Was Männer über Sex denken

Vier Männer reden Klartext über ihre Lust am Sex. Ein Gespräch darüber, was sie anmacht, was sie kalt lässt und mit welchen Frauen sie immer wieder Sex haben würden.

Harald, 35, Finanzdienstleister, ist geschieden und seit elf Monaten wieder in einer festen Beziehung. Frank, 53, Fitness-Trainer, war neun Jahre verheiratet und ist nach einigen wechselnden Beziehungen seit kurzem wieder liiert. Moritz, 34, selbständiger Handelsvertreter, lebt seit vier Monaten mit seiner Freundin zusammen und glaubt, die richtige Frau für Familie und Kinder gefunden zu haben. Armin, 40, Unternehmer, ist seit einem Jahr von seiner Frau geschieden. Er hat zwei Kinder und ist momentan Single.*

BRIGITTE : Werden wir gleich konkret: Gibt es ein sexuelles Erlebnis, das Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Harald: Ja. Meine erste Sadomaso-Erfahrung mit einer Frau, die devot veranlagt war. Aber für mich ist das Abenteuer einer rein sexuellen Begegnung etwas völlig anderes als Sex mit der Frau, die ich liebe. Der ist viel intensiver und deshalb lustvoller.

Moritz: Ich habe jetzt gerade gedacht: In meinem Leben hat es so was nicht gegeben. Ich bin da wohl eher zurückhaltend.

Armin: Bei mir war's der erste Besuch mit meiner Frau im Swinger-Club, ob man's glaubt oder nicht. Und Sadomaso-Erfahrung habe ich auch, mit einer Freundin. Ich konnte erst nicht glauben, dass es ihr Spaß macht. Es heißt doch: Achte deine Frau, erhebe nicht die Hand gegen sie. Aber sie fand es gut und ich auch.

BRIGITTE: Gegenseitiges Einverständnis beim Sex ist also wichtig?

Harald: Absolut. Wenn ich merke, dass von meiner Partnerin nichts zurückkommt, breche ich die Sache ab. Für mich ist es nämlich enorm wichtig, dass die Frau beim Sex kommt.

BRIGITTE: Warum ist das so?

Harald: Weil ich will, dass es für sie schön ist - und sicher auch, um Selbstbestätigung zu bekommen.

Armin: Mit 20 ging es mir nur darum abzuspritzen, aber irgendwann war mir die Lust der Frau genauso wichtig. Das musste ich den Frauen aber erklären und sie geradezu auffordern: Konzentriere dich doch mal auf deine Lust, stell du mal die Forderungen.

Harald: Habe ich auch so erlebt: Frauen sind wirklich sehr überrascht, wenn ein Mann so tickt.

Frank: Wenn ich mich mit einer Frau aber nur amüsieren will, ist es mir egal, was mit ihr ist. Nur wenn ich merke, dass ich länger mit ihr zusammen sein will, gebe ich mich anders. Mit der Frau, mit der ich jetzt zusammen bin, lief die ersten Wochen gar nichts.

Harald: Wenn es was Besonderes ist, will man die Frau eben nicht mit flüchtigen Bekanntschaften auf die gleiche Stufe stellen.

Armin: Ich habe im letzten Sommer eine Frau übers Internet kennen gelernt, und als wir uns trafen, wusste ich: Es ist nicht richtig, gleich mit ihr zu schlafen - obwohl sie gewollt hätte. Ich habe ihr gesagt: Ich möchte nicht sofort mit dir ins Bett. Das größte Kompliment, das man einer Frau machen kann, oder?

Harald: Wenn ich denke, jetzt bist du da angekommen, wo du immer hin wolltest, will ich, dass es sich ganz langsam entwickelt.

BRIGITTE: Polemisch gesagt also: alles Schlampen, außer Mutti...

Armin: Männer können problemlos Sex mit Frauen haben, in die sie nicht verliebt sind. Insofern machen sie wohl tatsächlich so eine Art Zwei-Klassen-Gesellschaft auf: Frauen, mit denen man schnellen Sex haben kann, und Frauen, die ihnen was bedeuten.

BRIGITTE: Moritz, wie ist das bei Ihnen?

Moritz: Ich war entweder in einer festen Beziehung, oder in den Phasen dazwischen hat Sex keine große Rolle gespielt. Nur einmal hatte ich eine rein sexuelle Beziehung mit einer verheirateten Frau. Als ich erfahren habe, dass sie verheiratet war, wollte ich das Ganze beenden. Aber der Reiz des Verbotenen war stärker.

