Orgasmus: Keine Probleme bei frauen

Frauen empfinden das Gefühl, einen Orgasmus haben zu müssen, als "abtörnend". Das ergab der erste Teil der breit angelegten Studie "Stressless Sex" der Expertinneninitiative "female affairs".

Die sechsköpfige Initiative setzt sich für mehr sexuelle Kompetenz von Frauen ein und wollte von ihnen genau wissen, wie sie ihre Sexualität erleben und was sie beim Sex stresst. Deshalb haben sie die "Stressless Sex"-Studie initiiert. In einer qualitativen Vorstufe haben sie direkt mit Frauen gesprochen und herausgefunden: Der Zwang, mit dem Partner den Höhepunkt zu erleben, und "unbedingt" den Gipfel der Lust zu erreichen, macht Druck und nimmt dem Sex die Leichtigkeit. Indes: Je selbstbewusster Frauen sind, desto besser kommen sie mit dieser Einstellung klar und desto weniger spüren sie diesen Druck. Das zeigen nun die Ergebnisse des zweiten Teils der Studie. Gemeinsam mit dem Kölner Institut psychonomics befragte "female affairs" 500 Frauen telefonisch.* Überraschendes Ergebnis: Frauen gehen heute selbstbewusster mit ihrer Sexualität um; so erleben 88 Prozent der sexuell selbstbewussten Frauen meistens einen Orgasmus. "Frauen sind keineswegs orgasmusmüde, sie haben aber immer weniger Lust auf Orgasmusstress", fasst Dr. Ulrike Brandenburg, Sexualwissenschaftlerin und "female affairs"-Expertin, zusammen.

Frauen bestimmen ihre Sexualität heute selbst und erleben sie differenzierter. Längst wissen sie, wo ihre Lustzentren sitzen und wie sie diese am besten stimulieren können. 75 Prozent der Frauen kommen durch eine Kombination von vaginaler und klitoraler Stimulation am besten zum Höhepunkt - sowohl durch den Partner als auch durch Eigenstimulation, die auch im sexuellen Miteinander integriert sein kann. Die Studie zeigt: Mehr als jede zweite Frau stimuliert sich beim Sex mit dem Partner zumindest gelegentlich auch selbst. Frauen bestehen auf die Befriedigung ihrer Bedürfnisse und Lüste und haben keine Hemmungen mehr, dabei etwas nachzuhelfen.

*In der Zeit von Mitte Juli bis Mitte August

Frauen genießen ihre Sexualität auch ohne einen Partner

Dass der Orgasmus nicht immer nur im gemeinsamen Liebesakt mit dem Partner erlebt wird, belegen 77 Prozent der Frauen, die in der Selbstbefriedigung eine gute Form sehen, ihre Sexualität zu genießen. Etwa die Hälfte der Befragten kommt dabei meistens zum Höhepunkt. Frauen möchten also keineswegs auf ihren persönlichen Orgasmus verzichten, genießen aber auch die Freiheit, diesen nicht vom partnerschaftlichen Sex abhängig zu machen. "Die Schamgrenze von Frauen zu masturbieren ist gesunken, der autonome Orgasmus gehört eindeutig zur sexuellen Potenz von Frauen", weiß Dr. Brandenburg. Diese Erkenntnis kann das weibliche Sexualleben durchaus bereichern, denn: "Die moderne Frau hat beide Sehnsüchte: Sich Selbstbefriedigung zu verschaffen und auch die Möglichkeit, sich dem Partner oder der Partnerin sexuell hingeben zu können", erklärt die "female affairs"-Expertin. Das bestätigen auch die Ergebnisse der "Stressless Sex"-Studie. Geht es um den Sex mit dem Partner, so ist das Erleben des gemeinsamen Höhepunktes nicht ausschlaggebend für das erotische Miteinander. Nur auf 21 Prozent trifft die Aussage zu, dass sie Sex mit ihrem Partner nur um ihres eigenen Höhepunktes willen haben und für knapp zwei Drittel der Befragten ist der Orgasmus nicht ausschlaggebend für erfüllten Sex. Für 79 Prozent dagegen ist der gemeinsame Liebesakt die maximal mögliche intime Verschmelzung mit dem Partner.

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Stress mindert die Lust

In erster Linie empfinden Frauen Stress, wie Konflikte in der Partnerschaft oder die Hektik des Alltags, als absolute Lustkiller. 78 Prozent bestätigen dies: Sie haben in einer Stressphase weniger Lust auf Sex und 76 Prozent gaben an, sich nur bei totaler Entspannung auf Sex einlassen zu können. Verhütung ist ebenfalls ein wichtiges Stressthema. Knapp jede Zweite glaubt, sie könnte ihre Sexualität freier genießen, wenn sie nicht ständig an ihre Verhütung denken müsste. Stressauslöser ist vor allem die Furcht vor einer ungewollten Schwangerschaft. Insbesondere Anwendungsfehler oder das Vergessen von Verhütungsmitteln, z.B. der Pille, erzeugt bei Frauen Stress. Ein Drittel der Frauen, die trotz Vergessen der Pille mit ihrem Partner Sex haben, fürchten sich vor einer ungewollten Schwangerschaft und empfinden dies als stressig.

Um Frauen auch bei Verhütungsfragen kompetent zur Seite zu stehen, haben die Expertinnen das Angebot auf ihrer Website www.femaleaffairs.de erweitert. Unter "verhütung heute" finden Frauen auf einen Blick Wissenswertes zum Thema Empfängnisverhütung. Hier werden die unterschiedlichen Methoden genau beschrieben und miteinander verglichen. Ein spezieller Beratungsservice liefert hilfreiche Tipps für ein kompetentes Gespräch mit dem Frauenarzt. Die Website gibt Frauen neben fundierten Informationen zu den Themen Wohlbefinden, Körperbewusstsein, Liebe und Sexualität auch die Möglichkeit, direkt mit den Expertinnen in Kontakt zu treten und sich mit anderen Leserinnen in einem Forum auszutauschen.

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