Mythos oder Wahrheit? 15 Sexmythen - und was wirklich dahinter steckt

Wir wissen alles über Sex. Vaginal, klitoral, alles klar. Wer weniger im Kopf hat, ist besser im Bett, große Nasen sollen gut sein, Glatzen sowieso. Aber stimmt das auch? 15 Sexmythen - und was wirklich dahinter steckt

1. Es gibt nur einen wahren Orgasmus

Sigmund Freud ist schuld. Der hat den Mythos vom einzig richtigen Höhepunkt in die Welt gesetzt. Nur wenn die Frau sich mit ihrer Rolle als Empfangende abgefunden habe, könne sie den vaginalen Orgasmus erleben. Der Orgasmus durch die Stimulation der Klitoris sei hingegen unreif, also quasi zweiter Klasse. Deshalb quälen sich auch heute noch Frauen, wenn sie trotz langem Rein und Raus nicht kommen.

Im Grunde sind beide Orgasmen aber dasselbe – wie die Sexualforscher William Masters und Virginia Johnson bereits in den 60er Jahren bewiesen haben. Die beiden Varianten des Höhepunkts unterscheiden sich kaum in punkto Empfindung, schließlich ist die nach außen sichtbare Klitorisspitze nur ein kleiner Teil des Organs, dessen Nervenenden bis in die Vagina hineinreichen. Den rein vaginalen Orgasmus gibt es zwar wirklich, aber nur eine Minderheit erlebt ihn auch: bloß 30 Prozent der Frauen kommen ohne zusätzliche orale oder manuelle Stimulation.

2. Männer mit Glatze sind potenter

Bisher das Trostpflaster für alle Glatzköpfe: zu viel Testosteron im Blut heißt auch länger, besser, öfter. Stimmt leider nicht. Das maskuline Hormon allein entscheidet nicht über die Libido. Wer weniger Haare hat, hat nicht automatisch mehr Sex. Kein Grund sich die Haare zu raufen, Männer! Bruce Willis hat schließlich auch nicht mehr so viele.

3. Dumm fickt gut

Das ist für die Wissenschaft schwer nachzuprüfen. Was ist dumm? Das ließe sich vielleicht noch am IQ festmachen. Aber was ist gut? Am ehesten Aufschluss geben kann eine Studie des Sexualwissenschaftlers Norbert Kluge mit dem Emnid-Institut. Die Teilnehmer sollten angeben, welchen Schulabschluss sie besitzen und wie oft sie pro Woche Geschlechtsverkehr haben. Spitzenreiter sind die ehemaligen Realschüler: 62,2 Prozent haben mindestens einmal pro Woche Sex. Danach folgen die Akademiker mit 59,9 Prozent, Schlusslicht sind die ehemaligen Hauptschüler mit 37,6 Prozent.

4. Man muss den G-Punkt nur finden

Höhepunkt auf Knopfdruck. Klingt gut und hat Millionen von Menschen auf die Suche nach eben dieser Stelle geschickt. Gefunden hat den so genannten G-Punkt zuerst der Gynäkologe Ernst Gräfenberg. Im Jahr 1950 verkündete er, an der Scheidenvorderwand gebe es einen Gewebeknubbel, der leicht gedrückt sofort zu einem Orgasmus führe. Die meisten Frauen sehen das anders: nur 8,4 Prozent empfinden laut einer Studie eine Stimulation an dieser Stelle als erregend. Manche finden das sogar unangenehm. Und sehr viele können die Stelle überhaupt nicht finden.

5. Auf die Länge kommt es an

Zwanzig Zentimeter heißt die Zielmarke. Ein stolzes Maß. Und ziemlich unrealistisch: Laut Pro Familia ist der deutsche Durchschnittspenis im erigierten Zustand 14,48 Zentimeter lang und hat einen Umfang von 12,4 Zentimetern. Um an das Wunschmaß zu kommen, nehmen Männer einiges auf sich. Der amerikanische Sex-Guru Gary Griffin verspricht, man könne ihn allein durch positives Denken zum Wachsen bringen. Im Internet finden sich Stretchkondome, Silikonspritzen und allerlei Operationsmethoden. Wer über einen Micro-Phallus von etwa drei Zentimetern verfügt, kann ihn sogar auf Kosten der Krankenkasse verlängern lassen.

Doch ist Länge überhaupt entscheidend? In einer Umfrage der Berliner Charité zum Thema weiblicher Orgasmus gaben Frauen zwischen 17 und 71 Jahren an, was für sie beim Höhepunkt wichtig ist. An erster Stelle landete der Duft des Partners, gefolgt von der Stimmung, der Hygiene des Mannes und Klitorisstimulation. Die Länge des Penis findet sich erst ganz hinten in der Rangliste, gleichauf mit Dirty Talk und Sex in der Öffentlichkeit. Auf die Länge kommt es wohl doch nicht an, zumindest nicht den Frauen. Männern hingegen schon: In einer Umfrage gaben 25 Prozent an, ein bis zwei Zentimeter hinzuzudichten - in Gesprächen mit Freunden.

