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Squirten Der Hype um die weibliche Ejakulation – und was wirklich dran ist

Squirten: Eine Frau liegt im Bett
© Maksim Vostrikov / Shutterstock
Squirten, auch bekannt als weibliche Ejakulation, gilt als ultimative Befreiung unserer Lust. Wie es funktioniert und ob der Hype real ist, liest du hier.

Inhaltsverzeichnis

Wie das immer so ist: Wofür wir uns gestern noch schämen sollten, ist heute der heißeste Scheiß. Wer früher einen großen Hintern hatte, hat ihn versteckt oder auf Schoki verzichtet, damit er schrumpft. Wer heute einen großen Hintern hat, darf sich glücklich schätzen, während sich andere mit Po-Workouts und Ernährungsumstellungen abquälen.

So ähnlich beziehungsweise noch extremer ist es mit dem Squirten. Wenn darüber – etwa vor der Jahrtausendwende – überhaupt mal gesprochen wurde, dann eher peinlich berührt mit einem Hauch von "Ist das normal?" und "Finden andere das nicht eklig?". Mittlerweile gibt es in jeder größeren Stadt Squirting-Seminare, weil (unter anderem laut den dort lehrenden Coaches) Squirten das ultimative Sex-Erlebnis für Frauen sein soll, das noch dazu die meisten Männer und Frauen tierisch anturnt (tatsächlich scheint es ein beliebtes Motiv der Porno-Industrie zu sein ...).

Also was ist Squirten denn nun: No-Go oder Must-Do?

Squirten: Was ist das eigentlich?

Der Begriff Squirten kommt vom englischen Wort "squirt" und bedeutet so viel wie "spritzen, herausspritzen". Soweit man weiß, squirten Frauen beim Sex, wenn ihr G-Punkt bzw. ihre G-Zone stimuliert wird – was bei den meisten bekanntlich mit einem besonders intensiven Lusterlebnis verbunden ist. Durch die starke Erregung werden bei der Frau neben den üblichen Verdächtigen die sogenannten Skene-Drüsen aktiv, manchmal auch als weibliche Prostata bezeichnet. Sie produzieren ein wässriges, leicht milchiges Sekret, dessen genaue Zusammensetzung bislang noch nicht bekannt ist. Tja, und dieses Sekret muss dann halt raus. Meistens spritzt es beim Orgasmus, wobei sich die Flüssigkeit durch die Harnröhre ihren Weg nach draußen bahnt. Theoretisch (und gelegentlich auch praktisch) können Squirten und Höhepunkt allerdings zeitversetzt passieren – ähnlich wie beim Mann der Samenerguss unabhängig vom Orgasmus stattfinden kann.

Eine Gruppe Forscher:innen, darunter der Gynäkologe Samuel Salama, veröffentlichten 2015 eine Studie zum Thema Squirten. Dabei untersuchten sie sieben Frauen mittels eines Ultraschalls nach dem Wasserlassen, während sexueller Stimulation vor dem Squirten und unmittelbar danach. Die Untersuchungen zeigten, dass sich die leere Blase der Teilnehmerinnen vor dem Squirten füllte und nach dem Squirting wieder geleert worden war. Nach Analyse der Flüssigkeit stellten die Forscher:innen fest, dass es sich bei zwei Frauen um Urin handelte, bei den anderen fünf um Flüssigkeit aus der weiblichen Prostata.

Heißt also: Squirten, das oft auch als weibliche Ejakulation bezeichnet wird, ist ein völlig natürlicher Vorgang, den Sex bei Frauen auslösen kann. Mit Sicherheit ist es also nichts, für das wir uns schämen müssten oder das in irgendeine Tabu-Ecke gehört (solche Ecken sollte es im Grunde gar nicht geben).

Voraussetzungen und Häufigkeit von Squirting

Dr. Sabine zur Nieden beschäftigte sich bereits 1991 sehr intensiv mit dem Thema Squirting. Ihre Doktorarbeit zum Thema "Weibliche Ejakulation" gibt interessante Einblicke und bringt spannende Fakten zur Häufigkeit ans Licht. Dafür befragte sie 309 Frauen, von denen circa ein Drittel bereits Squirting erlebt haben. Davon 42 Prozent lesbische Frauen und 28 Prozent heterosexuelle Frauen.

Fakt ist aber: Damit es beim Sex ihrerseits spritzt, müssen zwei Dinge bei Frauen zusammenkommen, die nicht besonders wahrscheinlich sind:

  • Stimulation der G-Zone und
  • im richtigen Moment loslassen.

Dass ersteres alles andere als einfach und selbstverständlich ist, wissen wohl viele Frauen aus eigener Erfahrung (kleiner Tipp am Rande: Sucht mal eure UFO-Stellung, wenn ihr daran interessiert seid!). 

Die Sache mit dem Loslassen wird in diesem Fall wiederum besonders dadurch erschwert, dass sich squirten für uns in der Regel so anfühlt, als müssten wir Wasserlassen. Deshalb halten viele die Flüssigkeit – aus purer Gewohnheit – im entscheidenden Moment ein. Da die Skene-Drüsen so nah an der Blase liegen und das Sekret genau wie Urin durch die Harnröhre abfließt, kann unser Gehirn die beiden Vorgänge kaum voneinander unterscheiden. Beim Sex zu pinkeln – das fühlt sich für uns im ersten Moment nicht passend an, weshalb wir kurz vor dem Squirten den vermeintlichen Urin und damit die Flüssigkeit bei der Stimulation zurückhalten. Dass es sich dabei um die weibliche Ejakulation handelt, wissen zudem die wenigsten Frauen.

