Bisexualität: Sind wir nicht alle ein bisschen bi ...?

Bisexualität bedeutet, sich sowohl zu Männern als auch zu Frauen hingezogen zu fühlen – und laut einigen Psychologen sind wir alle zumindest dazu veranlagt ... 

Bisexualität im Video: Sind nicht alle etwas bi?
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Bisexualität: Was genau ist das noch gleich ...?

Bisexuelle Menschen fühlen sich grundsätzlich zu beiden Geschlechtern hingezogen, also zu Männern und Frauen, und das sowohl sexuell als auch emotional. Genau wie "hetero-", "homo-" oder "demisexuell" leitet sich die Vorsilbe "bi-" (eigentlich "ambi-") aus dem Lateinischen ab, sie bedeutet – Achtung, Überraschung! – "zwei". Ebenso wie eine pansexuelle Person ist jemand, der bi ist, damit nicht monosexuell orientiert, sondern kann sich in Menschen unterschiedlichen Geschlechts verlieben. Einige Bisexuelle tendieren allerdings zu einem der beiden Geschlechter ein bisschen stärker. 

In der Regel werden Bisexuelle ebenso wie Schwule, Lesben, Transgender, Asexuelle, Polyamoröse und weitere nicht monogame, heterosexuell orientierte Menschen in den bunten Topf mit der Aufschrift "queer" geworfen, das heißt, sie gelten offiziell als von der von wem auch immer beschriebenen "Norm" abweichend ...

Bisexualität: Nur wenige bekennen sich dazu

Für erstaunlich viele Menschen ist es offenbar nach wie vor schwer vorstellbar, sexuell, bei der Partnersuche und in seinen Beziehungen nicht auf ein Geschlecht festgelegt zu sein. So gaben zum Beispiel in einer Befragung des französischen Instituts für demografische Erhebungen "Ined" von knapp 30.000 Befragten lediglich 0,9 Prozent der Frauen und 0,6 Prozent der Männer an, bi zu sein. Sich gelegentlich zu beiden Geschlechtern hingezogen zu fühlen, sagte allerdings ein deutlich höherer Prozentsatz über sich aus.

Ein ähnliches Bild ergab auch eine "YouGov"-Studie aus Großbritannien, bei der sich nur zwei Prozent der Befragten als bisexuell einstuften, obwohl 19 Prozent angaben, nicht zu 100 Prozent homo- bzw. heterosexuell zu sein. Anscheinend ist es also vor allem die Einordnung als "nicht klar eingeordnet", mit der sich viele Menschen schwer tun!

Bisexualität: Für Psychologen ganz natürlich

In der Wissenschaft wird Bisexualität von einigen namhaften Psychologen dagegen als eine absolut naheliegende und natürliche sexuelle Orientierung angesehen. So ging zum Beispiel Siegmund Freud davon aus, dass alle Menschen grundlegend bisexuell veranlagt sind und sich im Laufe des Erwachsenwerdens (unter anderem kulturell und erziehungsbedingt) für eine auf ein bestimmtes Geschlecht ausgerichtete Sexualität entscheiden.  

Der US-amerikanische Sexualforscher Alfred Charles Kinsey schätzte sogar, nachdem er in den 1940er Jahren rund 11.000 Leute zu ihrer Sexualität und ihren sexuellen Neigungen befragt hatte, dass etwa 90 bis 95 Prozent aller Menschen in gewissem Grade bisexuell seien, auch wenn sie es nicht auslebten. Aufgrund seiner Forschungen entwickelte Kinsey eine Skala zur Darstellung der geschlechtsbezogenen, sexuellen Orientierung, die sogenannte "Kinsey-Skala". Sie enthält sieben Stufen, wobei die Stufen 1 bis 5 ins bisexuelle Spektrum fallen:

  • 0 = "ausschließlich heterosexuell"
  • 1 = "überwiegend hetero, aber gelegentlich homosexuelle Neigungen"
  • 2 = "überwiegend hetero, aber mehr als gelegentlich homosexuelle Neigungen"
  • 3 = "gleichermaßen heterosexuell wie homosexuell"
  • 4 = "überwiegend homo, aber gelegentlich heterosexuelle Neigungen"
  • 5 = "überwiegend homo, aber mehr als gelegentlich heterosexuelle Neigungen"
  • 6 = "ausschließlich homosexuell" 

Na, wo würdest du dich da einordnen ...?

Bisexualität: Fazit

Sexualität ist ein Teil unserer Identität und die ist meist sowieso schon kompliziert genug. Insofern erscheint es nachvollziehbar, dass manche Menschen ihre sexuellen Neigungen weniger komplex oder unvorhersehbar einstufen, als sie möglicherweise sind. Doch egal, ob wir uns als queer oder konservativ verstehen, im Idealfall bewahren wir uns sexuell, emotional, platonisch und überhaupt eine grundlegende Offenheit gegenüber allen Menschen! Denn erstens kennt Liebe an sich grundsätzlich kein Geschlecht und zweitens wäre es ziemlich doof, aus Angst vor zu viel Komplexität auf Erfahrungen zu verzichten, die uns gaaaanz tief in unserem Inneren doch irgendwie interessieren ... 

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