Richtig verhüten - aber wie?

Verhütung schützt vor ungewollter Schwangerschaft und Geschlechtskrankheiten. Doch welche Verhütungsmittel gibt es noch neben Pille & Co und was sind Vor- und Nachteile? Wir geben euch einen kleinen Überblick über die häufigsten Verhütungsmethoden

Pille

Rund sechs Millionen Frauen verhüten mit der Antibabypille. Sie ist damit das am häufigsten verwendete Verhütungsmittel. Die Pille besteht aus Hormonen (Östrogen und Gestagen), die den Eisprung verhindern.

Welche Pille? Es sind viele Pillen von unterschiedlichen Herstellern auf dem Markt. Da kann man schon mal den Überblick verlieren. Generell gilt: Es gibt zwei Arten von Pillen, die Kombinationspille (enthält Östrogen und Gestagen) und die Minipille (enthält nur Gestagen). Die Pillen wirken unterschiedlich und werden daher auch unterschiedlich eingenommen. Eine Kombinationspille wird 21 Tage lang mit anschließender Regelpause, eine Minipille dagegen jeden Tag eingenommen. Um den Körper nicht zu sehr mit Hormonen zu belasten, sollten gerade junge Mädchen Pillen mit geringem Östrogen- und Gestagengehalt nehmen. Welche Pille am besten zu euch passt, solltet ihr mit eurem Frauenarzt besprechen.

Vorteile: Nur wenn ihr die Pille richtig einnehmt, ist sie eines der sichersten Verhütungsmittel (als Maßstab für die Sicherheit gilt der Pearl-Index) und schützt vom ersten Tag an. Die Pille kann zudem Regelbeschwerden lindern und auch nach längerer Einnahme, bleibt man fruchtbar.

Nachteile: Nur wenn ihr die Pille täglich und zur gleichen Zeit nehmt, schützt sie richtig. Schon ein einziges Mal vergessen beeinträchtigt den Empfängnisschutz. Trotz neuer Präparate, die minimal dosiert sind, können Nebenwirkungen wie Übelkeit, Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen oder sexuelle Lustlosigkeit auftreten. Solltet ihr zeitgleich andere Medikamente wie zum Beispiel Antibiotika nehmen, ist Vorsicht geboten. Die Wirkung der Pille kann dadurch beeinflusst werden. Und auch Raucherinnen sollten vor Einnahme mit ihrem Frauenarzt sprechen, da sich das Thromboserisiko erhöht.

Kosten: Die Pille kriegt ihr auf Rezept von eurem Frauenarzt. Bis zum 20. Lebensjahr gibt's die Pille auf Kassenrezept. Ansonsten kostet eine Drei-Monats-Packung ca. 10 bis 30 Euro. Wichtig: Regelmäßige Kontrollgänge zum Frauenarzt sind Pflicht.

Ab wann schützt die Pille, was muss man bei Reisen beachten und ab wann wirkt die Pille nicht mehr? Hier gibt's mehr Infos: www.pille.com

Kondome

Kondome stehen bei den beliebtesten Verhütungsmitteln auf Platz 2. Die Überzieher aus Gummi gibt es mittlerweile in allen Farben und Formen. Das Kondom wird vor dem Sex über den steifen Penis des Mannes gerollt. So haben die Spermien keine Chance in die Scheide zu kommen.

Vorteile: Kondome sind preiswert, schnell zu besorgen und haben keine lästigen Nebenwirkungen wie zum Beispiel bei der Pille. Das wichtigste aber, sie verhindern eine ungewollte Schwangerschaft und schützen als EINZIGES Verhüttungsmittel gegen Aids und andere Geschlechtskrankheiten.

Nachteil: Kondome schützen nur, wenn man sie richtig anwendet! Deshalb ist es besonders wichtig, dass sich auch Mädchen über den Umgang mit Kondomen informieren! Damit nichts schiefgeht, vorher schlau machen und üben! Hier gibt' s eine kleine Anleitung.

