Lust auf Lust: Erotik-Magazin für Frauen

"100 Seiten Lust auf Lust": Warum drei junge Frauen das Erotik-Magazin "Alley Cat" machen, das nicht in der Schmuddelecke liegen soll.

Lust zu blättern?

Die meisten Sex-Tipps für Frauen kann Ina Küper (25) nicht ernst nehmen. Ein Blow-Job zum Beispiel werde für den Mann vergnüglicher, wenn die Frau dabei Reiskörner in den Mund nimmt? "Die Tipps zielen ganz oft darauf ab, wie eine Frau eine bessere Liebhaberin wird", sagt die studierte Mode-Journalistin. Das passt ihr nicht. In ihrem Sex-Magazin "Alley Cat" soll deshalb die Lust der Frau im Mittelpunkt stehen, ohne alberne Anleitungen, dafür "ästhetisch und ansprechend präsentiert".

Die Idee zu "Alley Cat" hatte Ina Küper im Studium. Am Kiosk fiel ihr auf, dass es regalweise Erotik-Magazine für Männer gibt - für Leserinnen stapelten sich dagegen Teddy- und Braut-Zeitschriften. Also konzipierte sie für ihre Abschlussarbeit an der Düsseldorfer Akademie Mode & Design ein Erotik-Heft für Frauen. Eine mutige Idee, die unerwartet gut bei den Professoren ankam.

Im Mai veröffentliche Küper die erste Ausgabe von "Alley Cat" - ohne großen Verlag im Rücken, auf eigenes finanzielles Risiko. "Es soll mir einfach keiner reinreden", sagt sie selbstbewusst, auch wenn sie manchmal als Berufseinsteigerin ganz schön viel Verantwortung aufgeladen hat. Doch ihre Kommilitoninnen Marlene Burba und Jana Vetter boten ihr sofort Hilfe an.

Inzwischen sind die drei Freundinnen das Redaktionsteam von "Alley Cat". Vom ersten Heft verkauften sie immerhin 2500 Exemplare. Momentan liegt die zweite Ausgabe für 4,50 Euro im Bahnhofsbuchhandel oder lässt sich im Internet bestellen.

Auf der nächsten Seite: Ein entblößter Penis auf Seite 11

Trotz lässig-frivolen Titels - "Alley Cat" ist Englisch für Flittchen - erscheint das Magazin erstaunlich zahm, inhaltlich wie äußerlich. Zu explizit oder pornographisch sollte es nicht aussehen: "Wir haben bewusst auf dem Cover keinen nackten Mann abgebildet, damit sich keine Käuferin schämen muss, mit "Alley Cat" unterm Arm zur Kasse zu gehen", erklärt Küper. "Alley Cat" soll so entspannt gelesen werden wie eine Frauenzeitschrift, von ganz normalen Frauen zwischen 20 und 40 Jahren.

Ina Küper sieht auch sich selbst als Durchschnittsfrau: sie wohnt mit ihrem Freund zusammen im Münsterland und leitet "Alley Cat" von ihrem kleinen Arbeitszimmer aus. Die Chefredakteurin - jung, attraktiv, blond - wehrt sie sich gegen das Image als "übersexualisierte Nymphe". "Ich bin auch nicht die große Sex-Expertin. Ich versuche nur über das zu schreiben, was meine Freundinnen und ich selbst gern lesen würden."

Es dürfte trotzdem ein bisschen mehr sein. Das Repertoire der Sex-Themen erwartbar: Sex-Stellungen, Gleitcreme-Test, Dessous-Mode und erotisch angehauchte Rezepten. Zudem kann man nachlesen, dass der weibliche Höhepunkt klitoral, vaginal und auch anal erreicht werden kann. Das wissen wohl die meisten Frauen. Und welche Vorzüge die Missionarstellung hat, ist auch keine Neuigkeit: "Die innige Stellung ermöglicht leidenschaftliche Küsse und vielsagende, tiefe Blicke."

Die Artikel sind verpackt in dezenter Optik, mit vielen Schwarz-weiß-Fotos, dazu ein bisschen Rosa. Die Leserin bekommt wenig nackte Männerhaut zu sehen, nur einen entblößten Penis auf Seite 11. Der Grund ist schlicht: "Es gibt kaum Nacktfotos von Männern, geschweige denn ästhetische. Das ist eigentlich unglaublich", sagt Ina Küper. Deswegen will sie bald selbst eine Fotostrecke nach eigenen Vorstellungen produzieren.

Auf der nächsten Seite: Erotik für jederfrau

Sie findet, dass "Alley Cat" auch jetzt schon Überraschendes zu bieten hat: "Im aktuellen Heft haben wir zum Beispiel ein Interview über Penis-Größen. Das ist schon ungewöhnlich in seiner Deutlichkeit." In dem zweiseitigen Interview erklärt Dian Hanson, Herausgeberin von "The Big Penis Book", warum Frauen große Penisse mögen: "Alles, was vorsteht, beeindruckt uns."

Drauf stehen Frauen also? Berufseinsteigerin Küper noch mit jedem herauszufinden, was die Leserinnen eigentlich erotisch finden. Das sei schwierig, weil Frau unter Erotik etwas anderes verstehe. Doch eines ist für die Chefredakteruin klar: "Das Prinzip: nackte Körper + anrüchige Texte = glückliche Leser funktioniert bei Frauen nicht."

Das nötige Prickeln beim Lesen soll also anders aufkommen. Zum Beispiel durch eine erregende Kurzgeschichte. Im aktuellen Heft verführt Treuetesterin Svea einen Partylöwen im Swingerclub. Erotisch? Eher ein bisschen seltsam. Oder eben Geschmackssache.

Lust zu blättern?

Auf den nächsten Seiten sehen Sie Doppelseiten aus "Alley Cat"

Das nächste Heft erscheint am 10. Dezember. Erhältlich im Bahnhofsbuchhandel oder direkt über Alley Cat.

Alley Cat: Buchtipps mit Sexual Intelligence

Weiterblättern

Alley Cat: Fetisch oder die Lust am Objekt

Weiterblättern

Alley Cat: Sextoys

Und wie gefällt Ihnen Alley Cat?

Text: Sonja Leister Bilder: Alley Cat
Themen in diesem Artikel