Kann man einen vaginalen Orgasmus trainieren?

Der vaginale Orgasmus ist die Champions League unter den weiblichen Höhepunkten, und scheinbar genauso selten zu gewinnen. Aber nicht aufgeben, rät Frauenarzt und Sexualtherapeut Johann Sievers.

Der Frauenarzt und Sexualtherapeut aus Hamburg berät neben seiner Praxisarbeit Frauen mit sexuellen Problemen. Auf seiner Website Sexuelle Störungen der Frau informiert er über Sexualtherapien, mangelnde Lust am Sex, Orgasmusstörungen und Schmerzen beim Sex.

BRIGITTE: Stimmt es, dass ein vaginaler Orgasmus mit dem G-Punkt zusammenhängt?

Johann Sievers: Dazu muss ich zunächst den Aufbau der Klitoris erklären. Lange Zeit hatten Ärzte wenig Informationen darüber. Erst Ende der 1990er Jahre ist es Wissenschaftlern aus Australien gelungen, die Klitoris im Körper der Frau zu vermessen. Wenn man sich ein Bild vorstellen will, dann ist die Scheide wie ein Pferd und die Klitoris ein Reiter, der auf diesem Pferd sitzt. Der Kopf des Reiters, der obere Teil, ist die äußere Klitoris. Von diesem gehen zwei Schenkel rechts und links in die Tiefe ab. Sie haben einerseits Verbindung zur Scheide seitlich und nach oben. Diese Schenkel liegen aber vor allem im vorderen Scheidenbereich, nicht im hinteren.

Also ist der G-Punkt in Wirklichkeit Teil der Klitoris?

Genau, die äußere und innere Klitoris sind eine organische Einheit. Der G-Punkt wird immer ungefähr drei, vier Zentimeter vom Scheideneingang entfernt vermutet, oben, Richtung Bauchdecke. Frauen, die diesen Teil berühren, stimulieren also den inneren Teil der Klitoris. Das kann man zum Beispiel mit einem oder zwei Fingern, mit Dildos und Vibratoren machen. Wichtig ist, das Gleitgel nicht zu vergessen.

Klappt das bei jeder Frau?

Nein, das ist sehr individuell. Es gibt Frauen, die trotz Stimulation der äußeren Klitoris keinen Höhepunkt haben können. Wird nur die innere Klitoris stimuliert, ist die Fähigkeit, einen Orgasmus zu bekommen, noch seltener. Das ist statistisch belegt. Bei den Frauen, die einen klitoralen Orgasmus haben können, sind zwei Drittel nicht in der Lage, einen vaginalen Orgasmus zu haben. Unter normalen Bedingungen, denn es gibt natürlich auch einige, die sich bemühen und das erfolgreich trainieren.

Man kann also die Sensibilität der inneren Klitoris trainieren?

Viele Frauen üben das. Einige sagen jedoch, dass es zu Anfang ein unangenehmes Gefühl hervorruft, ähnlich wie beim Harndrang. Als müssten die Frauen zur Toilette gehen. Das ist ganz natürlich, weil die Klitoris in der Nähe des äußeren Harnleiters liegt. Bei einigen bleibt dieses unangenehme Gefühl, das sie abbrechen. Bei anderen wird es von einem positiven abgelöst. Bei ungefähr einem Drittel der Frauen, die es weiter probieren, entwickelt sich eine hohe Erregung, sodass sie über die Schwelle kommen und einen Höhepunkt haben.

Selbstbefriedigung ist demnach der Weg zum vaginalen Orgasmus, oder?

Viele junge Mädchen beginnen in der Pubertät zu masturbieren, sie lernen die äußere Klitoris kennen und wissen, wie sie einen Höhepunkt auslösen können. Eine Ausnahme sind Mädchen, die keine Libido haben und demnach keinen Orgasmus haben können. Mit dem vaginalen Orgasmus ist es etwas vertrackter. Wenn Frauen das nicht selbst ausprobiert haben, können sie nicht erfahren, ob es insgesamt möglich ist. Viele versuchen über den Verkehr, einen inneren Orgasmus zu haben. Aber dabei ist der Penis zu tief in der Scheide. Letztendlich sind die erregbaren Strukturen eher im vorderen Bereich des Scheideneingangs. Das bedeutet, dass sich die Penisspitze auch dort bewegen müsste. Im tieferen Bereich sind deutlich weniger Rezeptoren und die Klitoris wird weniger stimuliert.

Vaginaler Orgasmus auch beim Sex?

Wenn man durch Selbstbefriedigung einen vaginalen Orgasmus erreichen kann, passiert das dann auch leichter beim Sex?

Wenn Frauen wissen, wie sie einen vaginalen Orgasmus auslösen können, ist es einfacher, den auch mit dem Partner zu haben. In diesem Fall sollten Frauen ihren Partnern zeigen, welche Gebiete bei ihnen erregbar sind und welche Stellungen ihnen Spaß machen. Aber das ist alles sehr individuell, deshalb kann man keine Tipps für alle geben.

Ich hatte einmal eine Patientin, die versucht hat, die Stelle zu stimulieren, an denen der G-Punkt vermutet wird. Aber sie ist dabei nicht weitergekommen. Dann hat sie festgestellt, dass weiter links davon doch ein solches Gebiet existiert.

In Fernost ist es wohl so, dass die Frauen dort über Techniken verfügen, bei denen sich der Mann gar nicht bewegen muss. Der Penis wird eingeführt und die Frauen drücken ihn über Muskelkontraktionen näher an die Klitoris. Allein darüber können sie Orgasmen haben. Während viele Frauen in Europa ihren Beckenboden nicht genau kennen und auch nicht wissen, welche Muskeln dort zu finden sind, können die Frauen dort diese sehr viel selektiver anspannen.

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