Schlechter Sex - jetzt reden die Männer

Zu schlechtem Sex gehören immer Zwei. Deswegen lässt Mia Ming in ihrem neuen Buch die Männer lästern. Darüber, wie ignorant, lieblos und ungeschickt Frauen sich beim Sex anstellen

In Mia Mings neuem Buch "Schlechter Sex 2" kommen die Männer zu Wort

Die Berliner Autorin Mia Ming sammelt Bettgeschichten, die eigentlich niemand erzählen will. In ihrem ersten Buch "Schlechter Sex" verrieten 33 Frauen ihre schlimmsten Sex-Erlebnisse. Im zweiten Band legen die Männer los. Die reizlose Grundschulpädagogin, die beim ersten Mal einen grasgrünen Kapuzenpulli trägt. Die unehrliche Jurastudentin, die wilden Oralsex hat - bis ihr portugiesischer Freund in der Tür steht. Und die aufdringliche Kindergärtnerin, die schnellen Sex auf dem Herrenklo sucht. Sie alle bekommen ihr Fett weg.

Die Autorin Mia Ming

BYM.de: Die Männer in ihrem Buch sind ganz schöne Lästermäuler. Sind jetzt die Frauen schuld, dass die Jungs keinen Spaß mehr im Bett haben?

Mia Ming: In den 33 Berichten, die ich gehört und aufgeschrieben habe, sind neben äußeren Umständen tatsächlich eher die Frauen schuld als die Männer. Auf Seiten der Frauen sähe das jedoch sicherlich ganz anders aus. Es gibt ja immer zwei Seiten - und auch zu schlechtem Sex gehören immer zwei.

BYM.de: Wie haben Sie es geschafft, dass die Männer so offen erzählen? Oft protzen sie ja nur, was sie für tolle Hechte im Bett sind.

Mia Ming: Auch Männer wollen grundsätzlich die wahren Gründe erfahren, denn auch sie haben ein ehrliches Interesse daran, Probleme im Bett zu lösen. Jeder wünscht sich guten Sex. Aber es stimmt schon, manche Männer protzen auch gern. Einige wollten mir tatsächlich nur von ihren Glanzleistungen und besonderen Fähigkeiten erzählen, solche Beiträge habe ich nicht genommen, da musste ich aussieben.

BYM.de: Sie beschreiben 33 Todsünden des Sex, zum Beispiel Reizlosigkeit oder Ungeschicklichkeit. Was glauben Sie, was finden Männer im Bett am schlimmsten?

Mia Ming: Eine Kombination aus Egoismus, Ignoranz und Ungeschick ist geschlechterübergreifend sicherlich die beste Voraussetzung für eine gründlich misslungene Nacht.

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Die besten Mittel für besseren Sex: Gelassenheit und Humor

Autorin Mia Ming

BYM.de: Mehrere Männer in Ihrem Buch haben Sex mit Frauen, die sie überhaupt nicht toll finden. Ein Beweis dafür, wie triebgesteuert sie sind?

Mia Ming: Bei den Männern sehe ich tatsächlich oft das Problem, dass sie anscheinend einfach nicht nein sagen können. Wenn ihnen eine Frau Avancen macht, gehen manche darauf ein, obwohl sie ihnen gar nicht gefällt. Und dann kann sie eigentlich nur noch alles falsch machen. Nachher wollen die Männer schnellstmöglich weg und beschweren sich über schlechten Sex. Manchmal habe ich schon beim Zuhören absolut nicht verstanden, warum sie sich überhaupt mit den Frauen unterhalten haben, geschweige denn mit ihnen ins Bett gegangen sind. Männliche Getriebenheit wäre sicherlich eine Antwort.

BYM.de: Es scheint, als würden gerade One-Night-Stands oft mit schlechtem Sex enden. Wie lässt sich das vermeiden?

Mia Ming: Bei One-Night-Stands liegt das Problem natürlich darin, dass man den anderen beziehungsweise die Bedürfnisse des anderen nicht kennt. Das birgt eher das Risiko, enttäuscht zu werden. Aber mangelnde Erfahrung kann man mit Gelassenheit und Neugier kompensieren. Ein One-Night-Stand bleibt sicherlich immer riskant, aber gerade das macht ja auch seinen Reiz aus.

BYM.de: Und was können wir aus Ihren Geschichten lernen?

Mia Ming: Gelassenheit und Humor sind noch immer die besten Mittel, mit schlechtem Sex umzugehen. Wer sich selbst nicht zu ernst nimmt, keine übertrieben hohen Erwartungen und Ansprüche an andere stellt, hat es sicherlich einfacher. Und nicht allzu hart urteilen, denn jeder hat eine zweite Chance verdient.

