Wie viel Sex tut gut?

100 Tage lang jeden Tag Sex: Wie viel Sex gut tut, hat Douglas Brown ausprobiert.

Stellen Sie sich vor, Sie müssten jeden Tag Sex haben. Zwei amerikanische Paare haben so einen Sex-Marathon hinter sich gebracht, "100 Tage Sex" von Douglas Brown erscheint heute auf Deutsch. Tut so viel Sex gut oder ist er nur noch ein täglicher Akt? Was Douglas Brown und die Autorin und Sex-Marathon-Läuferin Charla Muller dazu sagen. Hier können Sie die Einleitung von Douglas Browns "100 Tage Sex" lesen.

Wie es aussieht, hat jeder ständig Sex: Freundinnen, Kolleginnen, sogar die eigenen Kinder, wenn sie in die Jahre kommen. Und selbst die Nachbarn stöhnen hinter der Schlafzimmerwand. Um mit dem deutschen Durchschnitt mitzuhalten, müssten wir uns 116 Mal im Jahr austoben, sagt eine Durex-Studie. Das hieße jeden dritten Tag.

Dabei ist das gemeine Leben meistens gar nicht so sexy. Im Laufe einer Partnerschaft vermehren sich die natürlichen Feinde der Lust: Kinder, im Kindergarten angesteckt mit Keuchhusten. Ein Partner, angesteckt mit der schlechten Laune seines Chefs. Und mittendrin man selbst mit ansteckendem Dauergähnen, müde von Büromails und Bügelwäsche.

Viele Paare gehen vor allem miteinander ins Bett, um nebeneinander einzuschlafen. Es war einmal der spontane Beischlaf.

In die Betten, fertig, los!

Charla Muller schenkte den Sex-Marathon ihrem Mann

Deshalb schenkte die Amerikanerin Charla Muller ihrem Mann zum Vierzigsten keinen schicken Wagen sondern: Sex. Täglich ein Mal für ein ganzes Jahr. Aus dem gleichen Grund vereinbarten Douglas Brown und seine Frau Annie ein Sexgebot: 101 Tage Sex, keine Entschuldigungen.

Obwohl beide Paare glücklich miteinander verheiratet waren, hatte sich im Alltag die Lust von der Liebe getrennt. Zwischen Jobs, Kindern und dem Haushalt bekam Sex nur noch einen Platz im hintersten Eckchen ihres Lebens. Ein Mal im Monat oder seltener schliefen sie noch miteinander.

Einfach loslaufen

Sex-Experimentierer Douglas Brown rät: Just do it!

Schon nach ein bis zwei Wochen befanden beide Paare: Es tut gut, die fehlende Lust zu überlisten! Selbst an übervollen Tagen fanden sie noch Zeit für Intimität - Sex statt Lesen, Fernsehen oder auch einfach statt zu schlafen. Häufig, stellten die Browns und Mullers fest, hatte in der Vergangenheit nur der innere Schweinehund gähnend die Matzratze blockiert.

Das waren die einfachen Tagen. An vielen anderen wurde Sex zum Punkt auf der Tagesordnung, der genau so geplant werden musste wie "Einkaufen" oder "Schwimmwettkampf der Kinder". Logistik ist das Gegenteil von spontaner, prickelnder Leidenschaft - aber, so berichten Charla Muller und Douglas Brown, der Sex war deshalb nicht weniger prickelnd und leidenschaftlich. Und vor allem: Sie nahmen sich endlich die Zeit dafür!

Die Kinder wurden einfach dem Babysitter überlassen, wenn sie nicht gerade schliefen oder sich sonst wo außer Haus vergnügten. Notfalls parkte Charla Muller ihren Nachwuchs vor einem Video und schloss die Tür des Elternschlafzimmers ab. Kein Grund für ein schlechtes Gewissen, findet sie. Ihre Kinder hätten mehr von einer glücklichen, ausgeglichenen Mutter als von einer mit verkniffenem Gesicht.

Bloß nicht aufgeben!

Und dann gab es die schweren Tage: Wer hat nach einem heftigen Streit schon Lust auf Nähe? Oder wenn die Schwiegereltern nebenan schlafen? Wer möchte nichts lieber als Sex, wenn eine Lebensmittelvergiftung die Eingeweide durchwalkt?

