Der schönste Erotikfilm aller Zeiten

Sara Koppel hat einen Traum: Sie will den schönsten Erotikfilm aller Zeiten produzieren. Handgezeichnet, lust- und liebevoll, mit Orchestermusik unterlegt - und über Spenden finanziert.

Per Hand zeichnet Sara Koppel ihre aufwändigen Animationsfilme, in denen es um neue Erfahrungen, große Gefühle und wilden Sex geht. Für eine Sekunde im Film braucht sie etwa zwölf Zeichnungen. Das kostet viel Zeit - und Geld. Im Dezember hatte die Künstlerin aus Kopenhagen eine Online-Kampagne gestartet, um Spenden für ihr nächstes Filmprojekt zu sammeln, die Liebesgeschichte "We got lost on the other side of wilderness". Das Kampagnenziel, 75.000 Dollar zu sammeln, hat sie nicht erreicht. Trotzdem hält sie fest an ihrem Traum.

BRIGITTE: Sie wollen den schönsten erotischen Animationsfilm aller Zeiten produzieren - ein ziemlich ehrgeiziges Ziel. Was dürfen wir uns darunter vorstellen?

Sara Koppel: Der Film soll die Geschichte einer erotischen Entfaltung erzählen, von der Kindheit bis ins hohe Alter. Es gibt so viele Tabus rund um das Thema Sexualität, besonders in Bezug auf Ältere. Als ob Sex nur etwas für junge, bildhübsche Menschen wäre. Wir sind unser Leben lang erotische Wesen - und das ist etwas Wunderschönes. Es gibt wenige erotische Filme, die sich mit Sex auf eine sensible, empfindsame Weise auseinandersetzen. Genau das ist es, was mich als Künstlerin interessiert.

Die dänische Filmemacherin Sara Koppel will "der Erotik ihre Schönheit zurückgeben".

Schönheit und Empfindsamkeit stehen für Sie im Mittelpunkt. Wie reagieren Sie, wenn man Ihre Filme als Pornografie bezeichnet?

Das müssen die Leute selbst entscheiden, es liegt im Auge des Betrachters. Einige empfinden schon einen nackten Hintern als pornografisch. Ich bin niemandem böse, der meine Filme Pornos nennt, schließlich zeige ich sehr explizite Szenen - aber eben auf eine anspruchsvolle, künstlerische Weise.

Sie haben bereits zwei animierte erotische Kurzfilme gemacht. Warum eignet sich das Genre gut für diese Art von Geschichten?

Ich glaube, mit animierten Charakteren hat man mehr Möglichkeiten als mit realen Schauspielern. Mein aktueller Film "Little Vulvah & her clitoral awareness" zum Beispiel ist eine Form von Sexualerziehung. Es geht um ein Mädchen, das die Natur um sich herum erkundet, zu einer jungen Frau heranwächst und dabei ihre Klitoris entdeckt. Das hätte ich mit Schauspielern nicht so umsetzen können. Außerdem fällt es vielen Menschen leichter, sich dem Thema über gezeichnete Darstellungen zu nähern. Wir haben den Film mit Teenagern angeschaut und danach erstaunliche Diskussionen geführt. Ich glaube, sie fühlten sich weniger peinlich berührt oder eingeschüchtert. Die Animation eröffnet neue Möglichkeiten, um über Sexualität zu sprechen.

"Little Vulvah & her clitoral awareness": Eine junge Frau entdeckt ihre Sexualität.

Ihre Filme haben eine ganz eigene Ästhetik. Wollen Sie damit bewusst Frauen ansprechen?

Ich mache die Filme für Männer und Frauen gleichermaßen. Viele Frauen sagen mir, dass sie die schönen Bilder mögen. Das höre ich allerdings auch von Männern. Generell habe ich den Eindruck, dass die konventionelle Porno-Industrie sehr auf männliche Lust fokussiert ist. Der Markt für Frauen ist viel kleiner. Vielleicht spreche ich Frauen mit meinen Filmen besonders an, weil durch die Zeichnungen eine zusätzliche künstlerische Ebene entsteht.

Hatten sie das Gefühl, dass auf dem Markt für erotische Filme etwas fehlte?

Sex begegnet uns überall, vor allem in der Werbung werden wir damit regelrecht bombardiert. Hier in Kopenhagen sind auf den Bussen zum Beispiel riesige Plakate von nackten Frauen zu sehen, die für Brustvergrößerungen werben. Nackte Haut wird gnadenlos vermarket. Auch in der Pornoindustrie dreht sich alles ums Geld. Ich hatte das Bedürfnis, der Erotik ihre Schönheit zurückzugeben, unabhängig vom Kommerz. Ich will mit meinen Filmen kein Geld verdienen.

Eine Kuss-Szene aus dem handgezeichnete Kurzfilm "Naked Love - Ea's Garden" aus dem Jahr 2012.

Welche Rolle spielt die Musik in Ihren Filmen?

Eine ganz wichtige, bei "Little Vulvah" gibt es keine Dialoge oder Geräusche, nur die Musik. Ich arbeite eng mit dem Komponisten Sune Kølster zusammen, er hat auch die Musik für "Little Vulvah" komponiert. Aufgenommen haben wir sie mit dem mazedonischen Symphonie-Orchester, das man stundenweise buchen kann - so konnten wir es uns leisten. Für den neuen Film wollen wir eine Kombination aus orchestraler Musik und Dialogen ausprobieren.

Und wo kann man sich Ihre Filme anschauen?

Sara Koppel: "Little Vulvah" und "Naked Love" sind momentan nicht online zu sehen, weil wir damit noch auf Filmfestival-Tour sind. Aber jeder, der 20 Dollar für unsere Kampagne spendet, bekommt einen Download-Link für beide Filme.

Einen Einblick in Sara Koppels erotisches Filmuniversum und Hintergründe zu ihrer Kickstarter-Kampagne gibt es auch hier im Video zu sehen:

Aktualsiert am 12.03.2014 Zeichnungen: Sara Koppel

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