Neue Brüste: Sex nach der Brustvergrößerung

Barbara S., 32, passte nicht einmal der kleinste BH. Sie ließ sich operieren und hat neue Brüste. Wie fühlt sich der erste Sex nach der Brustvergrößerung an?

Neue Brüste

Bis zum ersten Sex nach der OP dauerte es sechs Wochen. Es war ein ziemlicher Krampf. Die Brüste taten zwar nicht mehr so weh, trotzdem hatte ich das Gefühl, als handle es sich um rohe Eier. In den ersten zehn Tagen nach dem Eingriff hatte ich eine Gummibandage tragen müssen, sie drückte die Brüste an den richtigen Platz. Drei Wochen durfte ich die Arme nicht über Schulterhöhe heben, und auch danach sollte ich mich schonen. "Eine falsche Bewegung, das Implantat verrutscht, und alles war umsonst", hatte der Arzt gesagt. Diesen Satz hatte ich im Ohr beim ersten Sex danach. Ständig habe ich "Pass auf!" und "Vorsicht!" und "Nicht so doll, sonst hängen sie unterm Kinn!" gezischt. Am Ende haben wir nur noch gelacht über die nagelneuen Brüste, die da plötzlich mit uns im Bett lagen.

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Jetzt, nach dem Eingriff, trage ich Körbchengröße B. Vorher war ich so flach, dass nicht einmal ein Push-up Größe AA geholfen hat. Ich habe darunter nicht gelitten, aber es war mir bewusst, dass mir das fehlt, was für viele der Inbegriff von Weiblichkeit ist. Mein Mann beteuerte, dass er mich auch so schön und sexy findet. Trotzdem habe ich nach dem Abstillen meines zweiten Kindes beschlossen, mir künstliche Brüste machen zu lassen. Wahrscheinlich ändert sich, wenn man die Familiengründung abgeschlossen hat, der Blick auf den eigenen Körper, die eigene Zukunft. Ich dachte plötzlich: "Jetzt gehört dein Körper allein dir, wie willst du aussehen, wenn du älter wirst?" Ich bin sehr schlank, habe bei der Auswahl meiner Klamotten immer mit meiner Knabenhaftigkeit gespielt: enge Jeans mit knappen, sportlichen Hemdchen und nichts darunter, einen BH konnte ich ja nicht tragen. Mit 30 mochte ich das, aber mit 40 oder 50? Wenn der Bauch, die Arme, wenn alles runder wird - nur oben herum nicht?

Meine Mutter hat mich zu einem befreundeten plastischen Chirurgen geschickt, den sie heimlich gebeten hatte, mir meinen Plan auszureden. Der Chirurg hat mich angeguckt: "In Ihrem Fall muss ich sagen: Da würde ich auch was machen lassen." Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus habe ich mich zu Hause vor den Spiegel gestellt und alle meine Klamotten anprobiert. Ich war total zufrieden. Meine Freunde fanden das Ganze viel aufregender als ich, ich habe immer gesagt: "Ich habe einfach nachgeholt, was der liebe Gott vergessen hat." Und ich habe es nie bereut, obwohl es dauerte, bis ich mich an meinen neuen Körper so gewöhnt hatte. Ein Jahr lang hatte ich kein Gefühl in den Brustwarzen, und erst nach einem guten halben Jahr bin ich morgens auf dem Bauch aufgewacht, ohne zu denken: "Auf was liege ich denn da rum?"

Ganz am Anfang waren die neuen Brüste noch geschwollen und steinhart, in dieser Zeit habe ich nicht einmal im Traum an Sex gedacht. Als ich das erste Mal nach der OP mit meinem Mann schlief, war ich froh, dass wir uns schon so lange kennen und ich meine Angst nicht zu verstecken brauchte. Obwohl ich mir die Brüste nur für mich habe machen lassen, fand ich es erregend zu sehen, wie er sich an ihnen freute. Denn natürlich findet er es jetzt großartig, dass ich einen Busen habe. Ich kam mir vor wie jemand, der einem anderen ein unverhofftes Geschenk gemacht hat.

Protokoll: Julia Karnick BRIGITTE Heft 4/2007
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