Porno-Regisseurin verrät: "Das sind die 5 wichtigsten Dinge für guten Sex"!

Erika Lust mit Filmklappe

Sie muss es wissen: Regisseurin Erika Lust dreht Pornofilme, die ein alternatives, realistisches Frauenbild liefern. Im Interview verrät sie, was ihre Filme so besonders macht und worauf jedes Paar beim Sex achten sollte.

Endlich mal Pornos, die auch Frauen mögen! Die Schwedin Erika Lust ist Filmemacherin, Mutter, Autorin, Bloggerin und Besitzer- und Gründerin von "Erika Lust Films" - einer Produktionsfirma für alternative Pornos. Wir haben mit der 39-Jährigen über Frauenpornos, ihre Visionen und ihre ganz persönlichen Sextipps gesprochen.

BRIGITTE.de: Was macht einen guten Porno Ihrer Meinung nach aus?

Erika Lust: Meine Philosophie für ein neues Erwachsenen-Kino: Der Film muss zeigen, worauf Frauen stehen, es müssen verschiedenen Körpertypen vorkommen, unterschiedliche Altersgruppen und ethnische Vielfalt. Der Punkt Gleichberechtigung ist mir sehr wichtig!

Ich denke, ein guter Porno muss außerdem eine positive Message aussenden: Sex ist toll, vielseitig und leidenschaftlich! Vor allem auch etwas ganz Natürliches und Gesundes, bei dem Männer und Frauen "zusammenarbeiten" und auch Frauen sexuelle Bedürfnisse haben. Ich mag es, wenn ich bei einem Porno den Alltag vergessen kann und in eine ganz andere, ästhetische Welt eintauche. Das ist mir auch bei unseren XConfessions-Filmen wichtig. (Mehr Infos zum Projekt "XConfessions" siehe unten)

Der allerwichtigste Part ist aber heutzutage, dass die ganze Produktion ethisch abläuft. Jeder Beteiligte ist ein Mensch und sollte auch als solcher involviert werden. Als ein Mensch mit Gefühlen und Bedürfnissen. Sowieso ist ein gutes Arbeitsklima enorm wichtig. Ethische Produktion heißt zum Beispiel auch, dass alle Beteiligten angemessen bezahlt werden, sie volljährig sind und alles nur in Zustimmung der Schauspieler passiert. Dann kann sich der Producer auch mit Namen zu erkennen geben. Tut er das nicht, sind Bedingungen, unter denen der Film zustande kommt, oft schlecht.

Erika Lust am Filmset

Dreharbeiten eines Erika Lust-Films

Welche Rolle nimmt die Frau in ihren Pornos ein?

Die, die sie wollen! Das ist der Schlüssel zum . Im Mainstream-Porno tut die Frau alles, um dem Mann zu gefallen. Aktuell werden solche Filme besonders von einer Gruppe gemacht: weißen, heterosexuellen Männern.

Deshalb will ich Filme machen, die die Frauenbedürfnisse mehr in den Vordergrund stellen. Nicht, weil die der Männer nicht zählen, sondern weil wir jetzt schon jahrzehntelang dieselben Pornos gesehen haben. Weibliche Regisseure können eine Alternative anbieten: Mit selbstbestimmten Frauen, die ihre Sexualität ausleben.

Es ist wichtig, dass sich mehr Frauen an Pornos versuchen. Deshalb habe ich "XConfessions" ins Leben gerufen und ermuntere Frauen, es mir gleichzutun. Ich stelle 250 000 Euro meiner Produktionsfirma bereit, um anderen weibliche Regisseurinnen zu unterstützen.

Frauen sollen ihre eigene Story über Sexualität erzählen. Wir machen immerhin die Hälfte der Bevölkerung aus!

Worauf stehen Frauen denn bei Pornos?

Es gibt auf jeden Fall Mythen, was Männer- und Frauenpornos betrifft. Ich fand es lächerlich, als man mir am Anfang meiner Karriere sagt, es gebe keinen Markt für meine Filme, weil es ja schon "Frauenpornos" gebe. Damit meinten sie die Filme, die von Männern gemacht wurden, die meinten, alles, was eine Frau für einen Orgasmus bräuchte, sind Rosen und Satin-Bettwäsche. Dabei sind Fantasien gar nicht geschlechterabhängig. Ich mache auch Hardcore-Szenen wie Analsex oder BDSM. Das kann beiden Geschlechtern gefallen!

Das Problem ist, dass die Frauen in Mainstream-Pornos immer als Objekte dargestellt werden, die die Männer verwöhnen. Das macht aber Frauen nicht an! Heißt aber nicht, dass sie kein Sex im Fernsehen sehen wollen. Leider herrscht in unserer Gesellschaft immer noch die Meinung, Sex sei etwas Schmutziges, vor dem wir unsere Kinder beschützen müssen und über das wir nicht reden dürfen. Das macht etwas völlig Natürliches zu etwas, für das man sich schämt. Genau wie bei Pornos. Die schaut man sich auch nur alleine an, weil das ja etwas "Schmutziges" ist. Frauen dürfen nicht sagen, dass sie Sex genießen. Wir leben in einer sexistischen Gesellschaft, da gehört sich das eben nicht.

