus Chancen, machen aber mit Rücksicht auf die Kinder ihre Rechte nicht geltend.

Katharina Mosel: Man tut seinen Kindern keinen Gefallen, wenn man auf seine Rechte verzichtet und dann zwanzig Jahre lang den verpassten Möglichkeiten nachjammert. Die Erfahrung lehrt: Nach einer Trennung geht es allen Beteiligten ein Jahr lang richtig schlecht. Dann erholt man sich wieder - und ärgert sich im Nachhinein, dass man den Prozess nicht durchgestanden hat. Ärgerlich ist auch, dass viele Frauen noch immer kein Verhältnis zum Geld haben. Ich rate dringend, vor einer gerichtlichen Auseinandersetzung erst mal nüchtern zu prüfen: Wie viel Geld habe ich? Und vor allem: Wie viel hat mein Mann? Viele Frauen haben leider gar keinen Einblick in die Vermögensverhältnisse des Mannes.

BRIGITTEwoman: Und was können Frauen machen, die Kreditverträge und Bürgschaften für ihren Mann unterschrieben haben?

Katharina Mosel: In Einzelfällen sind Bankbürgschaften für sittenwidrig und damit für unwirksam erklärt worden. Ich rate aber dringend, sich vorher anwaltlich beraten zu lassen - das kostet in einem ersten Gespräch 180 Euro. Man muss auch nicht jedem Wunsch der Banken nachgeben. Oft probieren die, möglichst viele Sicherheiten zu bekommen, dabei muss das gar nicht sein. Eine Unterschrift unter dem Kreditvertrag reicht. Ein weit verbreitetes Vorurteil ist übrigens, dass Frauen für die Schulden ihrer Ehemänner haften. Das stimmt nicht. Nur wenn er etwas für den Haushalt kauft, zum Beispiel eine teure Espressomaschine, und nicht bezahlt, hängt sie mit drin. Wenn er einen Ferrari kauft, nicht.

BRIGITTEwoman: Warum wissen viele Frauen nicht, was in der Ehe auf sie zukommt?

Katharina Mosel: Weil ihnen das vor der Ehe keiner sagt. Ich würde das in der Schule zum Lehrstoff machen: Was bedeutet eine Heirat? Wenn ich Vorträge halte zum Thema "Rechte und Pflichten von Ehepaaren", kommt keiner. Referiere ich zum Thema "Scheidungsfolgen", ist die Bude voll. Die Leute kommen leider erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist.

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