BRIGITTE: Gibt es denn auch Phasen, in denen Sie keine Lust haben?

Frank: Im Moment eher nicht. Aber wenn bei mir lange nichts läuft, schläft die Lust ein. Wie eingeschlafene Füße. Es muss dann irgendwas Aufregendes passieren, damit sie zurückkommt.

Moritz: Klingt logisch. Wenn die Lust immer weiter steigen würde, je länger man keinen Sex hätte, würde man ja durchdrehen.

Harald: Ich kenne das nicht. Wenn ich mal keine Beziehung hatte, verging trotzdem kaum eine Woche, in der ich nicht mindestens einmal Sex hatte. Und wenn ich in einer festen Beziehung war und länger keinen Sex hatte, war das ein klares Indiz, dass etwas nicht stimmte. Aber es gibt auch andere Gründe für schwindende Lust: Eine Ex-Freundin von mir hat im Laufe der Beziehung sehr stark zugenommen, das war ein Problem. Wenn sie auf mir saß, verging mir echt die Lust. Oder diese Alltags-Situationen: Ich komme um sieben nach Hause und habe eigentlich Lust, zwei Stunden später hänge ich trotzdem vor dem Fernseher und bin nur noch müde - das hat dann nichts mit der Frau zu tun.

BRIGITTE: Spielt Selbstbefriedigung eine Rolle in solchen Phasen oder vielleicht sogar während einer festen Beziehung?

Harald: Für mich war das immer ein Thema, auch in Beziehungen. Frauen denken dann sofort: Mit unserer Liebe stimmt was nicht. Das ist Unsinn. Es geht nur um die schnelle Befriedigung.

Frank: Früher habe ich mich oft selbst befriedigt. In meiner neuen Beziehung mache ich es nicht mehr. Ich habe mir auch schon Videos geliehen und mir dabei einen runtergeholt, aber da muss man aufpassen. Wenn man das zu oft macht, hat man keinen Bock mehr auf Frauen, weil es so bequem ist.

Harald: Ich finde es großartig, eine SMS von einer Frau zu bekommen, die sagt: Ich hab's mir gerade selbst gemacht und dabei an dich gedacht. Da krieg ich sofort Lust...

BRIGITTE: Hat sich der Sex in den letzten Jahren verändert?

Armin: Absolut, ich finde es gut, dass Frauen sexuell fordernder geworden sind und ihren Orgasmus haben wollen.

Harald: Stimmt. Es gibt nichts Lustvolleres als eine Frau, die sagt, was sie will. Und nichts Schlimmeres als eine, die gar nichts sagt.

BRIGITTE: Aber sind Frauen zwischen 30 und 40 nicht mehr an festen Beziehungen als an ausgefallenen Sex-Praktiken interessiert?

Armin: Da ist was dran. In diesen Single-Börsen im Internet gilt zum Beispiel: Männer suchen dort Sex, Frauen eine Beziehung.

Harald: Wobei Single-Börsen echt eine gute Erfindung sind. Du musst abends nicht mehr los, und wenn du es clever anstellst, ist es superwitzig. Und ganz einfach: Du musst nur ein ganz normaler Mann sein, dann hast du einen großen Vorteil vor diesen Typen, die definitiv nur das eine wollen. Wenn du dann die Mädels auch noch zum Lachen bringen kannst, bist du weit vorn.

BRIGITTE: Was ist für lustvollen Sex absolut unverzichtbar?

Harald: Eine gute Figur, eigentlich das ganze Aussehen. Und worauf ich völlig abfahre, sind diese fiesen Highheels aus Glas.

Frank: Die Atmosphäre ist auch wichtig. Ich habe bei mir so eine Schwarzlicht-Leiste. Wenn meine Frau dann reinkommt - ihr könnt euch ja vorstellen, wie das aussieht. Ihre Haut sieht schön dunkel aus, und das törnt mich total an.

Armin: Ich finde Aussehen auch wichtig, aber was mich viel mehr anmacht, ist das Sichgehenlassen. Eine Frau kann aussehen, wie sie will, wenn sie ihre Lust herausschreit, das finde ich toll.

BRIGITTE: Sie wollen also das Gefühl haben, begehrt zu werden?

Armin: Auch, aber die Lust meiner Partnerin zu beobachten, verschafft noch mehr Lust. Am Ende unserer Swinger-Zeit haben meine Frau und ich Partner getauscht. Und mich hat es sehr befriedigt zu sehen, wie sie Fantasien auslebt, die sie lange in sich getragen hat. Und dass ich der Mann bin, mit dem sie das tut.

