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Loverboys - wenn Mädchen verführt und verkauft werden

Loverboys: Filmszene aus "Ich gehöre ihm"
© WDR/Martin Rottenkolber
Loverboys spielen Mädchen die große Liebe vor - und zwingen sie dann zur Prostitution. In einer Doku der "ARD" haben betroffene Mädchen von ihrem Leid erzählt.

"Du bist wunderschön!","Du bist eine tolle Frau", "Du bist einzigartig" - für ein Mädchen in der Pubertät, das gerade mit Selbstwertproblemen zu kämpfen hat, sind solche Schmeicheleien Balsam für die Seele. Genau das wissen sogenannte Loverboys. Ihre Masche: Sie machen jungen Mädchen Komplimente und spielen ihnen die große Liebe vor - um sie später auf den Strich zu schicken und das große Geld mit ihnen zu machen.

"250.000 Euro hab ich schon damit gemacht - und die Bullen können nichts machen", sagt ein Loverboy zu einem Bekannten am Telefon. Die Aufzeichnungen stammen von einer Abhöraktion der Polizei, die in der ARD-Doku "Verliebt, verführt, verkauft" abgespielt wurde. Sie lief im Anschluss an den ARD-Film "Ich gehöre ihm" , der sich ebenfalls um das Thema Loverboys drehte.

Loverboys: Erst die große Liebe, dann Geldsorgen

Nach einer Weile voller Schmeicheleien und Liebesbekundungen reden die Loverboys von Geldsorgen und bitten die Mädchen ihnen zu helfen. "Ich habe da so viel Aufmerksamkeit bekommen als junges Mädchen (...) ich habe mich bei ihm einfach angenommen gefühlt", erzählt die junge Nadja, die mit 16 Jahren in die Fänge eines Loverboys geriet - und schon bald Geld für ihn besorgen sollte. "In dem Moment will man dem Partner auch beweisen, dass man ihn liebt. Man macht dann alles, um gelobt zu werden, dass man das Geld besorgt hat. (...) Es hat mir einen Kick gegeben, dass ich ihm das ermöglichen konnte. Ich war dazu bereit, alles dafür in Kauf zu nehmen. Auch meinen Körper zu verkaufen." Ihr "Freund" Hasan nutzte Nadjas Aufopferungs-Willen schamlos aus. Er machte die Schülerin erst abhängig und führte sie dann in die Prostitution.

Loverboys: Frau dreht den Rücken zu
Loverboy-Opfer Nadja erzählt, wie sie zwei Jahre lang ausgenutzt und gedemütigt wurde.
© WDR

Vom Restaurant auf den Kinderstrich

"Wir sind essen gegangen und danach hat er mich ganz gezielt auf den Kinderstrich geführt", erzählt Nadja. Was zuerst vielleicht aus einen Gefallen heraus geschieht, führt die betroffenen Mädchen immer mehr in die Abhängigkeit. "Die Mädchen werden erpresst", sagt Etta Hellenga von der Frauenberatungsstelle Düsseldorf e.V. "Loverboys drohen zum Beispiel damit, den Eltern etwas von der Geschichte erzählen (...) Außerdem werden die Mädchen eingesperrt, misshandelt und massiv bedroht."

Nadja entkam der Loverboy-Hölle

Zwei Jahre lang ging Nadja auf den Strich. "Ich war hin- und hergerissen von meinen Gefühlen. Einerseits liebt man diese Person, andererseits weiß man, dass das etwas Schlimmes ist, was man tut", erzählt sie. Als Hasan Nadja fast totschlug, riefen die Nachbarn die Polizei. Nadja zeigte ihren Freund daraufhin an - und er wanderte für sieben Jahre ins Gefängnis. Er hatte ingesamt fünf Frauen zur Prostitution gezwungen.

Nadja hat das einzig Richtige getan. Doch nicht alle Betroffenen trauen sich, ihren Loverboy anzuzeigen - oft aus Scham, auf seine Masche hereingefallen zu sein. Deshalb kommen ihre Peiniger oft ohne Strafe davon.

Was können Eltern tun?

Bärbel Kannemann von "No Loverboys e.V." setzt sich unter anderem für mehr Aufklärung in Schulen ein. "Loverboys achten darauf, dass die Mädchen pünktlich wieder zu Hause sind und die Schulaufgaben gemacht werden", klärt sie die Eltern einer Gesamtschule auf. Die Kriminellen gehen sehr strategisch vor. Sie appelliert an die Eltern, nie den Kontakt zum Kind abbrechen lassen - und ihm klar zu machen: "Wir sind und bleiben deine Eltern - egal, was du machst."

Sinnvoll ist es auch, schon früh mit seinen Kindern über dieses Phänomen zu sprechen. Die Organisation "Liebe ohne Zwang" bietet zum Beispiel Workshops an Schulen an, die vor Loverboys warnt und mit den Mädchen über das Thema Selbstwert spricht.

Wie viele Loverboys in Deutschland ihr Unwesen treiben, ist nicht bekannt. Doch die Dunkelziffer dürfte hoch sein. Umso wichtiger, dass Organisationen und TV-Produktionen wie die der ARD über ihre fiesen Machenschaften aufklären.

Filmtipp: Hier könnt ihr euch den ARD-FIlm "Ich gehöre ihm" in der Mediathek ansehen.

as

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