Intersexuell: Was steckt hinter dem dritten Geschlecht?

Bei der Frage nach dem Geschlecht gab es lange Zeit nur eine Meinung: männlich oder weiblich. Doch was bedeutet es eigentlich, intersexuell zu sein?

Intersexuell: Was steckt dahinter?

  • Über das sogenannte dritte Geschlecht wird in Deutschland derzeit viel gesprochen. Ausschreibungen für Stellen werden mittlerweile oft mit männlich (m), weiblich (w) und divers (d) bei den Geschlechtern angegeben. Doch was verbirgt sich dahinter?
  • In erster Linie sind es intersexuelle Menschen. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie von Geburt an mit angeborenen Genitalien/Geschlechtermerkmalen leben, die eine eindeutige Zuordnung in männlich und weiblich nicht zulassen.
  • Oft bezeichnen sich diese Menschen selbst als Zwitter oder Hermaphroditen. Manche intersexuelle Menschen stellen auch erst während der Pubertät fest, dass ihr Körper nicht dem Geschlecht entspricht, dass sie eigentlich leben oder fühlen. Es kann also auch nach der Geburt noch körperliche Transformationen geben, die aus einem vermeintlich "normalen“ Kind einen intersexuellen Menschen machen.
  • In der Praxis kann sich Intersexualität so ausdrücken, dass zum Beispiel sowohl Eierstöcke als auch Hoden vorhanden sind (eher selten). Die Genitalien sind meistens in einer Mischform zwischen männlich und weiblich ausgeprägt.

Intersexuell: Abgrenzung zu Transgender und Transsexualität

  • Transgender: Menschen, die sich mit dem ihnen zugewiesenen Geschlecht nicht gut fühlen bzw. eine eindeutige Einteilung ablehnen. Manche intersexuelle Menschen fallen in diese Kategorie.
  • Transsexuelle: Transsexuelle Menschen sind von Geburt aus klar als männlich oder weiblich beschrieben, fühlen sich jedoch dem jeweils gegenteiligen Geschlecht zugehörig.

Intersexuell: Begriffe und Syndrome

Für die Bestimmung der Intersexualität müssen Hormone und Gene mittels Blutuntersuchungen überprüft werden. Meist sind es Gendefekte, die eine klare Einteilung der Chromosomen in XX (Frau) oder XY (Mann) verhindern. Da diese bei unauffälligem Aussehen nicht routinemäßig nach der Geburt festgestellt werden, kommt es oft vor, dass bei manchen Menschen Intersexualität erst viel später festgestellt wird.

Insgesamt gibt es sehr viele Ausprägungen und Syndrome von Intersexualität, daher stellen wir in Kürze zwei bekannte Merkmale vor.

  • AGS: Das Adrenogenitale-Syndrom ist am weitesten verbreitet. Dabei weisen die Babys zwar weibliche Chromosomen auf, gleichzeitig kommt es aber zu einer verstärkten Produktion von Adrogenen, wie etwa Testosteron. Wenn keine Behandlung erfolgt, kommt es mit der Zeit zu einem Vermännlichen der äußeren Geschlechtsmerkmale.
  • AIS: Das Androgenresistenz-Syndrom zeichnet sich dadurch aus, dass Betroffene mit männlichen Chromosomen geboren werden, jedoch der Körper die ausgeschütteten Androgene zumindest teilweise nicht annimmt. In der Folge können die Genitalien weiblich erscheinen und da sich die Hoden im Inneren befinden, werden die "Mädchen“ oft erst in der Pubertät überrascht, wenn die Menstruation ausbleibt.
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Intersexuell: Häufigkeit

Bei Intersexualität handelt es sich nicht um eine medizinische Diagnose, da es sehr viele verschiedene Ausprägungen und Ursachen gibt. Es ist daher auch schwer messbar, wie viele intersexuelle Menschen es ungefähr gibt. Laut Schätzungen des Fehlbildungsmonitoring Sachsen-Anhalts ist von 1000 Kindern etwa eine halbe bis eine Person betroffen. Das Bundesverfassungsgericht führt dagegen eine Ratio von 500:1 an.

Intersexuell: Umgang und Geschlechtereintragung

  • Gerade für Eltern ist der Umgang mit einem intersexuellen Kind eine Herausforderung. Für eine lange Zeit haben Ärzte den Eltern empfohlen, sich frühzeitig im Kindesalter für Operationen und damit auch für die klare Festlegung auf ein Geschlecht zu entscheiden. Das hing natürlich auch damit zusammen, dass gesetzlich bereits in der ersten Woche nach der Geburt eine Einteilung in männlich oder weiblich verlangt wurde.
  • Mittlerweile ist das sogenannte dritte Geschlecht akzeptiert und intersexuelle Menschen können sich unter der Bezeichnung "divers" eintragen lassen. Demzufolge ist auch der Druck nicht mehr so hoch, die viel kritisierten Operationen verfrüht durchzuführen. So können die Kinder später selber entscheiden, ob sie sich einem Geschlecht zugehörig fühlen oder ihre Rolle als intersexuelle Person in der Gesellschaft leben möchten.

Auch bei der sexuellen Orientierung gibt es viele Formen. Hast du dich schon mal gefragt: Was ist pansexuell? Oder was ist Sapiosexualität? Zu guter Letzt verraten wir dir auch noch den Unterschied zu demisexuell.

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