Orgasmusprobleme – kein Grund zu verzweifeln

Orgasmusprobleme sind frustrierend, schließlich zerstören sie die angeblich schönste Nebensache der Welt. Doch es gibt zwei gute Nachrichten: Gerade für Frauen sind sie alles andere als ungewöhnlich und in der Regel lassen sie sich gut beheben.   

Lassen wir das Vorspiel weg und kommen gleich zum Punkt: Eine Orgasmusstörung ist für die Betroffenen belastend und frustrierend. Nicht nur, dass sie vom Sex weniger haben. Bei vielen führt Anorgasmie zu Unsicherheiten, Selbstzweifeln und einem Gefühl der Isolation. Denn während alle anderen Sex immer als schönste Nebensache der Welt feiern, ist er für sie oft nur allenfalls schön, wenn nicht bloß okay – oder im schlimmsten Fall sogar unangenehm. Es ist sogar wissenschaftlich erwiesen: Orgasmen sind gut für unseren Selbstwert und fördern die Akzeptanz von Körper und Sexualität.

Orgasmusprobleme – ein typisches Frauen-Ding

Nur ist die Wahrheit eben auch: Orgasmusstörungen sind sehr häufig, insbesondere bei Frauen. Laut einer Studie der kalifornischen Chapman University mit mehr als 50.000 Befragten kommen nur 65 Prozent der (heterosexuellen) Frauen regelmäßig zum Höhepunkt – heißt, jede dritte hat eine Orgasmusstörung. Zum Vergleich: Bei den Männern haben nur 5 Prozent (jeder Zwanzigste) mit Orgasmusproblemen zu kämpfen. Interessant: Von den befragten homosexuellen Frauen gaben stolze 86 Prozent an, beim Geschlechtsverkehr normalerweise zum Höhepunkt zu kommen. Allein das zeigt, dass Anorgasmie nichts mit dem weiblichen Körper oder der weiblichen Sexualität an sich zu tun hat.

Kein naturgegebenes Gesetz

Dass die Orgasmusfähigkeit bei Männern höher ist als bei Frauen, ist zwar eine weit verbreitete Annahme, allerdings eine, die in die Kategorie der unbewiesenen Sexualmythen gehört, denn im Grunde spricht nichts für ihre Richtigkeit. Zugegeben: Im Vergleich zum männlichen Orgasmus wirkt die sexuelle Stimulation der Frau wie eine Wissenschaft für sich. Während er oft (zumindest gefühlt) nach ein bisschen Rein-Raus und ein wenig Berührung schon zum Samenerguss kommt, muss für sie und ihre Vagina in der Regel gleich ein komplexes Gesamtpaket beim Koitus stimmen. 

Aber: Als einziges Körperorgan überhaupt ist die Klitoris nur für die Lust da und mit rund 8000 Nervenzellen sogar doppelt so sensibel und gut für die sexuelle Erregung ausgestattet wie der Penis. Das wiederum ist eine gute Nachricht, denn es bedeutet, dass sich unsere Orgasmusstörungen so gut wie immer lösen lassen (sofern kein medizinisches Problem vorliegt). Meist müssen wir dazu allerdings zunächst mal die Ursachen kennen.

Gründe für Orgasmusprobleme

Und schon gibt's die nächste gute Nachricht: Ein Orgasmusproblem bedeutet nicht automatisch, dass er der Falsche ist oder dass wir uns mit der Frage "Soll ich Schluss machen?" auseinandersetzen müssen. Selbst wenn unser Ex sexuell jedes Mal ein Feuerwerk im Bett entzündet hat und wir bei unserem neuen Partner nicht mal warm werden, ist das kein Grund, das aktuelle Kapitel zu beenden und das abgeschlossene wieder aufzuschlagen – schließlich haben wir die vier Trennungsphasen nicht umsonst hinter uns gebracht.

Viele Ursachen für Orgasmusstörungen haben tatsächlich kaum etwas mit der jeweiligen Beziehung oder dem Partner zu tun – auch wenn wir, um sie loszuwerden, in manchen Fällen auf seine Hilfe angewiesen sind. Hier die vier häufigsten Gründe für Orgasmusschwierigkeiten.

