Über Sex reden: Wie sag ich's ihm?

Ohne Worte läuft im Bett nicht so viel beim Sex. Zu viel Klartext kann aber auch lusttötend sein - vor allem, wenn es um Kritik geht... Ein neuer Ratgeber will die "Kunst des erotischen Sprechens" vermitteln - hier lesen Sie einen Auszug aus dem Buch, der davon handelt, wie man Kritik im Bett gibt - und entgegennimmt.

Ein neuer Ratgeber will die "Kunst des erotischen Sprechens" vermitteln - hier lesen Sie einen Auszug aus dem Buch. Er handelt davon, wie man Kritik im Bett gibt und entgegennimmt.

Negatives Feedback geben und bekommen

Sie fragen sich vielleicht: "Was, wenn mein Partner mich darum bittet, etwas zu tun, was ich absolut nicht will?" Oder: "Was, wenn sie etwas von mir verlangt, was mich überhaupt nicht antörnt?" Oder: "Was, wenn er von zärtlichem Vorspiel in den leidenschaftlichen Liebesakt übergehen will, bevor ich selbst so weit bin?"

Seinem Partner zu sagen, dass eine bestimmte Sache nicht funktioniert, kann eine sehr delikate Angelegenheit sein, die einige Feinfühligkeit verlangt. Den Partner einfach mit einem direkten "So geht das nicht" zu konfrontieren, "Ich möchte das nicht tun" oder "Was du jetzt gerade machst, gefällt mir überhaupt nicht" - das kann in einer nicht-sexuellen Situation gut funktionieren, aber wenn Sie sexuell erregt sind, kann es auch leicht nach hinten losgehen.

Der Zungenkuss

Greta und Peter kannten sich seit etwa einem Monat, als sie sich zum ersten Mal einer solchen Herausforderung gegenübersahen. Greta konnte sich einfach nicht an Peters Zungenküsse gewöhnen, die sie so beschrieb: "Er steckte seine Zunge tief in meinen Mund, aber statt sie dort sanft kreisen zu lassen, ließ er sie immer wieder heftig vor- und zurückschnellen - wie ein Reptil! Ich musste immer an Schlangen denken, die ich abscheulich finde!" Zunächst ertrug Greta Peters "Reptilküsse" stoisch, doch schließlich nahm sie ihren Mut zusammen und erzählte ihm, wie wenig sie ihr gefielen. "Ich mag es nicht, auf diese Art und Weise geküsst zu werden. Es tut mir Leid, aber ich muss beim Küssen immer an Schlangen denken, und ich habe Angst vor Schlangen!"

Peter ging daraufhin sofort in die Defensive und entgegnete: "Das ist aber seltsam. Du bist die erste Frau, die sich darüber beschwert, wie ich küsse. Die meisten Frauen finden meine Zungenküsse sehr aufregend!" Greta war verletzt, dass er sich für ihr Unbehagen offenbar überhaupt nicht interessierte, sondern lediglich darauf bedacht war, sich nicht in seinem Stolz verletzen zu lassen. Sie warf ihm vor, unsensibel und arrogant zu sein, und er sagte, sie sei scheinheilig. Es sah ganz danach aus, als wäre ihre Beziehung zum Scheitern verurteilt.

Aber dann ging ihr auf, dass sie Peter vielleicht nicht sagen musste, was er falsch machte, sondern vielmehr, was sie sich stattdessen von ihm wünschte. Also sagte sie beim nächsten Mal zu ihm: "Peter, wie du weißt, fühle ich mich sehr zu dir hingezogen, und ich küsse dich auch gern, aber ich fände es toll, wenn du deine Zunge ganz langsam und sinnlich in meinem Mund bewegen könntest - ungefähr so.« Und dann demonstrierte sie ihm, auf welche Art und Weise sie am liebsten geküsst werden würde. Als sie ihre Lippen wieder von den seinen gelöst hatte, lächelte Peter und sagte: "Oh, du meinst so ...", und er wiederholte, was sie ihm gezeigt hatte. Als sie zum Luftholen voneinander ließen, rief sie aus: "Das war wundervoll! Wie fandest du es?" - "Richtig gut, zugegebenermaßen", entgegnete er.

Um einen Ausweg aus der verfahrenen Situation zu finden, hatte Greta Peter zunächst versichert, dass sie ihn attraktiv fand und ihn gerne küsste. Statt ihn zu kritisieren und ihm das Gefühl zu geben, dass er irgendetwas falsch machte, hatte sie dann selbst die Initiative ergriffen und ihm gezeigt, was sie stattdessen gern von ihm wollte. Derart von ihr an die Hand genommen, brauchte Peter sich nicht angegriffen zu fühlen, sondern konnte sich viel besser darauf einlassen, was Greta aufregend fand. Er hatte deshalb auch kein Problem mehr damit, seine Kusstechnik zu ändern.

