Plädoyer für Pornos: neues Selbstbewusstsein!

Frauen finden Pornos abartig und mutieren zu Furien, wenn sie ihren Typen mit einem Playboy erwischen - das ist das Klischee. Doch die Zeiten sind vorbei, in denen der Hardcore-Sektor den Männern vorbehalten war. Ein Plädoyer dafür, dass Frauen endlich ein neues Selbstbewusstsein entwickeln müssen.

Wir haben unseren 68er-Müttern viel zu verdanken. Sie haben uns Bauklötze geschenkt, die Haare kurz geschnitten und im Turnverein angemeldet. Sie haben sich lila Latzhosen angezogen, ihr Achselhaar wachsen lassen und darüber diskutiert, dass Frauen mehr können als Kuchenbacken und Kinder gebären. Sie haben Kerzen aufgestellt und darüber geredet, dass sie mehr im Bett brauchen als rauf-rein-raus-runter. Sie haben Räucherstäbchen angezündet und das Vorspiel zelebriert. Wehe dem, der sich wie ein Lemming in die Vagina stürzte. Nein, streicheln, schmusen, stimulieren - das braucht die Frau, um zum Höhepunkt zu kommen. Der ideologische Feldzug gegen alles Frauenfeindliche war gnadenlos: Miniröcke, Lippenstifte, Büstenhalter mutierten zur Geißel der Weiblichkeit. Absoluter Inbegriff von Verachtung, Erniedrigung und Degradierung der Frau zum Lustobjekt männlicher Sexgier: der Pornofilm.

Frauen reagieren mit Abscheu, wenn es um das Thema geht. Ereifern sich darüber, wie gehirnamputiert die Kerle sein müssen, die sich an so einem Billigscheiß aufgeilen. Es scheint, als wären Frauen immun gegen optische Sinnesreize, als hätten Bilder großer steifer Schwänze auf sie den gleichen Effekt wie Fotos von Raucherbeinen. Warum fühlen Frauen sich davon erniedrigt, dass ein Hauptelement der meisten Pornos Blas-Szenen in Großaufnahme sind? Die männlichen Darsteller lassen doch auch ausgiebig ihre Zunge spielen.

Gerechterweise muss man sagen, dass viele Frauen sich zusammen mit ihrem Freund durchaus mal einen Porno ansehen würden. Täte er es aber heimlich und alleine, wäre das ein Trennungsgrund. Dieser Wunsch nach allumfassender seelischer und körperlicher Verschmelzung garniert mit dem Ziel, sein einziger Lustquell zu sein, ist nicht nur ziemlich eitel, sondern auch ziemlich unrealistisch. Welche Frau träumt ausschließlich von ihrem Lebensabschnittspartner, wenn sie es sich selber macht? Also, warum sollte er das vorspielen? Und ob er nun dazu die Bilder im Kopf abspult oder über den Fernseher stöhnen lässt, ist doch Wurscht.

Die Hippie-Vorstellung von kosmischem Sex ohne ein gewisses - wechselseitiges - Dominanzgefälle funktioniert nicht. Und überhaupt: Nichts ist abturnender als politisch korrekter Sex. Aus Angst davor, die Emanzipation zu verraten, verbieten Frauen sich selbst Neugierde und Lust, wenn es um Pornos geht. Das widerspricht aber nicht nur der Fortpflanzungsbiologie, sondern auch dem Selbstbewusstsein, das Frauen haben sollten - gerade wenn sie emanzipiert sein wollen.

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