Männer, die Krise und die Untreue

In Krisenzeiten neigen Männer angeblich verstärkt zur Untreue. Das meint zumindest ein amerikanischer Professor.

Professor Omri Gillath von der University of Kansas in den USA hat herausgefunden, dass Panik in der Eurozone Männer zur Untreue verleiten kann. Wir fragen nach.

BRIGITTE: Eine Wirtschaftkrise klingt erst mal nicht wie etwas, das die Leute zum Seitensprung animiert...

Gillath: Oh doch. Unsere Körper und Verhaltensweisen haben sich ja über die Zeit entwickelt, um mit Krisen wie Dürre oder Hungersnöten umzugehen. Wenn der Körper also Signale empfängt, dass die Überlebenschancen sinken, dann möchte er seine Gene verteilen. Natürlich tricksen wir heutzutage unsere Körper aus, indem wir auf Empfängnisverhütung zurückgreifen.

BRIGITTE: Kann man die Finanzkrise wirklich mit bedrohlichen Lebensumständen in der Natur – wie zum Beispiel in der Savanne – vergleichen?

Gillath: Menschen verlieren ihre Jobs, haben kein Einkommen, ihre Zukunft ist ungewiss – so etwas erzeugt dieselben Reize wie Wasserknappheit in der Steppe. Auch eine instabile politische Lage wie zum Beispiel nach dem 11. September kann ähnliche Empfindungen hervorrufen. Letztendlich kommt es auf die Sichtweise an: Wenn die Leute ihre Zukunft bedroht sehen, verfolgen sie schnelle Paarungsstrategien. Und Sex kann zudem eine tröstende Wirkung haben.

BRIGITTE: Sie haben das an Testpersonen überprüft. Wie genau liefen die Versuche ab?

Gillath: Zuerst haben wir sie an ihre Sterblichkeit erinnert – oder einfach nur an Zahnschmerzen. Danach haben wir ihnen Fotos gezeigt – entweder mit nackten Frauen oder anderen erregenden Szenen, die nicht sexueller Natur waren: Leute auf einer Achterbahn, Fallschirmspringer oder Ähnliches. Männer, die zuvor an ihren Tod erinnert wurden reagierten weitaus heftiger auf die sexuell stimulierenden Bilder, ihre Herzfrequenz beschleunigte sich und sie zeigten eine schnellere Reaktionsfähigkeit bei der Bedienung eines Joysticks.

BRIGITTE: Und die Frauen?

Gillath: Im echten Leben reagieren Frauen durchaus wie Männer. Langzeitstudien in sehr armen Gegenden haben gezeigt, dass Männer und Frauen unter bedrohlichen Lebensumständen jung viele Kinder haben und früher die Pubertät erreichen. Im Labortest haben wir sie ganz direkt mit dem Tod konfrontiert. Nur für die Männer ergab es einen Sinn, sich kurzfristig fortpflanzen zu wollen – für die Frauen nicht im selben Maße, weil ihnen klar ist, dass sie neun Schwangerschafts-Monate brauchen, um ihre Gene in die Welt zu bringen.

BRIGITTE: Und wie sollen wir also mit unserem Partner umgehen?

Gillath: Denken Sie an die Wirkung von Ungewissheit. Unterstützen und trösten Sie Ihren Partner, und geben Sie ihm ein Gefühl von Sicherheit. In unseren Studien haben wir gesehen, dass Wirkung der Todesdrohung schwächer wirkte, wenn zusätzlich Sicherheit vermittelt wurde. Ich glaube, im echten Leben wäre es genauso.

Interview: Meike Dinklage Foto: Istockphoto
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