"Die Zeit ist reif für bessere Pornos" - Pornos und Feminismus

Warum feministische Pornos so wichtig sind, erklärt die Erfinderin des feministischen Pornofilmpreises im Interview.

Gerade ist zum ersten Mal der feministische Pornofilmpreiss Europa, die Auster, an sechs Pornofilmerinnen vergeben worden. Erfunden hat die Auster die Buchautorin Laura Méritt, die sich seit Jahren für die sexpositive Frauenbewegung einsetzt. Was es mit feministischen Pornos auf sich hat, erklärt sie im Interview.

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BRIGITTE.de: Feministischer Porno. Spätestens seit Alice Schwarzers PorNO-Kampagne im Jahr 1987, mit der sie versuchte, Pornographie per Gesetz verbieten zu lassen, scheint das ja ein Widerspruch in sich zu sein.

Laura Méritt: Ist es aber nicht. Ich selbst bin auch eine PorNO-Befürworterin, ich bin auch gegen Sexismus und Rassismus in Pornofilmen. Das sind wir alle. Aber ich bin eben auch für eine positive Darstellung von Sexualität. Diesen Flügel gibt es, seit es die Frauenbewegung gibt.

BRIGITTE.de: Bei Alice Schwarzer war von einer solchen Umdeutung von Pornographie aber nie die Rede.

Laura Méritt: Nein, da war sie sehr strikt. Aber vielleicht musste sie das auch sein, um überhaupt erstmal ein Bewusstsein zu schaffen. Aber ich denke, jetzt sind wir soweit, dass frau sich demgegenüber öffnen kann.

BRIGITTE.de: Wie sieht so ein feministischer Porno also aus?

Laura Méritt: Der klassische Porno ist streng auf die Ejakulation des Mannes ausgerichtet – die Frau arbeitet ihm nur zu. In einem feministischen Porno spielt die Lust der Frau auch eine Rolle. Ein weiblicher Orgasmus muss dabei nicht unbedingt das Ziel sein, aber die Frauen sollten zumindest dabei sein.

BRIGITTE.de: Sehen die Frauen in diesen Filmen auch anders aus?

Laura Méritt: Wichtig ist für uns die Vielfalt. Eine Vielfalt an Kulturen, an Altersstufen und an Körpern. Vielfalt ist ein zentrales Stichwort der Frauenbewegung.

BRIGITTE.de: Aber Pornos mit dicken Frauen gibt es ja immer schon.

Laura Méritt: Aber immer nur als Fetisch. Wenn jemand sehr stark behaart ist, dann ist das immer ein Fetisch. Oder Pornos mit älteren Frauen, das ist dann immer eine eigene Kategorie. Vielfalt spielt da keine Rolle.

BRIGITTE.de: Sind feministische Pornos denn männerfeindlich?

Laura Méritt: Ganz und gar nicht. Es geht ja nicht um eine Umkehrung. Feminismus ist für alle da, Feminismus ist Menschenpolitik. Auch Männer sollen in ihrer Vielfalt dargestellt werden: Männer werden in den herkömmlichen Filmen ja genauso reduziert dargestellt wie die Frauen.

BRIGITTE.de: Gibt es denn einen Markt für diese Art von Filmen?

Laura Méritt: Na klar. Die Zeit ist reif für eine bessere Art von Pornos. Frauen wollen einfach nicht mehr diese herkömmlichen rein-raus Filme sehen – und Männer übrigens auch nicht.

BRIGITTE.de: Männer kaufen diese Filme also auch?

Laura Méritt: Aber ja. Es kommen immer mehr Männer, die sich freuen, dass es endlich was anderes gibt.

Interview: Katharina Riehl Foto: Getty Images, Polly Fannlaf
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