Leseprobe: "McSex" von Myrthe Hilkens

Die niederländische Journalistin Myrthe Hilkens prangert in ihrem Buch "McSex" die Pornofizierung unserer Gesellschaft an - und fordert eine neue sexuelle Revolution. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Buch und dazu ein Interview mit der Autorin.

Die Frau, die wir uns erträumen, ist kein humorloses Symbol neuer Prüderie. Aber sie ist noch weniger eine Hure oder Bitch, dominiert von chancenlosen Möchtegern-Pimps.

Das Bild des willigen Schmusekätzchens, das sich auf sein Hinterteil schlagen lässt, hängt uns zum Hals heraus. Warum bekommen schießwütige Gangster, die sich von "geilen" und mit gigantischen Plastikbrüsten ausgestatteten Untertanen umringen lassen, unendlich viel Sendezeit? Seit wann ist Unterwerfung eine bewundernswerte Eigenschaft? Wessen Respekt und Anerkennung sucht eine solche Frau?

Es ist nicht nur die Machokultur von Rappern, an der wir uns stören, die Frau als "Playbunny" ist überall. Paris Hilton füllt ihre Realityshow mit Lapdance, Jessica Simpson räkelt sich gefügig auf einer Motorhaube und die weiblichen "Stars" in der Sendung Ranking the Stars debattieren mit dem Moderator Paul de Leeuw ausführlich darüber, "wer am knackigsten" ist. Wir glauben nicht an die Girlpower, wie sie von den heißblütig tanzenden Pussycat Dolls besungen wird. Eine Frau kann auf viele Arten sexy sein. Echter Sex ist spannend, seltsam, kompliziert und vielfältig. Das Bild von heute ist eindimensional und zu einfach. Bislang scheinen die Mottos "Sex sells" und "Money talks" über Stolz und Individualität zu siegen.

Der Ausverkauf, stark beeinflusst durch das Internet, ist vorbei. Im vergangenen Jahrzehnt ist jeder sexuelle Exzess scheinbar in Reichweite gerückt. Ein einfacher Suchauftrag über Google führt zu Filmen von Frauen, die sich vollscheißen lassen, Menschen, die Pferden einen blasen und Frauen, die sich willig in alle denkbaren Löcher gleichzeitig vögeln lassen.

Wer erwartet, dass Bilder von Sex im Fernsehen Hand in Hand mit Gefühlen gehen, die zu Liebe oder Verliebtheit gehören, sieht sich getäuscht. Wer dies anschließend laut feststellt, wird als esoterischer Birkenstocktyp bezeichnet oder als beschränkte Feministin niedergemacht. Schließlich ist es doch großartig und fortschrittlich, dass wir all das sehen können, oder?

Wir finden die verkrampften Progressivlinge überholt. Sexuelle Freiheit ist nicht gleichbedeutend mit totaler Grenzenlosigkeit und Plattheit. Zu Beginn der sexuellen Revolution vor vierzig Jahren gab es noch viel zu erkämpfen. Aber welche Bedeutung hat die sexuelle Freiheit, wenn sie mit "alles muss möglich sein" gleichgesetzt wird?

Gleichzeitig möchten wir auch nicht, dass Sexualität wieder eine Allianz eingeht mit Werten wie Scham und Ehre oder einem Dienst an Gott. So entartet eine Diskussion über einen goldenen Bikini zu einem Pingpong-Spiel zwischen prüde und ungezügelt, konservativ und liberal. Frauen müssen selbst die Faust dagegen erheben, dass Weiblichkeit und Sexualität zurzeit auf dermaßen einseitige Weise definiert werden.

Wer bringt den Jugendlichen bei, die Bilder und Texte, die sie über die verschiedenen Medien konsumieren, richtig einzuordnen? Teenager sind versierte Internetuser, aber sind sie auch dem Overkill an hartem Sex, seltsamen Figuren, obskuren Vorlieben und kommerziellen Mächten gewachsen, die das World Wide Web bevölkern?

aus: McSex: Die Pornofizierung unserer Gesellschaft Myrthe Hilkens 240 S., 18 Euro, Orlanda

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