Erika Lust filmt

Erika Lust ist viel mit ihren Schauspielern im Austausch

Wie kann man denn Pornos für Frauen UND Männer machen?

Wenn man Mainstream Pornos schaut, dann ist alles so billig. Zwei Menschen haben Sex auf einer Couch, du kannst den Kameramann stöhnen hören, und du zweifelst daran, dass die da wirklich ihren Spaß haben. Das ist alles nur ein Porno-Set, das ist Arbeit. Meine XConfessions-Filme schauen Männer UND Frauen. Menschen, die der Meinung sind, Pornos müssen nicht immer billig, geschmacklos und vulgär sein. Die Filme haben einen Erzählstrang, einen Hintergrund. Ich zeige Sex als Spaß und Leidenschaft, aber achte auch auf die Details. Und, ganz wichtig: Die Schauspieler haben WIRKLICH Spaß! Sie faken kein Gestöhne oder einen Orgasmus. Ich setze sie währenddessen so ästhetisch wie möglich in Szene.

Was müssen die Darstellerinnen mitbringen, um von ihnen für einen Porno engagiert zu werden?

Die Schauspieler sind mir am wichtigsten! Ich suche nach Darstellern, die meine Werte und Visionen für Gleichberechtigung teilen. Ich habe auch schon mit Schauspielern gearbeitet, die Mainstream-Pornos gemacht haben, aber lieber sind mir Darsteller aus der alternativen Porno-Szene. Sie sind alle leidenschaftlich, stolz auf ihre Arbeit und genießen ihren Job. Ich halte eigentlich immer Ausschau nach einem Darsteller, der zu der Persönlichkeit der Rolle passt.

Ich frage die Schauspieler auch, mit wem sie Sex haben wollen. Denn die Sexpartner müssen ja auch miteinander harmonieren – es ist dann so viel heißer! Ein Auswahlkriterium ist auch, dass die Darsteller über 21 Jahre sind. Ich möchte, dass sie schon ihre privaten, sexuellen Erfahrungen gemacht haben und dass sie sich selbst gut kennen. Sie müssen sich absolut sicher sein, dass sie vor der Kamera Sex haben wollen – und keine Schönheits-OPs gehabt haben. Ich möchte lieber auf Natürlichkeit setzen, damit sich die Zuschauer auch mit den Charakteren identifizieren können.

Erika Lust bei Dreharbeiten

Erika Lust redet mit ihren Darstellern

Was sind Ihrer Meinung nach die 5 wichtigsten Dinge für guten Sex?

Dass man sich darüber einig ist, was man machen möchte, Respekt, Lust, Kommunikation, Skills & Technik. Tut nichts, wozu der eine keine Lust hat – das ist wirklich ein großer Fehler! Lasst euch bloß nicht von Mainstream Pornos einreden, ihr müsst in einer speziellen Art und Weise agieren. Das ist nicht das echte Leben, was da gezeigt wird! Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn einer keinen Spaß bei einer Sache hat. Ich glaube nicht, dass es ein Patentrezept für guten Sex gibt. Auf meinem Blog gebe ich aber immer wieder Tipps für ein erfülltes Sexleben. Probiert gemeinsam aus, was euch gefällt. Das kann ein bisschen dauern, aber es wird sich lohnen!

Erika Lusts Projekt "XConfessions"

Erika Lust: Xconfessions

Eine Szene aus einem XConfessions-Film

Wolltet ihr auch schon immer mal einen Porno schreiben? XConfessions ist ein ganz besonderes Erotikprojekt von Erika Lust: Auf der Seite teilen Menschen ihre sexuellen Erlebnisse und Fantasien, aus denen Erika jeden Monat zwei auswählt und in aufregende, explizite Kurzfilme verwandelt, die Sexualität als etwas Gesundes, Natürliches und Aufregendes darstellen. Schaut mal auf die Seite und macht mit!

Mit 100 Kurzfilmen, über 200.000 aktiven Mitgliedern und weit über 500 Geständnissen hat Erika Lust die Türen der XConfessions Serie jetzt auch für Gastregisseure geöffnet, um aufstrebende Talente der alternativen Szene zu unterstützen. Hier findet ihr noch mehr Infos zu den Teilnahmebedingungen: XConfessions.

Ihr wollt einen kleinen Einblick in die Filme von Erika Lust bekommen? Dieser Clip ist ein Ausschnitt eines ihrer neuesten Filme:

"Memory Files of you". Die explizite Version findet ihr hier.

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