Schlechter Sex, Teil 2

Mia Ming Schlechter Sex 2 Schwarzkopf & Schwarzkopf 230 Seiten 9,90 Euro

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Leseprobe: Jetzt schon?

Schlechter Sex - was vielversprechend anfängt, kann böse enden

Die 19. Todsünde des Sex: Aufdringlichkeit

Stefan (26), Schauspielschüler aus Berlin, über Sandrine (24), Kindergärtnerin aus Berlin

Manche Mädchen haben einfach kein Benehmen. Oder denken sie, nur weil sie Mädchen sind, sind sie immer im Recht und können sich alles erlauben? Vor einem Jahr sind wir zur Fusion gefahren, ein Festival zwischen Brandenburg und Berlin. Wir waren zu fünft und wollten von Freitag bis Sonntag bleiben. Sandrine hatte ich zwei Wochen zuvor kennen gelernt. Wir hatten Nummern getauscht, gesmst und waren uns ein paar Mal beim Ausgehen begegnet. Allein hatten wir uns noch nie verabredet, doch als sie spontan verkündete, dass sie und ihre Freundin Katharina mit uns zur Fusion fahren wollten, habe ich mich gefreut, denn Sandrine gefiel mir. Auch hatten wir noch Platz in unserem Bus und je mehr Leute mitkamen, desto besser.

Wir fuhren freitagmorgens los, in sengender Hitze. Sandrine und ich teilten uns die Rückbank. Ihre Freundin war bereits übernächtigt erschienen, anscheinend kam sie direkt aus irgendeinem Club, hatte sich sofort quer über den Sitz gelegt und die geröteten Augen geschlossen. Trotz der lauten Musik im Wagen schien sie fest zu schlafen und schnarchte sogar. Meine Jungs waren vorne, tranken Bier und grölten vorfreudig. Sandrine und ich saßen eng zusammen, unterhielten uns und hatten die nackten Beine gegeneinandergedrückt. Wir standen ziemlich bald im Stau, die Sonne knallte auf den dunkelblauen Bus. Wegen der Hitze hatte ich mein Hemd ausgezogen und auch Sandrine trug nur Rock und ein Bikinioberteil. Alles klebte und unsere Haut glänzte verschwitzt. Die Schwüle war extrem, geradezu surreal, doch obwohl ich Hitze sonst verabscheue, rückte ich keinen Millimeter von Sandrines warmem Körper ab. Wir unterhielten uns über Job, Familie und über Haustiere. Sie hatte eine ganze Reihe Nagetiere gehabt, Hamster und so, was ich ziemlich abstoßend fand. Ihr Exfreund war vor einiger Zeit versehentlich auf ihr Meerschweinchen getreten, so dass die kleine Ratte eingeschläfert werden musste. Die Beziehung hatte sich von diesem Zwischenfall nie wieder erholt. Ich seufzte, vorgeblich mitfühlend.

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"... auch Sandrine trug nur Rock und ein Bikinioberteil"

Sandrine war ein nettes Mädchen, vielleicht ein wenig naiv, doch wir verstanden uns gut. Wir tranken Orangensaft und ein bisschen Sekt, der uns augenblicklich zu Kopf stieg. Nach etwa zwei Stunden Fahrt signalisierten uns andere Autos durch Hupen, dass irgendetwas nicht stimmte. Wir steuerten einen Rastplatz an und mussten feststellen, dass ein Reifen fast platt war. Dirk, Mehmet und Marco wollten ihn wechseln. Meine Freunde sind nett und verständnisvoll, sie hatten uns im Rückspiegel beobachtet, deshalb war ich so lange freigestellt. Katharina schlief auf einer Rastplatzbank weiter, Sandrine und ich legten uns im Halbschatten auf eine Decke ins Gras. Bald küssten wir uns. Es war ein herrlicher Tag, wir hatten frei, das Festival lag vor uns, das Leben war schön.

Irgendwann stand ich auf, weil ich die sanitären Einrichtungen aufsuchen wollte. Als ich die Toilette verließ, stand Sandrine vor mir. Es war eine schmuddelige dunkle Rastplatztoilette, und eigentlich wollte ich schnellstmöglich wieder raus an die Luft. Doch sie zog mich zurück in den Toilettenraum, umarmte mich und drückte ihren Körper gegen meinen. Ich weiß noch, wie verwundert ich war, Sandrines Verhalten war überhaupt nicht mädchenhaft und passte nicht zu dem Eindruck, den ich bisher von ihr gewonnen hatte. Ich selbst wäre niemals auf die Idee gekommen, sie derart sittenwidrig zu überrumpeln, nach so kurzer Zeit, an einem solchen Ort!

