Sexsoundtrack: Beats fürs Bett

Beim Joggen, Autofahren, Abendessen mit Freunden, zum Abreagieren, Schminken, Stillen - für alles haben wir einen passenden Soundtrack parat. Und beim Sex? Da lauschen wir meist nur dem puckernden Heizungsrohr oder der Klimaanlage. Der Gang zur Stereoanlage bringt mehr als Hintergrundgedudel - wenn man die richtige CD einschmeißt.

Dass es einen Zusammenhang gibt zwischen Musik und Sex, wird niemand bestreiten. Seit Elvis mit den Hüften kreiste, Jagger seine Zunge rollte und Madonna ihre angespitzten Brüste ins Publikum reckte, ist Sex fester Bestandteil von Liedtexten, Videoclips und Bühnenshows. Umso streitbarer jedoch ist die Frage, ob zum Sex auch Musik gehört. Lenkt ab, wummert immer im falschen Rhythmus, übertönt den anderen, das sind die häufigsten Einwände derer, die im Bett ihre Ruhe haben wollen. Und doch kennt jeder mindestens ein Dutzend Lieder, die beim Hören Schauer über den Rücken jagen, deren Bässe im Magen kribbeln und die die Gedanken zu potenziellen Liebhabern schweifen lassen. Warum sollte man diese Musik nicht auch beim Sex hören?

Schmusesänger Maxwell hat in einem Interview einmal unmissverständlich klargestellt, wohin seine Musik gehört: "Es ist toll, mit all diesen Menschen im Bett zu sein. Sie liegen da, sie küssen sich und schlafen miteinander. Und ich darf die ganze Zeit für sie singen." Natürlich wird zu Maxwell niemand schmutzig vögeln. Der perfekte Soundtrack zum Sex ist deshalb nicht nur schmusig-sanft: Er steigert sich langsam bis zum Höhepunkt.

Wie ein Daiquiri an einem Sommertag

Am Anfang steht ein vorsichtiges Tasten: Worauf hat der andere Lust? Das geht wunderbar zur Musik von Air: Sphärische Klänge zerstreuen die Gedanken des Tages, eine sanfte Stimme singt von Sommer, Liebe - die perfekte Untermalung für die erste Berührung, einen vorsichtigen Kuss.

Sexy Schleicher wie All I need oder Sades Is it a crime versetzen in dasselbe beschwingte Gefühl wie ein kalter Daiquiri an einem heißen Sommertag. Während Erykah Badu die Liebe ihres Lebens besingt, sind die Gedanken noch klar. In den folgenden Minuten entscheidet die Musik, wie es weiter geht: Bleibt es bei dem, was man früher Soft Petting nannte? Oder steigert sich das Vorspiel zum Hauptakt?

Wer auf den Höhepunkt zusteuert, möchte nicht begleitet werden von sanften Kuscheltönen. Wenn die Kleider gehen, kommen die Beats. Und wer sich schon immer mal richtig professionell entblättern wollte, dem sei der Videoclip zu Massive Attacks Just be thankful for what you got empfohlen. Darin schält sich eine Frau behutsam aus ihrem Glitterkleid, zwischen den Beinen schlängelt eine Federboa, langsam gleitet ihr Slip zu Boden - besser als jeder Stripkurs in der Muckibude.

Mit treibenden Bässen zum Höhepunkt

Überhaupt sind Videoclips ein guter Indikator dafür, ob ein Lied zum Sex taugt. Wer würde schon zu Snoop Dogs P.I.M.P. vögeln wollen, wenn im Musikvideo barbusige Häschen durch die Gegend hopsen? Ganz anders sieht es aus mit Chris Isaaks Clip zu Baby did a bad bad thing: Ein karges Zimmer, darin: nichts als ein Bett, darauf: Laetitia Casta in nichts als einer schwarzen Ponyperücke und Seidendessous. Sie räkelt und windet sich, bis ein Unbekannter eintritt und sie erlöst. Im Nebenzimmer steht Chris Isaak und beobachtet die Szene als Voyeur. Den Sittenwächtern des Musiksender VH-1 war das zu obszön, sie forderten Zensur. Aber für die heiße Phase des Liebesspiels ist dieser Song genau das Richtige.

Manchmal muss Sex einfach dreckig und versaut sein, und wenn man auf allen Vieren über den Boden robbt, sollte einen Dave Gahan begleiten mit Dirty sticky floor. Genauso gut funktioniert in solchen Momenten Musik von Gahans Band Depeche Mode. Deren Songs gelten vielen als die Sexmusik schlechthin: Treibende Bässe geben den Takt vor, Synthesizer vibrieren im Bauch, steigern die Spannung bis zum Höhepunkt.

Es gibt gute, großartige Musik zum Sex. Sie lenkt nicht ab, sie intensiviert, sie stört den Rhythmus nicht, sie gibt ihn vor; statt zu übertönen, feuert sie an. Sie kann das berauschende Gefühl in Worte fassen, den perfekten Tag, Morgen, Abend preisen - und jedes Mal, wenn man sie hört, wird man sich an fabelhaften Sex erinnern.

Und hier unser Liebes-Soundtrack

  1. AIR All I need
  2. SADE Is it a crime
  3. LUCY PEARL Dance tonight
  4. ERYKAH BADU Love of my life
  5. MAXWELL Everwanting
  6. MASSIVE ATTACK Be thankful for what you got
  7. GEORGE MICHAEL Father Figure
  8. CHRIS ISAAK Baby did a bad bad thing
  9. DAVE GAHAN Dirty sticky floor
  10. MOLOKO The time is now
  11. DEPECHE MODE I feel loved
  12. LOU REED Perfect day
  13. LENNY KRAVITZ Stand by your woman
Claudia Pientka
Themen in diesem Artikel