Leseprobe: Der Orgasmus der Frau

... und andere Lügen - die Schweizerin Cornelia Hättenschwiler hat Orgasmuserfahrungen von unterschiedlichen Frauen gesammelt. Hier lesen Sie einen Auszug "Der Orgasmus der Frau und andere Lügen" - und was der Orgasmus für vier Frauen bedeutet.

Die Ehrliche

Bei 12 von 18 verschiedenen Männern habe sie einen Orgasmus erlebt. Ja genau. Sie führt eine Statistik. Einfach so. Andere halten fest, wem sie was zu Weihnachten geschenkt oder welches Kleid sie an welchem Anlass getragen haben. Sie habe das halt mit den Männern gemacht. Angefangen habe es nach dem 6. Sie wusste nicht mehr, ob es nun der 5., 6., oder 7. war.

So hat sie rückwirkend die Namen aufgeschrieben. Dabei ist es geblieben. Jeder Neue wurde feinsäuberlich aufgeführt. Nein, es interessiert sie nicht, ob das viele, wenige oder überhaupt. Es sind nun mal 18 Beziehungen, bzw. Bettgeschichten gewesen. Das mit dem Orgasmus ist ihr erst beim 9. eingefallen. Sie hat festgestellt, dass es mit diesem einfach herrlich war. Höhepunkt auf Höhepunkt. So hat sie sich gefragt, wie es eigentlich vorher war. Und schon bekam jeder Name einen Stern oder ein Kreuz.

Es ist weder eine traurige noch eine beruhigende Feststellung, dass die ersten 3 nur ein Kreuz erhalten haben. Man war ja jung und unerfahren. Der 4. war eine Dreiwochen-Beziehung mit einmaligem Höhenflug. An den 5. und 6. kann sie sich nicht mehr wirklich erinnern. Der 7. war ein nicht missen möchtendes Ferienerlebnis. Den 8. überspringt sie und der 9. war Hammer.

Dank ihrer Statistik habe sie sich auch selber kennen gelernt. Sie hat sich gefragt, warum bei dem und bei dem nicht. Obwohl die Antwort manchmal wehtat, ist sie ehrlich zu sich selbst gewesen. Nicht der Mann an und für sich war das Problem. Der falsche Mann war das Problem. Im Bett nicht los lassen können und den falschen Mann auch nicht los lassen können, das ist halt schon eine dämliche und doofe Frauenkrankheit aber heilbar. Sie habe vor allen an sich und ihren Beziehungen gearbeitet. Nun ist sie bei Nummer 18 gelandet.

"Was ist mit Nummer 10 bis 17?"

"Alles muss man ja nicht ausplaudern."

Bei Nr. 18, da will sie bleiben. Schließlich ist sie jetzt 21 Jahre glücklich verheiratet und feiert nächstes Jahr ihren 70. Geburtstag.

Auf der nächsten Seite: die Kluge

Die Kluge

"Hast Du schon einmal einen Mann erlebt, der gefragt hat, ob Du einen Höhepunkt erlebt hast? Ich nicht."

So habe sie sehr schnell begriffen: Wenn Du was willst - rede.

"Jeder Mann ist eingangs erstaunt aber nie beleidigt. Jeder ist der Ansicht, dass ihm soviel Ehrlichkeit noch nie untergekommen ist. Er gibt sich beim nächsten Mal erst zufrieden, wenn's auch bei mir geklappt hat. Und so komme ich super ohne falsches Vorspielen und ohne Höhepunktlügen durchs Leben. Ich kann Dir sagen, es lohnt sich. Männer mögen ehrliche Frauen und sind dabei noch intensiver und interessierter bei der Sache. Und wenn's halt trotzdem mal nicht funktioniert. Na und, was soll's. Jeder Versuch ist ein Versuch wert. Ich wünsche jeder Frau, dass sie mit ihrem Partner darüber redet. Sonst sind wir ja auch nicht so. Wir reden und reden und reden..."

Auf der nächsten Seite: die Praktische

Die Praktische

"Mit Mann keinen Höhepunkt - mit Vibrator immer."

Es sei schon eine Sucht. Jeden Vormittag, wenn der Mann zur Arbeit und die Kinder in der Schule sind, mach sie sich eine bequeme Viertelstunde. Probleme hat es mal gegeben, als ihr Mann den Vibrator gefunden hat. Das sei jetzt aber schon zwei Jahre her. Sie habe ihm vorgeschwindelt, dass das ein Werbeartikel oder so ähnlich wäre. Da er halt schon arg konservativ sei, habe er für solche Dinge kein Verständnis.

Jetzt hat sie ein besseres Versteck. Ihr Mann profitiere schließlich auch, denn ihr Lustgefühl sei viel stärker geworden. So habe sie mit ihrem Mann mindestens einmal die Woche einen Liebesakt - und jeweils am Vormittag ihren Orgasmus.

Auf der nächsten Seite: die Praktische

Die Entspannte

"Es ist schon gut, dass dieses Thema nicht mehr unter den Tisch gewicht wird wie früher. Aber es kann auch frustrierend sein. Stell Dir nur mal die armen 70% vor. Die müssen ja alle einen grandiosen Minderwertigkeitskomplex bekommen.

Andererseits gehören diese ja zur Minderheit. Da seiht man mal wieder - die Mehrheit ist nicht immer besser dran als die Minderheit.

Ich habe das Glück, zur Minderheit zu gehören, warum weiß ich auch nicht. Es funktioniert einfach. Wir reden, wir lachen und wir lieben. Ich denke, dass dies mit dem Alter auch nicht nachlassen muss. Wenn ich meine Mutter höre, sei es seit dem Klimakterium noch besser. Warum weiß sie auch nicht. Bei meiner Schwester ist das wieder anders. Sie sagt immer, das sei nicht so ihr Ding. Sie interessiert sich mehr für Tiere, Sport und vegetarisches Essen. Die gehört zur Mehrheit, ist aber damit glücklich. Meine 93-jährige Großmutter lächelt immer verschmitzt, wenn sie von früher spricht. Bei ihr im Altersheim habe es leider nur alte Knacker. Die Pfleger gefallen ihr besser. Echt, ich finde das Thema interessant. Aber sag in deinem Buch auch, dass sich die große Mehrheit "keinen Kopf" machen muss - leben sollen sie, dann kommt das schon gut. Ob Mehrheit oder Minderheit - minderwertig ist sowieso keine."

Der Orgasmus der Frau und andere Lügen Cornelia Hättenschwiler 34 SFr Zu Bestellen über: www.haettenschwiler.ch/eigenverlag.html

Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

teaser_3