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Spontansex per Internet


Wer Spontansex im Internet sucht, findet vieles - nur nicht unbedingt den Richtigen. Denise, Profi bei der Männersuche, verrät, wie man den Sex bekommt, von dem man träumt.

Ich habe schon einiges hinter mir in meinem Leben, auch an Beziehungen und an Sex, und auf vieles hätte ich jetzt einfach keinen Bock mehr. Ich weiß inzwischen, was ich will - und was nicht: eine feste Bindung zum Beispiel. In den vielen Swingerforen, in denen ich im Internet unterwegs bin, wäre ich da auch an der falschen Adresse. Dort suchen fast alle nur eine Affäre, ein bisschen Spaß, Spontansex halt. Da wird nicht groß drum herum geredet, und das ist eine erste Grundregel: direkt sein. Wer vor allem seine Lust ausleben möchte, sollte sagen, was er will - am besten, man schreibt das ganz klar in sein Profil hinein. Je ehrlicher man ist, desto eher bekommt man am Ende genau das, was man will, ganz easy und locker. Und keine Angst: Die Männer dort können sehr gut damit umgehen.

Ich stehe zum Beispiel auf gut gebaute Männer mit ordentlichen Muskeln, bloß nicht zu nett, richtig harte Typen, die gleich zur Sache kommen und mir sagen, was sie wollen, ohne dass ich erst viel schreiben oder sagen muss. Die am besten gleich fragen: Und, wie wäre es heute Abend?

Vor wem man sich dagegen im Netz hüten muss: Männer, die ganz anders sind und leben, als sie in ihrem Profil angeben. Die schicken auch nie ein Bild von sich und behaupten, das sei aus beruflichen Gründen. Und dann gibt es noch die Sammler: Die wollen erst mal jede Menge Bilder von einem in immer anderen Stellungen, sie sitzen daheim vor dem Computer und holen sich einen runter. Wenn nach dem dritten Bild noch nichts zurückkommt, sage ich: Danke, das war's. Ich will Spontansex und keinen Brieffreund. Man muss auch mal auf den Putz hauen und einem Typen deutlich sagen können: So nicht, mein Lieber.

Auch nicht besser: die Schwätzer. Wenn einer anfängt, mich lange auszufragen, weiß ich schon, dass er nur endlos schreiben will. Wenn er mich treffen wollte, hätte er was gesagt. Schüchternheit steckt jedenfalls meist nicht dahinter - die kennt man in den Foren nicht. Wer einen Schwätzer loswerden will, schreibt einfach zurück: "Komm doch her und probier's aus!" Dann kommt meist nichts mehr.

Ich schreibe nicht gleich schmutzige Mails, warum auch? Ein bisschen Zeit muss sein, zur Sache geht es normalerweise früh genug. Häufig kann man mit zweideutigen Mails allerdings rauskriegen, wie jemand im Bett drauf ist: Man kann dabei schön umschreiben, ob man lieber devot ist oder gern den Ton angibt. Einer hat mich nach einem Mail-Geplänkel gefragt: "Hörst du immer so gut darauf, was Männer dir sagen?" Der wollte einfach wissen, ob ich mich beim Sex gern unterordne.

Etwa zweimal im Monat verabrede ich mich mit einem Mann aus dem Internet. Weil ich aus persönlichen Gründen nicht gut weg kann, kommen die Männer zu mir nach Hause. Die finden das gut, weil sie wissen: Das Schlafzimmer ist nicht weit. Manche fahren dafür hunderte von Kilometern. Ist mir ganz recht, dann rücken sie mir wenigstens danach nicht ständig auf die Pelle. Ich weiß also: Das ist wirklich nur ein One-Night-Stand. Das macht mich lockerer, weil ich weiß: Ich kann mir nehmen, was ich will, kann direkt sein, meine Lust total ausleben. Kann abziehen, was ich will, weil ich diesen Mann ja nicht wiedersehe. Aber erst mal quatschen wir ein, zwei Stunden; aus der Haustür direkt ins Bett, das kann ich nicht. Mit drei Männern habe ich mich danach allerdings doch noch mehrmals verabredet. Das sind meine Daueraffären.

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Denise ist 36, ihren Namen haben wir geändert. Wenn sie wollte, sagt sie, könnte sie über das Internet jeden Tag einen neuen Liebhaberfür Spontansex finden. "Das wäre aber beliebig, und so bin ich nicht."

Protokoll: Silke Pfersdorf

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