Doch weckte sie meine Neugier. Und nicht nur die... Sandrine lehnte mit dem Rücken an der bekritzelten Wand, hatte ein Bein auf der Toilettenschüssel abgestellt, der Rock war ihr über die Hüften gerutscht. Ihre Hand glitt in meine Shorts, griff nach meinem Schwanz, der schon die ganze Fahrt über halb steif gewesen war, und rieb ihn. Ich war kurz davor zu kommen, fünf Sekunden noch, ich hätte in ihre Hand gespritzt und alles wäre in Ordnung gewesen, doch Sandrine wollte mehr. Und obwohl es so unnötig war, machte ich natürlich mit. Sie ging vor mir auf die Knie und leckte sanft über meine Schwanzspitze. Ich bekam Gänsehaut, das war ein guter Anfang. Doch dann stülpte sie ihren Mund äußerst unsanft über mich, bewegte den Kopf ruckartig vor und zurück und rammte meinen Schwanz dabei grob und heftig gegen die Innenseite ihrer Backe. Bevor sie abrutschen und mich mit ihren Zähnen verstümmeln konnte, hielt ich ihren Kopf fest. "Langsam, Süße. Und sanfter...", bat ich, doch sie vollführte einfach dieselbe unangenehme Bewegung, ganz mechanisch, nur eben etwas langsamer.

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Quickie auf dem Herrenklo

Die kleine Notlüge schien mir mehr als angebracht. Ich zog Sandrine hoch und wollte ihre Hand um meinen Schwanz legen. So konnte sie nicht mehr so viel Schaden anrichten. Ihre Hand würde zu einem schnellen Ende führen, das erschien mir der Situation angemessen, außerdem wollte ich allmählich hier raus. Doch das wollte Sandrine nicht. Stattdessen klappte sie den keimigen Toilettendeckel mit der Spitze ihres Flip-Flops nach unten, dann schob sie mich, so dass ich darauf zu sitzen kam. Wieder bekam ich Gänsehaut, doch diesmal lag es an der Berührung meiner Haut mit dem ekligen Plastik. Sandrine stand breitbeinig über mir, sie hielt meinen Schwanz mit der Hand fest und senkte ihren Unterleib darüber. Langsam ließ sie sich heruntergleiten. Ich beobachtete, wie ich Zentimeter für Zentimeter in sie eindrang, hielt den Atem an, rührte mich nicht. Ich hatte noch immer die Befürchtung, sofort zu kommen und mich zu blamieren, also versuchte ich, mich abzulenken, an Kleinnager zu denken, Hautkrankheiten und Dixie-Toiletten, doch es war extrem schwierig. "Langsam! Sei vorsichtig!", keuchte ich, als sie etwas schneller wurde. Meine Hand umkrampfte ihren Oberarm. Als ich ganz in ihr war, verharrten wir einen Moment lang reglos. Beinahe hatte ich die Kontrolle über mich zurückgewonnen, da begann Sandrine unvermittelt heftig ihren Unterleib zu bewegen. Meine Güte, was machte sie denn da? Musste sie denn alles falsch machen?

"Halt", rief ich, doch sie reagierte gar nicht. Drei schnelle harte Stöße - und ehe ich mich versah, war ich gekommen. Sandrine schien das zuerst gar nicht zu bemerken, sie bewegte sich weiter heftig auf und ab. Es was sehr unangenehm. "Halt! Stopp! Ich bin gekommen. Entschuldige!" Wieder hielt ich sie fest. Sandrine blickte mich ungläubig an. "Wie? Du bist tatsächlich gekommen? Jetzt schon?" Ich nickte, etwas zerknirscht, doch hätte ich nicht mit dem gerechnet, was jetzt kam. Kerzengerade baute sie sich vor mir auf und zischte mich wütend an: "Was? Bist du bescheuert? Jetzt schon?" Das konnte doch nicht wahr sein! Es war doch ihre Schuld, sie hätte ja nicht so auf mir auf- und abhüpfen müssen! Wie hatte ich mich bloß mit dieser Person einlassen können? Sie hatte wirklich keine Ahnung von Männern! "Na ja, wenn du so wild rumzappelst!", wehrte ich mich empört. "Und dich nicht beherrschen kannst!" Langsam geriet ich in Rage. "Wir hätten es sowieso besser gelassen!", setzte ich nach. "Was sollte das überhaupt? So ein Unsinn. Warum verfolgst du mich... und dann hier, im Rastplatzklo?"

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Der perfekte Ort für schlechten Sex...