Wichtig: Verwendet nur Markenkondome mit CE-Kennzeichnung und achtet immer auf das Verfallsdatum (Kondome sind ca. 4-5 Jahre haltbar), denn zu alte Kondome können reißen. Auch eine falsche Aufbewahrung zum Beispiel bei zu hohen Temperaturen können Kondome unbrauchbar machen. Ein Schutz ist dann nicht mehr gewährleistet. Gebrauchte Kondome gehören natürlich in den Müll!

Kosten: Kaufen könnt ihr Kondome in der Drogerie oder im Supermarkt, aber wenn ihr euch unsicher seid, lasst euch lieber in der Apotheke beraten. Das ist nicht peinlich, sondern sicher! 10 Stück gibt's ungefähr für 5 bis 6 Euro.

Tipp: Die anonyme Telefonberatung steht jeden Tag ab 10 Uhr unter 01805 / 555 444 für Fragen zu HIV/Aids und Safer Sex zur Verfügung oder online unter www.telefonberatung.de

Hormon - Spirale

Die T-förmige Spirale aus Plastik wird vom Frauenarzt in die Gebärmutter eingesetzt, wo sie eine geringe Menge an Hormonen (Gestagene) abgibt. Diese machen den Schleim in der Gebärmutter dickflüssiger und hindern die Spermien am eindringen. Am unteren Teil der Spirale befindet sich ein Kunststofffaden, um die Spirale zu ertasten oder zu entfernen. Der Empfängnisschutz beginnt direkt nach Einsetzen der Hormon-Spirale.

Vorteile: Die Hormon-Spirale verhütet sehr zuverlässig bis zu fünf Jahre, das bedeutet das tägliche "An die Verhütung denken" fällt weg. Nebenwirkungen sind selten, da die Hormondosis sehr niedrig ist. Deshalb ist die Hormon-Spirale besonders für Frauen geeignet, die die Pille nicht vertragen oder unter starken Regelblutungen leiden. Noch ein Plus: Der natürliche Zyklus bleibt und nach dem Entfernen der Spirale setzt die Fruchtbarkeit schnell wieder ein.

Nachteile: Der Eingriff muss von einem Frauenarzt durchgeführt werden und kann unangenehm und schmerzhaft sein. Außerdem kann es zu unregelmäßigen Blutungen kommen, sowie in den ersten Monaten zu Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen und Spannungen in der Brust.

Kosten: ca. 300 bis 400 Euro für 5 Jahre.

Diaphragma

Beim Diaphragma handelt es sich um eine Gummikappe (aus Latex oder Silikon), die wie eine Art Wand in der Scheide eingesetzt wird. Es versperrt den Samenzellen den Weg zur Gebärmutter. Die richtige Diaphragma-Größe ist sehr wichtig, deshalb könnt ihr es nicht selbst einsetzen, sondern es muss vor der ersten Anwendung vom Frauenarzt oder bei Beratungsstellen (zum Beispiel pro familia) individuell angepasst werden. Damit das Ganze auch richtig sicher ist, müssen zusätzlich Verhütungscremes oder Gel benutzt werden. Das Diaphragma wird höchstens zwei Stunden vor dem Sex in die Scheide eingeführt. Nach dem Sex muss es noch mindestens acht Stunden dort bleiben, da Spermien so lange überleben können. Ein Diaphragma hält bis zu zwei Jahren.

Die Vorteile: Das Diaphragma ist relativ preiswert und kommt nur zum Einsatz, wenn man tatsächlich Sex hat. Der normale Zyklus bleibt erhalten und Nebenwirkungen sind selten.

Die Nachteile: Ein Diaphragma einzusetzen bedarf einiger Übung und ist etwas umständlich. Nur wenn es richtig sitzt, schützt es ausreichend. Außerdem gibt's damit leider keinen spontanen Sex.

Kosten:ca. 20 bis 40 Euro. Verhütungsgels und -cremes ca. 10 bis 15 Euro pro Tube.

Weitere Informationen zum Diaphragma findet ihr in dieser Broschüre von pro familia.

