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Squirting: Der Hype um die weibliche Ejakulation – und was wirklich dran ist

Squirten: Eine Frau liegt im Bett
© Maksim Vostrikov / Shutterstock
Squirting, auch bekannt als weibliche Ejakulation, gilt als ultimative Befreiung unserer Lust. Wie es funktioniert und ob der Hype real ist, liest du hier.

Wie das immer so ist: Wofür wir uns gestern noch schämen sollten, das ist heute der heißeste Scheiß. Wer früher einen großen Hintern hatte, hat ihn versteckt oder auf Schoki verzichtet, damit er schrumpft. Wer heute einen großen Hintern hat, darf sich glücklich schätzen, während sich andere mit Po-Workouts und Ernährungsumstellungen abquälen.

So ähnlich beziehungsweise noch extremer ist es mit dem Squirten. Wenn darüber – etwa vor der Jahrtausendwende – überhaupt mal gesprochen wurde, dann eher peinlich berührt mit einem Hauch von "Ist das normal?" und "Finden Männer das nicht eklig?". Mittlerweile gibt es in jeder größeren Stadt Squirting-Seminare, weil (unter anderem laut den dort coachenden Coaches) Squirting das ultimative Sex-Erlebnis für Frauen sein soll, das noch dazu die meisten Männer tierisch anturnt (tatsächlich scheint es ein beliebtes Motiv der Porno-Industrie zu sein ...).

Also was ist Squirting denn nun: No-Go oder Must-Do?

Squirting: Was ist das eigentlich?

Der Begriff Squirting kommt vom englischen Wort "squirt" und bedeutet so viel wie "spritzen, herausspritzen". Soweit man weiß, squirten Frauen beim Sex, wenn ihr G-Punkt bzw. ihre G-Zone stimuliert wird – was bei den meisten bekanntlich mit einem besonders intensiven Lusterlebnis verbunden ist. Durch die starke Erregung werden bei der Frau neben den üblichen Verdächtigen die sogenannten Skene-Drüsen aktiv, manchmal auch als weibliche Prostata bezeichnet. Sie produzieren ein wässriges, leicht milchiges Sekret, dessen genaue Zusammensetzung bislang noch nicht bekannt ist. Tja, und dieses Sekret muss dann halt raus. Meistens spritzt es beim Orgasmus, wobei sich die Flüssigkeit durch die Harnröhre ihren Weg nach draußen bahnt. Theoretisch (und gelegentlich auch praktisch) können Squirting und Höhepunkt allerdings zeitversetzt passieren – ähnlich wie beim Mann der Samenerguss unabhängig vom Orgasmus stattfinden kann.

Heißt also: Squirten, das oft auch als weibliche Ejakulation bezeichnet wird, ist ein völlig natürlicher Vorgang, den Sex bei Frauen auslösen kann. Mit Sicherheit ist es also nichts, für das wir uns schämen müssten oder das in irgendeine Tabu-Ecke gehört (solche Ecken sollte es im Grunde gar nicht geben).

Squirting: Voraussetzungen und Häufigkeit

Wie viele Frauen beim Sex squirten, ist statistisch – aus offensichtlichen Gründen – schwer zu erfassen und so schwanken die Angaben, die man dazu findet, zwischen 5 und 54 Prozent. Fakt ist aber: Damit es beim Sex ihrerseits spritzt, müssen zwei Dinge zusammenkommen, die nicht besonders wahrscheinlich sind. 

  • Stimulation der G-Zone und
  • im richtigen Moment loslassen.

Dass ersteres alles andere als einfach und selbstverständlich ist, wissen wohl viele Frauen aus eigener Erfahrung (kleiner Tipp am Rande: Sucht mal eure  UFO-Stellung, wenn ihr daran interessiert seid!). 

Die Sache mit dem Loslassen wird in diesem Fall wiederum besonders dadurch erschwert, dass sich Squirting für uns in der Regel so anfühlt, als müssten wir Wasserlassen. Deshalb halten viele – aus purer Gewohnheit – im entscheidenden Moment ein. Da die Skene-Drüsen so nah an der Blase liegen und das Sekret genau wie Urin durch die Harnröhre abfließt, kann unser Gehirn die beiden Vorgänge kaum voneinander unterscheiden. 

Beides zusammengenommen spricht eher dafür, dass Frauen, die squirten, ohne es darauf anzulegen, vermutlich in der Minderheit sind. Genauso geht daraus allerdings hervor, was das Entscheidende ist, um Squirting zu lernen: Eine sehr gute Kenntnis des eigenen Körpers und die Fähigkeit, sich bewusst zu entspannen und loszulassen. 

Gehört Squirting nun auf unsere Sex-Bucket-List?

Stellt sich nur noch die Frage: Muss man Squirten unbedingt lernen, wenn man's nicht zufällig sowieso schon macht? Ist der Hype darum wirklich gerechtfertigt? Klare Antwort (auf die erste Frage): Nein! Niemand muss in seinem Leben irgendetwas, schon gar nicht beim Sex. Squirting ist – so geht aus zahlreichen Erfahrungsberichten und aus den körperlichen Zusammenhängen hervor – zweifelsfrei mit ganz besonders intensiver Lust verbunden. Und es mag für einige (oder auch viele), die es erlebt haben, eine Erfahrung sein, auf die sie nicht verzichten möchten. Aber wer mit seinem Sexleben zufrieden ist, wer sich wohlfühlt und Spaß am Geschlechtsverkehr, sollte sich von keinem Hype unter Druck setzen oder verunsichern lassen. Squirting ist schließlich nicht DIE Voraussetzung, um Sex zu genießen

Andererseits: Sich mit dem eigenen Körper auszukennen und in der Lage sein, gezielt zu entspannen, kann in vielen Situationen hilfreich sein, nicht nur beim Squirten oder Sex. Insofern kann ein Squirting-Seminar definitiv eine Bereicherung sein – wenn wir es unseretwegen machen!

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