Douglas Brown und Gemahlin erlaubten sich tatsächlich keine Ausnahme, notfalls musste Viagra nachhelfen. Die Mullers erlaubten sich auch ein „Nein". Das Ziel war kein Sexmarathon, sondern sich als Partner wieder näher zu kommen.

Es läuft

Das funktionierte bei beiden Paaren. Mit so viel körperlicher Nähe entstand eine alte Vertrautheit neu. Plötzlich sahen sich die Partner wieder - nicht mit anderen Augen, sondern sie guckten einfach wieder hin. Sie lernten die Zeit zu zweit allein wieder zu schätzen, nicht nur im Bett. Und bezahlten lieber ein Mal mehr einen Babysitter, um gemeinsam einen Nachmittag im Café oder ein Abendessen mit Freunden zu genießen. Douglas und Annie fingen an, Sport zu machen, um für den anderen auch körperlich attraktiver zu sein. Damit fühlten sie sich gleichzeitig viel begehrenswerter. Der tägliche Sex erfrischte ihre Beziehung und ihr Selbstbewusstsein.

Und: Er wurde immer besser. Wer sich jeden Tag in- und auswendig berührt, kennt sich bald auch in- und auswendig und weiß noch viel besser als vorher, was dem anderen gefällt. Um keine Langeweile aufkommen zu lassen - täglich das gleiche Liebesspiel - probierten die Paare aus, worüber sie bislang nicht einmal miteinander gesprochen hatten: Pornos, Sextoys und Stellungen, auf die sie bis zum Sexmarathon nicht einmal gekommen wären. Nicht alles fanden sie gut. Doch bei einigen Highlights fragten sie sich: Warum haben wir das nicht längst schon so getrieben?

Schwächeanfall

Die Lust, die sich so lange zwischen Windeln und Gutenachtgeschichten versteckt hatte, meldete sich mit dem täglichen Training auf einmal ganz von selber. Bis zu einem gewissen Punkt. Dann wurde die Lust lästig.

Sex zu haben, um Sex zu haben, machte irgendwann genau so viel Spaß wie Zähneputzen. Rauf-rein-runter-raus. Das Besondere der Intimität war verflogen. Mit dem Druck verging der Spaß.

Aufatmen hinter der Ziellinie

Trotzdem: Die Ausdauer habe sich gelohnt, schreiben beide Autoren. Allein weil die Beziehung nach so einem Experiment wieder viel intimer und vertrauter geworden sei - nicht nur im Bett.

Keins der Paare schläft weiterhin genau so exzessiv miteinander, zumindest was den Rhythmus angeht. Douglas und Annie Brown hatten sich nach ihren Kraftakten erst einmal eine wochenlange Pause gegönnt. Heute kommen sie sich statt ein bis zwei Mal im Monat eher fünf bis sechs Mal im Monat nahe.

Charla Muller und ihr Mann Brad haben gelernt, wie wichtig es ist, sich die Zeit für Intimität einfach zu nehmen: An drei bis vier Terminen pro Woche trägt Charla in ihren Kalender "Sex" ein. So wenig Lust sie früher auf die Lust hatte - so sehr hat sie gemerkt, wie wichtig Sex für ihre Liebe ist. Sie rät:

Egal, wie oft sie es vorher getan haben - tun Sie es einfach doppelt so oft.

Hier können Sie die Einleitung von Douglas Browns "100 Tage Sex" lesen.

Zum Nachlesen

100 Tage Sex Douglas Brown Aus dem Englischen von Martin Bauer Verlag: Heyne 352 Seiten 8, 95 Euro ISBN: 978-3-453-60118-5

Zum Nachlesen

Just do it. How One Couple Turned Off the TV and Turned on Their Sex Lives for 101 Days (No Excuses!) Douglas Brown Crown Publishers 14,45 Euro Englisch

365 nights: A memoir of intimacy Charla Muller/ Betsy Thorpe Berkley Books 8,95 Euro Englisch

Fotos: Getty Images / Pat Staub
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