Hormon-Implantat

Diese Verhütungsmethode geht unter die Haut: Ein Kunststoff-Stäbchen wird vom Frauenarzt am Oberarm unter die Haut eingesetzt. Das Stäbchen gibt dann drei Jahre lang geringe Mengen Gestagen ab und verhindert damit den Eisprung.

Vorteile: Das Hormon-Implantat schützt zuverlässig und die Hormondosierung ist sehr niedrig. Auch diese Methode ist besonders geeignet für alle Mädels, die nicht regelmäßig an Verhütung denken wollen.

Nachteile: Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Spannungen in der Brust, Gewichtszunahme oder Akne können auftreten und es kann zu Zwischenblutungen kommen. Außerdem ist dies eine teure Verhütungsmethode, falls man die Anwendung vor Ablauf der drei Jahre abbrechen möchte.

Kosten: ca. 300 Euro für drei Jahre

Die Drei-Monatsspritze

Für alle, die Angst vor Spritzen oder Nadeln haben, Hände weg von dieser Verhütungsmethode. Das Hormon Gestagen wird nämlich in den Oberarm oder ins Gesäß gespritzt und gelangt über die Blutbahn in den Körper. Die Verhütung hält insgesamt zwei bis drei Monate. Danach bekommt man die nächste Spritze. Die Drei-Monatsspritze ist hauptsächlich geeignet für Frauen, die Pille oder andere Methoden nicht vertragen.

Vorteile: Spontaner Sex ist mit dieser Verhütungsmethode kein Problem mehr. Starke und schmerzhafte Regelblutungen oder Migräne können durch die Dreimonatsspritze gemindert werden. Plus für Mütter: Auch während der Stillzeit können sie die Drei-Monatsspritze verwenden. Ebenfalls praktisch: Die nächste Spritze steht an aber ihr wollt zu diesem Zeitpunkt in den Urlaub fahren? Kein Problem, einfach die Injektion vorverlegen, der Schutz bleibt gleich.

Nachteile: Die Hormondosis ist sehr hoch. Hat zur Folge, dass die Nebenwirkungen ähnlich wie bei der Pille sein können: Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen, Nervosität oder Zwischenblutungen. Treten Nebenwirkungen auf, kann man das Präparat aber nicht einfach absetzen, denn das Depot muss sich erst auflösen, bevor die Wirkung nachlässt. Weiteres Manko: Nach Absetzen der Drei-Monatsspritze stellt sich die Menstruation erst nach mehreren Monaten bis zu einem Jahr wieder ein.

Kosten: ca. 25 bis 30 Euro für drei Monate

Verhütungsring

Eine neue Methode der Verhütung ist der Vaginalring. Der Ring besteht aus Kunststoff und enthält Östrogene und Gestagene, wodurch - ähnlich wie bei der Pille - der Eisprung verhindert wird. Den Ring könnt ihr wie einen Tampon in die Scheide einführen. Nach drei Wochen müsst ihr ihn entfernen und nach einer einwöchigen Regel-Pause wieder einen neuen Ring einsetzen. Wenn der Ring mal verrutscht, kann man ihn innerhalb von drei Stunden wieder richtig einsetzen - in dieser Zeit bleibt man trotzdem geschützt.

Vorteile: Der Verhütungsring ist sicher, kommt aber mit weniger Hormondosen als die Pille aus, da die Hormone über die Schleimhäute direkt ins Blut gehen. So wird nicht der ganze Körper beeinflusst. Auch Erbrechen oder Durchfall beeinträchtigen die Wirkung des Rings nicht.

Nachteile: Der Ring sollte immer am gleichen Wochentag und zur selben Uhrzeit eingesetzt werden. Mögliche Nebenwirkungen können Scheidenreizungen und Ausfluss sein. Auch mit Lustlosigkeit, Kopfschmerzen und Übelkeit muss man rechnen. Unangenehm wird’s zudem, wenn der der Ring verrutscht oder beim Sex zu spüren ist.

