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Wissen macht "Oh!" Eine Sextherapeutin verrät die häufigsten Fragen ihrer Paare

Ein Paar sitzt bei einer Sexualtherapie
© Prostock-studio / Brigitte
Wie oft haben andere Sex und was sagt es aus, dass ich meine:n Partner:in sexuell nicht begehre? Eine Sexualtherapeutin nennt die häufigsten Fragen zum Thema Sex – und gibt Antworten.

Sex tut uns gut – das zeigen auch Studienergebnisse: Während bei Männern das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung durch möglichst viel Sex verringert wird, kommt es bei Frauen für dasselbe Ergebnis eher auf die Qualität des Geschlechtsverkehrs an.

Wenn die Beziehung nicht asexuell ist, dann nimmt Sex für die Partner:innen oftmals einen nicht zu unterschätzenden Stellenwert im Zusammenleben ein. Die Gründe hierfür sind mannigfaltig: Für manche Menschen ist Sex ein wichtiger Teil ihres Lebens und wie besagte Studie zeigt, kann regelmäßiger – und befriedigender – Geschlechtsverkehr einige gesundheitliche Vorteile für uns haben:

  • Er reduziert den Blutdruck
  • Wie Studien zeigen, gibt Sex dem Immunsystem einen Boost
  • Geschlechtsverkehr reduziert das Risiko für Prostatakrebs bei Männern

Kurzum: Es spricht viel für Sex – wenn denn beide Parteien der Beziehung Lust darauf haben. Doch Sex ist auch mit Druck verbunden, mit Klischees, Missverständnissen und emotional aufgeladenen Problemen. Oftmals liegt der Grund darin, dass uns die Schule nur marginal auf unsere sexuellen Abenteuer vorbereitet – medial und gesellschaftlich kommt nicht viel mehr dabei herum, weiß auch Sex- und Beziehungsexpertin Megan Fleming im Gespräch mit dem Online-Magazin "Well+Good": "Die meisten von uns erhalten keine sexpositive, explizite Sexualerziehung. Zu oft verstricken sich Paare in Sex nach Drehbuch oder Sex, der sich nicht lohnt."

Das sind die drei Fragen, die eine Sexualtherapeutin am häufigsten hört

Für viele Paare ergibt es in solchen Fällen Sinn, sich Hilfe von außen zu holen. Sexualtherapeut:innen haben sich darauf spezialisiert, die sexuellen Kontakte innerhalb einer Beziehung wiederherzustellen, beispielsweise durch Übungen, Beratung und Aufklärung. Joy Berkheimer ist eine lizensierte Therapeutin, die drei besonders beliebte Fragen für "Well+Good" zusammengestellt hat.

1. Wie oft haben Menschen wirklich Sex?

Die Frage nach dem Sexualleben von anderen Menschen ist eine besonders häufige in der Praxis von Berkheimer. In der Regel sei das darauf zurückzuführen, dass eine der beiden Personen eine Meinung zum eigenen Sexleben hat und von der Therapeutin eine Bestätigung oder Zustimmung erwartet. "Sie wollen [diese Frage] unbedingt vor der anderen Person von mir beantwortet haben", so die Therapeutin. 

Doch wie so oft ist ein Vergleich auch beim Thema Sex nicht unbedingt zielführend, erklärt sie. "Ich bringe das Thema dann zu ihnen zurück und sage: 'Ich würde vorziehen, euer Sexualleben so wie es jetzt ist mit eurem Sexualleben davor zu vergleichen und nicht mit dem Sexualleben anderer, weil das gesünder ist.'" Meint: Letztlich ist es vollkommen unbedeutend, wie es im Schlafzimmer anderer Menschen aussieht, schließlich vergleichen wir nur einen von mannigfaltig möglichen Aspekten miteinander – was genau sagt dieser einzeln herausgegriffene aus? Doch für diejenigen, die es unbedingt wissen wollen: Laut einer Studie des Universitätsklinikums Eppendorf haben Menschen im Alter zwischen 18 und 35 Jahren im Schnitt fünfmal im Monat Sex, 36- bis 55-Jährige in etwa viermal im Monat.

2. Wenn ich meine:n Partner:in nicht sexuell begehre, liebe ich ihn:sie dann etwa nicht?

Liebe und sexuelles Verlangen werden gerne über einen Kamm geschert, dabei hat "das eine wirklich nichts mit dem anderen zu tun", erklärt Berkheimer. Nicht immer, so die Therapeutin, würde beides Hand in Hand gehen. Doch auch, wenn dieses Gefühl nicht unbedingt bedeuten würde, dass man sich von der anderen Person trennen sollte – oder sie nicht lieben würde – lohne es sich, nachzugehen, was es bedeutet. Schließlich sei davon auszugehen, dass sich "etwas verändert" hat, wenn es zuvor eine Zeit gab, in der man sexuelles Verlangen für den:die Partner:in verspürte.

"Es kann bedeuten, dass sich etwas in Bezug auf deine Bedürfnisse verändert hat, oder dass sich dein:e Partner:in verändert hat, sodass die Person, zu der du dich hingezogen gefühlt hast, nicht mehr da ist", so die Sexualtherapeutin. Die Gründe dafür können vielfältig sein, möglich sind unter anderem: 

  • Eine Veränderung der Lebensumstände
  • Neu hinzugekommene Stressfaktoren
  • Eine Veränderung des Aussehens bzw. Auftretens der Beziehungsperson 

3. Wie kann ich in meiner Beziehung Intimität aufbauen?

Echte Intimität, die Berkheimer als "jemandem die eigene Verletzlichkeit anvertrauen und die Person an sich heranlassen" definiert, sei die Essenz einer jeden gesunden Beziehung. Wird sie zur Intimität von ihren Patient:innen befragt, stellt sie wiederum diese zwei Fragen:

  1. Verbringt ihr bewusst Zeit damit, Intimität miteinander aufzubauen?
  2. Ist in eurer Beziehung etwas passiert, dass es einer Person schwer macht, der anderen gegenüber verletzlich und vertrauensvoll zu sein?

Intimität kann auf unterschiedliche Weise aufgebaut werden, beispielsweise durch einen Kuss oder Umarmungen, indem die Partner:innen ihre Gefühle und Gedanken miteinander teilen, sich zuhören und einander Verständnis und Mitgefühl entgegenbringen. Plant mindestens ein wöchentliches Date, in dem ihr euch nur füreinander Zeit nehmt, spielt einmal im Monat ein Gesellschaftsspiel zusammen, gebt euch beiden einen gemeinsamen Moment, kurz vor dem abendlichen Zubettgehen – kurzum: Schafft euch einen gemeinsamen Raum, in dem es nur euch zwei gibt. Hierbei sollte Sex nicht das Ziel aller Dinge sein, sondern ein mögliches Ergebnis von vielen.

Verwendete Quellen: ncbi.nlm.nih.gov, journals.sagepub.com, jamanetwork.com, uke.de, wellandgood.com, healthline.com

csc Brigitte

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