Irem über Gewalt und Liebe

Ein Auszug aus "So ist das, meine Schöne". Irem ist 35 Jahre alt und Reinigungskraft

Mein Vater hat mich verheiratet, als ich 13 Jahre alt war. Ich hatte noch nicht einmal meine erste Monatsblutung bekommen, meine Regel, sagt man das so? Bei uns sagt man Regel.

Mein Mann war um die 26 oder 27 Jahre alt. Er war in allen Dingen erfahren, er wußte Bescheid.

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Ich bin sehr gern zur Schule gegangen, aber mein Vater hat mich aus der Schule genommen, damit ich dabei half meine Geschwister aufzuziehen. Bei uns, in Nevsehir, wachsen sehr viele Aprikosen. Weil meine Eltern auf die Aprikosenplantagen gingen, um dort zu arbeiten, mußte ich zu Hause auf die Kinder aufpassen.

Als wir geheiratet haben, sind wir zu meiner Schwiegermutter gezogen. Meine Schwiegermutter ging morgens aus dem Haus und kam abends zurück, in der Zwischenzeit schloß sie uns zu Hause ein. Wenn sie abends nach Hause kam und ihr danach war, hat sie Brot gekauft, aber wenn sie keine Lust oder sich schon woanders satt gegessen hatte, hat sie eben keins gekauft. "Muß ich euch etwa füttern?" sagte sie immer. Mein Mann hatte eine jüngere Schwester gehabt, aber die war gestorben. Nur mein Mann war übrig geblieben. Und wie soll ich es sagen - er hat ein ganz schludriges Leben geführt. Er trank sehr viel, kam immer sehr spät nach Hause, hatte sogar Kontakt zur Mafia, was weiß ich, er rauchte auch Haschisch.

Was hat er mich verprügelt. Eine Zeitlang wohnten Polizisten über uns, die sind dann gekommen und haben mich vor ihm beschützt. Meine Schwiegermutter hat nie etwas gemacht. Er hat mich sogar im Beisein seiner Mutter hinter der Tür verprügelt, aber sie nicht ein einziges Mal eingegriffen. Obendrein hat sie manchmal sogar darüber gelacht. Sie lachte, während er mich verprügelte. Es gab eine Zeit, in der wir uns ständig mit ihr stritten und irgendwann sind wir bei meiner Schwiegermutter ausgezogen.

Ich habe meinen Mann geliebt... nachdem ein bisschen Zeit um war. Nachdem ich mich an ihn gewöhnt hatte, liebte ich ihn sehr. Eine Weile ging alles sehr gut. Alles ging gut, aber er hat sein Leben ruiniert. Weil er als Bote arbeitete, war er ständig unterwegs. Er verkaufte Haschisch.

Lass es uns in der Küche tun

Mit ihm hatte ich verschiedenste Arten von Sex. Ich habe spät gelernt, aber ich war eine gute Schülerin. Eines Nachts saßen wir so zu Hause. Meine Schwiegermutter hatte uns wieder einmal eingeschlossen und war gegangen. Ich war froh, daß sie endlich weg und wir alleine waren. Und er sagte nichts, aber ich sagte zu ihm: "Komm, ich habe Lust, lass es uns tun." Da war er natürlich auch nicht mehr zu halten... er setzte mich auf seinen Schoß... mir hat es immer sehr gefallen, auf seinem Schoß zu sitzen, ihn zu umarmen und zu küssen, sobald er zur Tür hereinkam und so. Er hat gesagt: "Komm her, wir rauchen zusammen eine Zigarette." Ich habe einmal daran gezogen, ich habe zweimal daran gezogen. Also, ich habe gleichzeitig geraucht und ihn geküßt. Dann hat er gesagt: "Hol doch den Ersatzschlüssel, steck ihn ins Schloß, damit meine Mutter die Tür nicht aufkriegt, wenn sie zurückkommt." Und er sagte: "Lass uns heute nicht ins Bett gehen. Lass es uns in der Küche tun, im Bett, überall." Ich habe gesagt: "Du spinnst doch, dort essen wir, das ist doch Sünde." "Ach was, Sünde!" hat er geantwortet. Über solche Dinge hat er sich nie Sorgen gemacht. In der Nacht habe ich mit ihm zusammen Haschisch geraucht. Mich hat es total erwischt, ich war völlig hinüber. In der Nacht haben wir alles mögliche ausprobiert, die unmöglichsten Dinge, aber ich kann mich nicht mehr richtig daran erinnern. Wenn es auch nur das eine Mal war, damals haben wir doch auf alle möglichen Arten miteinander geschlafen - was weiß ich, darüber redet man doch nicht.

3 Jahre später habe ich ihn verloren. An einem Stromkabel hat er einen Schlag bekommen. Damals arbeitete er auf dem Bau. Über dem Haus verlief ein Hochspannungskabel. Und als er eine Eisenstange hochhob, hat die sich im Kabel verfangen und er hat einen Schlag gekriegt. Er ist wie zu Kohle verbrannt. Ich habe sein Gesicht gesehen...es war schwarz wie Kohle. Das schlimmste, das ich je gesehen habe, war sein Gesicht in diesem Moment. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn ich nicht hingesehen hätte. Wenn ich auf der Straße laufe und sein Gesicht in Gedanken vor meinen Augen auftaucht, vergesse ich alles andere und mir wird ganz schwindlig.

Zuerst haben sie ihn ins Leichenschauhaus gebracht. Ich war damals im achten Monat schwanger. Noch einen Monat und 10 Tage bis zur Geburt. Ich habe ihn begraben. Ich habe ihn begraben... und mich gleich mit.

Mein Vater ist gekommen und hat mich nach Hause geholt. Aber alles, was er nach Hause gebracht hat, war ein lebloser Körper. Ich habe meinen Mann in der Erde begraben, und es war, als hätte mich mein Vater lebendig in dem Zimmer begraben. Später bin ich dann oft ins Krankenhaus gegangen. Sie hatten Angst, daß das Kind in meinem Bauch stirbt, oder daß ich eine Fehlgeburt habe. Ich habe überhaupt nichts mehr gegessen. Meine Mutter hat mich getröstet. "Bring das Kind zur Welt, danach kannst du auch aufhören zu essen. Damit wenigstens das Kind lebt und bei mir ist, wenn du stirbst", sagte sie zu mir. Meinen Mann hatten sie nie gemocht, weil er mich immer verprügelt hat.

Ich war 15 Jahre alt, als ich schwanger wurde. Als ich im achten Monat schwanger war, verlor ich meinen Mann. Mein Schmerz wird immer wieder lebendig, wenn ich meine Tochter ansehe. Was habe ich gelitten, was hat sie mich leiden lassen... trotzdem habe ich sie immer liebgehabt. [...]

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Ein Auszug aus "So ist das meine Schöne" Orlanda-Verlag 12,90 Euro Erscheinungstermin: Ende März