Erst Zucker, dann die Kritik

Wenn Ihr Partner Sie in einer Art und Weise liebt, die Ihnen nicht gefällt, Sie aber Angst haben, ihn zu verletzen oder in die Defensive zu treiben, wenn Sie ihn rundheraus bitten, es zu lassen, dann sagen Sie ihm am besten, was Sie sehr wohl gern haben. "Weißt du, Schatz", könnten Sie zum Beispiel sagen, "gerade habe ich mir noch vorgestellt, wie es letzte Nacht war, als du meinen ganzen Körper mit Küssen bedeckt hast. Das hat mich total erregt." Dann können Sie ihm vorsichtig beibringen, was gerade nicht so gut läuft - und natürlich, was Sie sich stattdessen von ihm wünschen. Zum Beispiel könnten Sie sagen: "An den Schenkeln bin ich gerade ein bisschen kitzlig, aber meine Brüste wären bestimmt sehr froh, wenn du dich ihnen ein bisschen widmen würdest." Wenn Sie Ihrem Partner auf eine so vorsichtige Weise mitteilen, wie er Sie erregen kann, wird er aller Wahrscheinlichkeit nach durchaus bemüht sein, Ihre Wünsche zu erfüllen. Dass Sie es genießen, steigert nämlich auch seine eigene Erregung.

Wenn Ihr Partner bei der Liebe für Ihre Begriffe zu schnell vorprescht, gilt dasselbe Prinzip. Statt zu sagen: "Halt dich mal zurück" oder: "Nicht so schnell", können Sie es auch so versuchen: "Was mich jetzt total anmachen würde, wäre, wenn du mich erst ganz sanft im Nacken streicheln würdest und dann mit den Händen über meinen Körper wandern, auch die Beine herunter, so..." zeigen Sie Ihrem Partner, was Sie meinen.

Einfach mal vorfühlen: Streichel-Übung

Eine einfache und nicht konfrontative Möglichkeit, das Geben und Annehmen von negativem Feedback mit Ihrem Partner zu üben (oder einem guten Freund bzw. einer guten Freundin), ist die folgende: Ihr Partner nimmt Ihre Hand und fängt an, sie zu streicheln. Dann variiert er den Druck, die Geschwindigkeit und die Intensität. Wenn Sie möchten, können Sie ihm auch erlauben, seine Fingernägel in Ihre Handballen zu drücken oder Sie zu kratzen.

Achten Sie darauf, wie sich die verschiedenen Arten der Berührung anfühlen. Wenn Sie seine Liebkosungen genießen, lassen Sie ihn das wissen, indem Sie zum Beispiel "Mmmm, das fühlt sich schön an" von sich geben oder sagen: "Das mag ich." Wenn er hingegen etwas tut, was Ihnen nichts gibt oder Ihnen sogar unangenehm ist, ermutigen Sie ihn dazu, es anders zu machen: "Weißt du, was ich jetzt wirklich schön fände, wäre..." - und dann beschreiben Sie ihm die Art von physischem Kontakt, die Sie sich wünschen.

Tauschen Sie schließlich mit Ihrem Partner die Rollen, so dass nun Sie seine Hand streicheln und er Ihnen Feedback gibt. Wenn Sie diese Übung zum negativen Feedback mit Ihrem Partner gemacht haben, können Sie vielleicht beim nächsten Sex darauf zurückkommen - mit dem Ziel, sich sexuell noch besser aufeinander abzustimmen. Und nehmen Sie ein negatives Feedback auch dann nicht persönlich. Denken Sie nicht: "Oh, ich habe etwas falsch gemacht", sondern lieber: "Ah, ich habe gerade eine noch bessere Möglichkeit gefunden, meinen Partner zu erregen!"

Was der eine will, törnt den anderen ab...

Was aber, wenn Ihr Partner von Ihnen verlangt, dass Sie ihn in einer Art und Weise lieben, die Ihnen unangenehm ist oder die Sie nicht mögen? Oder wenn Ihre Partnerin unbedingt etwas möchte, was Sie selbst einfach nur abtörnend finden?

In einer solchen Situation sind vier Grundsätze wichtig:

1. Machen Sie Ihrem Partner kein schlechtes Gewissen wegen etwas, was er sich wünscht oder ersehnt.

2. Lassen Sie Ihre Partnerin wissen, wie froh Sie sind, dass sie Ihnen sagt, was sie sich wünscht.

3. Setzen Sie sich nicht selbst unter Druck, wenn Sie einer Bitte Ihres Partners nicht nachkommen möchten.

4. Wenn Sie selbst der oder die Bittende sind, kritisieren Sie Ihren Partner nicht, falls er nicht darauf eingehen möchte.

Nicht alle sexuellen Disharmonien lassen sich leicht lösen. Aber Sie werden überrascht sein, wie viel flexibler Ihr Partner wird, wenn Sie sein Zögern zunächst akzeptieren und respektieren.

Wenn Sie einfach nicht gemeinsam darüber reden können, dann ist es vielleicht an der Zeit, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ein ausgebildeter Partnerschaftsberater kann einem in Schweigen versunkenen Partner dabei helfen, mit schmerzhaften Erfahrungen, die die gegenwärtige Beziehung negativ beeinflussen, besser umzugehen. Und er kann Ihnen beiden helfen, mehr Offenheit und Ehrlichkeit in Ihre Beziehung einzubringen, so dass Sie mit der Zeit zu einer verlässlichen Stütze füreinander werden.

Buchhinweis

Dieser Text ist ein Auszug aus:

"Worte der Lust. Die Kunst des erotischen Sprechens." Von Bonnie Gabriel, erschienen im September 2006 bei Schwarzkopf & Schwarzkopf. 253 Seiten, 9,90 Euro, ISBN: 3896027468.

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