BRIGITTE: Harald, Sie haben vorhin über den Unterschied zwischen Affären-Sex und Sex in einer festen Beziehung geredet. Wie sehen das denn die anderen drei?

Armin: Ich brauche Sex, um herauszufinden, ob aus einer Sache mehr werden könnte. Ich glaube nicht an Liebe auf den ersten Blick - was mit den meisten Frauen nicht kompatibel ist: Die glauben schon vor dem ersten Sex, dass sie den Mann fürs Leben gefunden haben, und fragen mich nach der zweiten Nacht, wie ich das sehe. Da kann ich nur sagen: Sorry, ich weiß es noch nicht.

BRIGITTE: Wie verändert sich denn die Lust in einer langen Beziehung?

Armin: Alle Frauen, die ich in den letzten Jahren kennen gelernt habe, hatten in ihrer letzten Beziehung so gut wie keinen Sex mehr. Eine hat mal gesagt: Sex in der Ehe ist Zufall.

BRIGITTE: Sie haben mit Ihrer Ex-Frau zwei Kinder. Die meisten Paare mit kleinen Kindern sind doch abends schlichtweg zu fertig, um überhaupt noch an Sex zu denken...

Armin: Das ist Einstellungssache. Meine Frau hat nach den beiden Geburten 25 Kilo zugenommen - das hat mich nicht interessiert. Dieser Körper hat uns zwei wunderbare Kinder geboren, deshalb hat das an meiner Lust überhaupt nichts geändert.

BRIGITTE: Sie waren nie zu gestresst oder einfach erschöpft?

Armin: Natürlich, manchmal schon. Aber auch das ist Einstellungssache: Wenn man zusammenliegt, und der eine Partner hat Lust und der andere nicht, hat man zwei Möglichkeiten: sich voneinander wegdrehen oder auf den anderen eingehen.

Harald: Ich glaube schon, dass sich der Sex verändert. Am Anfang bist du auf einer Art Entdeckungsreise, und am Ende weißt du eben, worauf dein Partner abfährt.

BRIGITTE: Aber auch in Ihrer Ehe war die romantische Phase doch sicher irgendwann vorbei.

Harald: Ja. Ich habe mich von meiner Frau getrennt, weil ich ihr gegenüber keine Lust mehr empfand.

BRIGITTE: Woran lag das?

Harald: Ich weiß es nicht. Vielleicht waren wir zu jung, vielleicht haben wir zu lange in verschiedenen Städten gelebt. Sie hat sich das, was sie brauchte, dann woanders geholt. Also bin ich ausgezogen. Andere hätte das Problem wahrscheinlich offen angesprochen, ich hab damals den Schwanz eingekniffen.

BRIGITTE: Warum?

Harald: Weil ich gar nicht konkret hätte sagen können, was sie anders machen soll. Ich glaube, es lag an mir, an meiner damaligen Lebenssituation: neu in der Stadt, nur noch ihre Freunde, unzufrieden mit mir selbst. Ich hatte da zwar prinzipiell noch Lust, aber eben nicht mehr auf sie. Ein ganz komisches Gefühl.

BRIGITTE: Moritz, wie hat sich Ihre Sexualität über die Jahre entwickelt?

Moritz: Meine erste Beziehung habe ich beendet, weil ich wissen wollte, was es denn sonst noch so gibt. Was mich irritiert hat, weil ich eher ein konservativer Mensch bin und anfangs dachte: Das hält für immer. Ich glaube, ich bin einfach kein sehr anspruchsvoller Mensch, was Sex und Beziehung angeht. Ich bin eher zurückhaltend, vielleicht sogar schüchtern.

BRIGITTE: Wenn Ihre Partnerin wegen Kindern und Job ein paar Wochen lang keinen Sex wollte, war das also okay für Sie?

Moritz: Ich bin sicher nicht geplatzt, nein.

Frank: Und du wolltest nicht wissen, warum deine Freundin drei oder vier Wochen keine Lust auf dich hat?

Moritz: Mein Sexleben ist immer sehr geradlinig verlaufen, was auch immer Selbstschutz war: Ich will nicht ganz oben schweben, wenn ich dafür riskiere, ganz tief abzustürzen. Kann schon sein, dass ich dabei etwas verpasse. Ich erlebe aber eben auch keine schmerzhaften Abstürze.


*Die Namen der Gesprächsteilnehmer wurden von der Redaktion geändert

Oskar Holzberg/Mark Kuntz
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