1. Zu wenig Information

Keine Sorge, hier ist nicht gemeint, dass wir Fachbücher wälzen oder uns Wissen über die weiblichen Geschlechtsorgane aneignen sollen. Im Gegenteil, zu viel Theorie und Grübelei können unsere Probleme eher verstärken. Was bei einer Orgasmusstörung oft fehlt, ist praktisches Wissen. Bedeutet: Wir brauchen mehr Training!

Für die meisten Männer ist Selbstbefriedigung völlig normal, einige machen es sogar mehrmals am Tag. Sie fangen als Jungs in der Pubertät damit an und entwickeln so ein sehr enges, vertrautes und liebevolles Verhältnis zu ihrem besten Stück. Unter Mädchen und Frauen ist Masturbation dagegen längst nicht so etabliert und selbstverständlich. Deshalb wissen viele gar nicht, was sie heiß macht und wie sie zum sexuellen Höhepunkt kommen. Und wenn wir uns selbst nicht zum Orgasmus bringen können: Wieso erwarten wir dann von unserem Partner, dass er es schafft?

2. Fehlendes (Selbst-)Vertrauen

Um einen Orgasmus zu erleben, müssen wir uns beim Geschlechtsverkehr hundertprozentig fallen lassen und dem Moment hingeben können. Dafür stehen die Chancen aber schlecht, wenn wir die ganze Zeit denken "Hoffentlich bemerkt er meine Cellulite nicht" oder "er hatte bestimmt schon heißere Schnecken im Bett".

Viele Frauen, die selbst genau wissen, wie sie zum Höhepunkt kommen, scheitern beim partnerschaftlichen Sex an ihrer Unsicherheit. Die hindert sie dann meist auch daran, dem Partner zu vertrauen – und ihm zu sagen, was ihnen in sexueller Hinsicht gefällt und was sie sich wünschen. Das aber sollten wir unbedingt tun, wenn wir auf unsere Kosten kommen wollen.   

3. Zu viele Gedanken

Manchmal beschäftigen uns einfach zu viele Dinge, um abzuschalten und uns unserer Lust hinzugeben – schließlich sind wir Menschen und keine Tiere, unser Geist kommt uns bei den substantiellen Dingen des Lebens gelegentlich in die Quere, da nützt selbst eine so erogene Zone wie die Klitoris nichts. Wenn solche Phasen nicht von allein vorüber gehen oder wir sie grundsätzlich nicht einfach aussitzen wollen, können wir es zum Beispiel mit Tantra-Yoga probieren. Diese Form der Meditation ist speziell darauf ausgelegt, den eigenen Körper inklusive Sexualität im Hier und Jetzt zu erleben und aufgehen zu lassen. 

4. Überhöhte Erwartungen

Wenn wir uns vom Sex eine Porno reife Darbietung versprechen und meinen, es müsse von Anfang an zischen und dampfen, setzt uns das zwangsläufig unter Druck und wir verkrampfen (Zufalls-Reim!). Auch dann können wir uns den persönlichen Höhepunkt vor allem mangels Hingabe-Fähigkeit abschminken. Was wir uns daher ein für alle Mal klarmachen sollten: Unser Sexleben ist kein Porno! Wir können genauso gut beim Blümchensex zum Orgasmus kommen wie beim kreativen Fesselspiel. Beim Geschlechtsverkehr geht's nicht um Leistung und Ästhetik, sondern um Gefühl und Genuss.  

Neben diesen vier großen Hauptgründen können auch körperliche oder andere psychische Faktoren eine Rolle spielen, die häufig zumindest teilweise in einen der genannten Kontexte reinspielen. So empfinden einige ihre Versagensängste als besonders extrem, die meist durch die überhöhten Erwartungen ausgelöst werden, während andere vor allem den Kontrollverlust fürchten – wiederum ein klassisches Vertrauensproblem.

Wer nun alleine überhaupt nicht weiter kommt bei der Ursachenforschung und Beseitigung der Orgasmusprobleme: Bitte nicht zögern, Rat bei einer Sexualmedizinerin oder einem Therapeuten zu suchen! Wie gesagt: Eine gesunde Orgasmusfähigkeit und ein erfülltes Sexleben sind wichtig für unser Selbstbewusstsein, sexuelle Lustlosigkeit kann dagegen einen Schatten über unser gesamtes Leben werfen. Und für dieses Problem ist vortäuschen dann nämlich keine Lösung!

 

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