"Jetzt tu doch nicht so, als ob du nicht gewollt hättest!" "Doch, schon, aber du warst schließlich diejenige, die..." Plötzlich erklangen laute Männerstimmen, die Eingangstür wurde geöffnet. Schlagartig kehrte in mein Bewusstsein zurück, dass wir noch immer in diesem dunklen, stinkenden Toilettenraum standen. "Komm, raus hier!" Ich drückte mich an Sandrine vorbei, ging einfach vor. Draußen im gleißenden Sonnenschein atmete ich ein paar Mal tief durch. Da erschien auch Sandrine, blinzelnd und noch immer schimpfend. "Du hast mich doch die ganze Fahrt über angemacht!"

"Quatsch! Und wenn schon, du hast mich ja wohl genauso angemacht!" Was immer wir da diskutierten, es hatte keinen Sinn und es führte zu keinem Ende. Zu welchem auch? Ich wusste jetzt schon nicht mehr, worum es eigentlich ging. Offenbar hatte ich etwas Verletzendes gesagt ("Du wolltest doch"?) und Sandrine war jetzt unreflektiert wütend und streitsüchtig. Das kannte ich nur zu gut von meiner ehemaligen Freundin. Wenn sie erst mal verärgert war, konnte ich gar nichts mehr richtig machen. Obwohl wir uns erst so kurze Zeit kannten, ging es noch eine ganze Weile hin und her, bis mich Mehmet und Marco erlösten. Zögerlich kamen sie auf uns zu, und fragten, ob wir zur Weiterfahrt bereit wären. Der Reifen war gewechselt. Nur zu gern hätte ich mich nach vorn gesetzt, doch als ich in den Bus stieg, war die alte Sitzordnung bereits wiederhergestellt. Also musste ich neben Sandrine Platz nehmen, die mir die ganze Fahrt über zornige Blicke zuwarf und ab und an mit zischelnder Stimme etwas vor sich hinmurmelte. Wahrscheinlich Voodoo. Ich tat, als würde ich schlafen. Was wollte diese Nervensäge denn von mir, ging es hier tatsächlich um die Schuldfrage oder um etwas ganz anderes?

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Wöchentliche SMS vom Quälgeist...

Auf der Fusion angekommen, schlugen die Mädchen ihr Zelt neben dem unseren auf. Katharina, offensichtlich erquickt und zu neuem Leben erwacht, alberte mit Marco herum, die beiden berührten sich unnötig oft. Dabei hatte ich meinen Freunden beim Zeltaufbau eine Kurzversion der Rastplatztoiletten-Geschichte gegeben und eigentlich erhofft, dass sie von weiteren Freundschaftsannäherungen mit den Mädchen absehen würden. Von wegen. Katharina verschwand mit Marco zur Dub-Station und Sandrine hing sich einfach an uns dran. Sie hatte nicht einen Blick in das Programmheft geworfen und trottete planlos und vorliebenfrei hinter uns her. Drei Tage lang. Es war eine Qual! Der Sex in der Rastplatztoilette gab ihr offenbar eine Freikarte, mir das ganze Festival über auf die Nerven zu gehen.

Meine Entschuldigungsversuche nahm sie mürrisch zur Kenntnis, doch anstatt es dabei zu belassen, blieb sie schlecht gelaunt und in meiner Nähe. Obwohl ich das im Nachhinein nicht mehr verstehe, habe ich mir dieses gestörte Verhalten bieten lassen. Sobald ich mit einem anderen Mädchen ins Gespräch kam, tauchte Sandrine auf und ihre grimmige Miene reichte meist, um die neue Bekanntschaft schnell zu vertreiben.

Drei Tage lang trug sie ihr vorwurfsvolles Gesicht zur Schau, dessen Sinn ich nicht verstand, drei Tage verbrachte ich mit vergeblichen Fluchtversuchen, denn obwohl dort Menschenmassen, verschiedenste Bühnen, Lichtungen und Kreuzungen durcheinandergingen, gelang es Sandrine, mich immer wieder irgendwie aufzuspüren. Ich habe mir das Festival durch sie nicht verderben lassen, aber besser gemacht hat ihre Anwesenheit es keineswegs.

Als wir wieder in Berlin ankamen, habe ich mich ganz schnell mit einem Winken in die Runde und einem Sprung aus dem Bus verabschiedet. Endlich war ich den Quälgeist los! Noch ein halbes Jahr später bekam ich fast wöchentlich eine SMS von Sandrine, wie es mir gehe und ob wir uns nicht noch mal treffen sollten. Nein, danke, wirklich nicht.

Leseprobe aus Mia Mings Buch "Schlechter Sex 2"

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