6. Man kann ihm die Länge an der Nase ablesen

Stimmt nicht. Rein gar nicht. Weder seine große Nase, noch seine langen Finger oder die Größe seiner Füße erlauben irgendeinen Rückschluss auf die Länge seines Penis. Wissenschaftliche Studien haben keinerlei Zusammenhang feststellen können. Wer neugierig ist, dem bleibt nur eins: direkt nachschauen.

7. Zehn Mal zu kommen ist nur eine Frage der Technik

Öfter, schneller, tiefer - angeblich kommen Frauen oft hintereinander, können stundenlang und ejakulieren sogar beim Höhepunkt. Gibt es alles. Muss aber nicht sein. Wir können ja auch nicht alle die Wurzel aus siebenstelligen Zahlen ziehen oder malen wie Monet. Menschen sind unterschiedlich, und genauso ist auch ihr persönlicher Höhepunkt. Orgasmen unterscheiden sich von Person zu Person so stark, dass Sexualwissenschaftler sogar von einem orgasmischen Fingerabdruck sprechen.

8. Austern machen lüstern

Ein feines, leichtes Menü als Vorspiel kann nie schaden, aber dass Austern die sexuelle Lust verstärken, konnte wissenschaftlich bislang nicht nachgewiesen werden. Auch Erdbeeren, Ginseng oder Schokolade haben keine belegte aphrodisische Wirkung. Sex entsteht nun mal im Kopf, nicht im Magen. Aber wenn Pralinen Sie persönlich antörnen - greifen Sie ruhig zu!

9. Beim Sex in der Badewanne sterben die Spermien

Da müssten Sie aber schon kochend heiß baden, um wirklich alle Spermien auszuschalten! Im normal temperierten Badewasser sterben zwar einige Spermien ab, aber da bei einem Samenerguss bis zu 400 Millionen Spermien produziert werden, sollten Sie lieber nicht auf das Wasser vertrauen, sondern zusätzlich verhüten. Weitere Tipps für Sex im Wasser finden Sie hier.

10. Sperma hat keine Kalorien

Samen bestehen aus Fruchtzucker und Enzymen, ein Teelöffel Ejakulat hat etwa vier bis sieben Kalorien. Der Mythos vom kalorienfreien Sperma stimmt also nicht, aber eine Kalorienbombe ist auch etwas anderes. Um Ihre Linie müssen Sie sich beim Oralsex also am wenigsten sorgen.

11. Männer erreichen mit 18 Jahren den Höhepunkt ihres sexuellen Verlangens, Frauen erst mit 28

Stimmt - zumindest, wenn man allein die Ausschüttung der Sexualhormone betrachtet. Männer haben tatsächlich mit ca. 18 Jahren am meisten Testosteron im Blut, bei Frauen erreicht der Östrogen-Spiegel erst zehn Jahre später seinen Höhepunkt. Das heißt natürlich nicht, dass Sie nun vor Schulen rumlungern müssen, um einen potenten Liebhaber zu suchen: Die Hormone allein sagen noch lange nichts darüber aus, wie groß die Lust ist oder wie gut jemand im Bett ist. Erfahrung spielt auch hier eine nicht zu unterschätzende Rolle.

12. Männer wollen morgens Sex, Frauen lieber abends

Fakt ist, dass der Testosteronspiegel des Mannes in den Morgenstunden um 30 Prozent ansteigt. Deswegen hat er vor allem morgens Lust. Frauen dagegen wollen eher Sex, wenn sie ihren Kopf frei haben - also eher abends, wenn die Arbeit erledigt ist oder die Kinder im Bett sind.

13. Cola light funktioniert als Verhütungsmittel

Einfach nach dem Sex statt zur Zigarette zur Cola greifen, Dose öffnen und die Vagina damit ausspülen - besonders unter südamerikanischen Studentinnen war diese vermeintlich einfache und günstige "Verhütungsmethode" zeitweise sehr verbreitet. Aber so leicht geht es dann doch nicht! Spermien, die sich in einem Glas Cola light befinden, werden zwar abgetötet, die Scheidenspülung reicht aber nicht aus, um sicher vor einer Schwangerschaft zu schützen. Trinken Sie die Cola lieber und vertrauen Sie auf Kondom & Co., das macht mehr Sinn.

14. "5000 Schuss und dann ist Schluss"

Wer in jungen Jahren sexuell aktiv war, soll angeblich im Alter schneller lustlos werden. Das Gegenteil ist der Fall: Nach einer Studie sollen gerade diejenigen, die schon früh Interesse an Sex hatten, noch sehr lange sexuell aktiv bleiben.

15. Bei einem Scheidenkrampf kann der Penis stecken bleiben

Es ist der Alptraum eines jeden Mannes - aber zum Glück nur ein Horrormärchen. Es gibt zwar den Scheidenkrampf, einen so genannten Vaginismus. Dabei ziehen sich die Muskeln der Scheide reflexartig zusammen, was Geschlechtsverkehr entweder unmöglich oder sehr schmerzhaft für die Frau macht. In der Regel taucht der Krampf schon auf, wenn der Mann versucht einzudringen. Dass der Penis dabei stecken bleiben kann und sogar von einem Arzt von der Frau getrennt werden muss, ist ein weit verbreitetes Gerücht – aber absolut unwahrscheinlich. Auslöser für den Vaginismus sind häufig traumatische Erlebnisse wie negative sexuelle Erfahrungen.

Text: sir / Anja Rohwer

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