Kosten: ca. 15 - 20 Euro kostet ein Ring, im Dreierpack ca. 44 Euro

Verhütungs-Pflaster

Aufkleben und schon haben Spermien keine Chance. Wie bei der Pille verhindert das hauchdünne Pflaster den Eisprung. Es gibt wenig Gestagene und Östrogene regelmäßig über die Haut in den Körper ab. Das Pflaster muss alle sieben Tage gewechselt werden. Nach dem dritten Pflaster ist eine Woche Regelpause angesagt. Wohin das klebrige Verhüterli kommt? Ihr habt die Wahl zwischen Bauch, Po oder Oberarm (nicht auf die Brust).

Vorteile: Das Pflaster ist leicht anzubringen und da die Hormone direkt ins Blut gehen ist die Belastung für die Leber nicht so hoch. Außerdem haben Erbrechen oder Durchfall keinen Einfluss auf die Wirkung. Also auch eine weitere Alternative für alle, die zwar hormonell verhüten, aber nicht jeden Tag daran denken wollen.

Nachteil: Das Pflaster muss immer "beobachtet" werden, damit es nicht verrutscht. Die für die Pille typischen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Kopfschmerzen oder Brustspannen können auch beim Pflaster auftreten. Bei Einnahme von Antibiotika oder anderen Medikamenten kann es zu Wechselwirkungen kommen.

Kosten: ca. 20 Euro

Der Koitus interruptus

... ist kein Verhütungsmittel! Der Mann zieht dabei den Penis kurz vor dem Samenerguss aus der Scheide. Was die meisten leider immer noch nicht wissen: Schon vor dem Orgasmus kann Samenflüssigkeit austreten und das Sperma macht sich auf seine Reise Richtung Gebärmutter.

Die Pille danach

Kondom gerissen? Pille vergessen? Was nun? Für den absoluten Notfall gibt es die "Pille danach". Ihre bekommt sie bei eurem Frauenarzt, in der Notfallklinik oder bei Pro Familia. Innerhalb von 48 nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr kann sie eine Schwangerschaft verhindern. Da die Pille den gesamten Hormonhaushalt durcheinander bringt, sind die Nebenwirkungen sehr heftig: Übelkeit, Erbrechen und Schwindel können auftreten.

Kosten: ab 10 Euro.

Wie sicher ist welches Verhütungsmittel?

Der Pearl-Index gibt an, wie sicher eine Verhütungsmethode ist. Dafür müssen 100 Frauen ein Jahr lang eine bestimmte Verhütungsmethode anwenden. Dann wird prozentual errechnet wie viele Frauen trotz dieser Verhütung schwanger geworden sind. Den Pearl-Index der einzelnen Verhütungsmethoden findet ihr hier

Weitere Infos

Mehr Infos und Broschüren zum Thema Sex und Verhütung gibt's hier:

Bei www.sextra.de gibt's anonyme und kostenfreie Online-Beratung der Deutschen Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung e.V.:

Bei www.loveline.de findet ihr Tipps, Infos und rund um die Themen Liebe, Sexualität und Verhütung. Ein besonderer Service ist das "Liebeslexikon", das über 350 Begriffe, Zeichnungen, O-Töne und Videos umfasst. Mehr Antworten gibt's zudem im Chatroom, wo ihr euch an Sexualpädagogen und Ärzte wenden könnt.

Pille vergessen, Kondom kaputt, nicht aufgepasst? Unter der Telefonnummer 01805 - 776326 bekommt man ausführliche Informationen zu Wirkung und Anwendung der "Pille danach". Die automatischen Ansagen gibt es auf Deutsch, Türkisch, Englisch und Russisch. Wissenswertes zum Thema "Nachverhütung" finden Sie auch im Internet: www.profamilia.de

Eine Broschüren mit allen Verhütungsmethoden im Überblick gibt es bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter www.bzga.de

Diskutiert mit!

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Verhütung schützt vor ungewollter Schwangerschaft und Geschlechtskrankheiten. Doch welche Verhütungsmittel gibt es noch neben Pille & Co und was sind Vor- und Nachteile? Wir geben euch einen kleinen Überblick über die häufigsten Verhütungsmethoden

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