Beides zusammengenommen spricht eher dafür, dass Frauen, die squirten, ohne es darauf anzulegen, vermutlich in der Minderheit sind. Genauso geht daraus allerdings hervor, was das Entscheidende ist, um Squirting zu lernen: Eine sehr gute Kenntnis des eigenen weiblichen Körpers und die Fähigkeit, sich bewusst zu entspannen und loszulassen. 

Gehört squirten nun auf unsere Sex-Bucket-List?

Stellt sich nur noch die Frage: Muss man Squirten unbedingt lernen, wenn man's nicht zufällig sowieso schon macht? Ist der Hype darum wirklich gerechtfertigt? Klare Antwort (auf die erste Frage): Nein! Niemand muss in seinem Leben irgendetwas, schon gar nicht beim Sex. Squirting ist – so geht aus zahlreichen Erfahrungsberichten und aus den körperlichen Zusammenhängen hervor – zweifelsfrei mit ganz besonders intensiver Lust verbunden. Und es mag für einige (oder auch viele), die es erlebt haben, eine Erfahrung sein, auf die sie nicht verzichten möchten. Aber wer mit seinem Sexleben zufrieden ist, wer sich wohlfühlt und Spaß am Geschlechtsverkehr hat, sollte sich von keinem Hype unter Druck setzen oder verunsichern lassen. Squirten ist schließlich nicht DIE Voraussetzung, um Sex zu genießen

Andererseits: Sich mit dem eigenen Körper auszukennen und in der Lage sein, gezielt zu entspannen, kann in vielen Situationen hilfreich sein, nicht nur beim Squirten oder Sex. Insofern kann ein Squirting-Seminar definitiv eine Bereicherung sein – wenn wir es unseretwegen machen!

Squirting lernen: Eine Anleitung

Wenn du nun angefixt bist von der Idee, das Squirten zu lernen, möchten wir dich nicht auf dem Trockenen sitzen lassen. Mit der folgenden Anleitung kannst du Schritt für Schritt lernen, loszulassen.

  1. Mache es dir gemütlich: Wie bei jeder sexuellen Aktivität, sei es mit einer anderen Person oder allein, ist Ruhe, Entspannung und eine ungestörte Zeit wichtig. Sorge für eine angenehme Temperatur, gedimmtes Licht und warme Gedanken. Squirting ist kein Prozess, der auf Knopfdruck passiert. Setze dich also nicht unter Druck, sondern genieße die Zeit, die du mit dir und deinem Körper verbringst. Kleiner Tipp: Lege am besten ein Handtuch unter dich, für den Fall, dass sich beim Abspritzen mehr Flüssigkeit (Ejakulat) auf den Weg macht, als du dachtest.
  2. Berühre dich: Wie eingangs bereits erklärt, sollten beim Squirten zwei Dinge erfüllt sein: die Stimulation deiner G-Zone und das Loslassen im richtigen Moment. Um dich etwas auf Touren zu bringen, kannst du in deine normale Routine finden, die dich bei der Selbstbefriedigung anspricht.
  3. Finde deinen G-Punkt: Wenn du aufgeheizt und entspannt bist, kannst du dich deinem G-Punkt widmen. Du findest ihn zwei bis drei Zentimeter im inneren deiner Vagina, an der Wand deiner Bauchdecke. Du hast ihn gefunden, wenn du mit zwei Fingern eine raue Oberfläche erfühlst, die sich vom Rest deines Inneren unterscheidet. Massiere diesen Punkt, erforsche ihn und beobachte, wie sich das Gefühl verändert. Schwillt die Partie bis zu der Größe einer Haselnuss an, machst du einen guten Job. Regt sich bei dir allerdings nichts, vertage deine Session auf ein anderes Mal und belohne dich mit einem Orgasmus. Deine Tagesform kann stark variieren. Du hast nichts falsch gemacht.
  4. Entspannen und weitermachen: Widme dich deinem G-Punkt einfach weiter, bis du das Gefühl vernimmst, pinkeln zu müssen. Achte nun darauf, nicht zu verkrampfen, sondern dich zu entspannen. Es wird dir nicht gerade leicht fallen, doch die Übung zahlt sich aus. Du stehst nun kurz davor, zu squirten! Entspannung ist jetzt das Wichtigste. Du kannst ein wenig nachhelfen, indem du leicht presst – dabei aber gleichzeitig entspannt bleibst. 
  5. Dranbleiben: Beim ersten Versuch zu squirten wirst du aller Wahrscheinlichkeit nach nicht das größte Squirting-Erlebnis erfahren. Lerne deinen Körper, deine Vagina, deinen G-Punkt und deine Reaktionen neu kennen und nutze sie für dich. Solange du Spaß am Training hast, kommst du dem Squirting bei jedem Mal näher.

Wenn du nach einiger Zeit mit dem Squirten vertraut bist, kannst du deinen Partner oder deine Partnerin miteinbeziehen. Zeige ihm/ihr deine Techniken, was dir gefällt und was dich letztendlich zum Ejakulieren bringt. Dabei sollte klar sein, dass du dich beim Teilen dieser intimen Erfahrung wohlfühlen solltest. 

Du möchtest deinen sexuellen Horizont erweitern? Vielleicht wäre ja Spanking etwas für dich? Oder du probierst es mal mit Tantra-Sex, um dein sexuelles Erlebnis zu vertiefen – womöglich sind dann sogar multiple Orgasmen für dich drin.

Verwendete Quellen:

Brigitte

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