Glücklich Single: Das Leben als Paar ist überbewertet!

Zum Jahreswechsel steigt der Frustpegel bei vielen Singles. Dabei ist glücklich als Single sein gar nicht schwer. Denn Singles sich doch so viel Stress, Ärger und nutzlose Diskussionen!

Die Tage werden kürzer und kälter, was Pärchen als Signal zum Kuscheln begreifen zu scheinen. Plopp, plopp, plopp - die Verliebten halten auf dem Weihnachtsmarkt offensiv Händchen und knutschen sich wild ins neue Jahr.

Sie entdeckt etwas Nutzloses und sagt "Oh, das ist aber hübsch"

Du bist seit sechs Jahren Single - nicht glücklich - , hattest vor siebzehn Monaten zum letzten Mal Sex und fühlst Hass, Hass, Hass. Ich sage: Mach' Dich locker. Kein Grund, neidisch zu werden. Was den Sex angeht: Viele Frauen in Partnerschaften kommen auf eine ähnlich miese Frequenz. Und auch sonst ist es ein massiver Irrglaube anzunehmen, eine Beziehung würde Dein Leben notwendigerweise verbessern. Richte Dein Augenmerk auf die Vorteile des Single-Daseins. Warum solltest Du nachts neben jemandem liegen, der sich wälzt, schnarcht und merkwürdige Gerüche absondert, wenn Du ein komfortables Bett nur für Dich haben kannst?

Falls Du Dir gnadenlos klarmachen möchtest, wie unbeschwert Dein Alleinleben ist, schlage ich einen Ausflug zu Deutschlands bekanntestem schwedischem Möbelhaus vor. Es wimmelt dort nur so von Pärchen. Trotte eine Weile einem beliebigen Exemplar hinterher, dann wirst Du mit Sicherheit bald Zeuge eines derartigen Dialogs.

Sie entdeckt irgendetwas Nutzloses und stellt fest: "Oh, das ist aber hübsch." Er glotzt auf die vier angeschwollenen Brüste der zwei schwangeren Freundinnen im Gang mit den Kinderbetten schräg gegenüber und sagt ohne hinzuschauen: "Ja." Sie: "Guck doch mal, meinst Du, das könnte Deiner Mutter gefallen?" Durch das Wort Mutter jäh aus seinen Fantasien gerissen, fragt er: "Was?" Sie: "Na, das hier, sollen wir das Deiner Mutter mitbringen?" Er: "Wieso?" Sie: "Einfach nur so, weil's so hübsch ist?" Er: "Hübsch?" Sie: "Oder gefällt Dir das nicht?" Er: "Wieso mir? Ich dachte, das sei für meine Mutter." Sie: "Ja. Meinst Du, es gefällt ihr?" Er: "Woher soll ich das wissen?" Sie: "Ist ja schließlich Deine Mutter, Du musst doch wissen, ob ihr das gefallen könnte!" Er: "Nimm's halt mit, wenn es Dir gefällt." Sie: "Aber es ist ja nicht für mich, es ist für Deine Mutter!"

Es fällt uns nicht schwer, dieses Gespräch im Geiste endlos fortzusetzen und sich dabei die zunehmende Gereiztheit auf beiden Seiten vorzustellen. Möchten wir unsere kostbare Lebenszeit mit solchen Unterhaltungen verbringen? Ein glasklares Nein ist hier die Antwort.

Schlendern wir weiter ins Selbstbedienungs-Restaurant und stellen uns in der Schlange hinter Pärchen Nr. 2 an. Nach beinahe unmerklichem Zögern entscheidet sie sich für das kalorienärmste Gericht am Tresen und widersteht den Verlockungen der schwedischen Mandeltorte. Derartige Überlegungen sind ihm völlig fremd. Ungeniert ordert er die größte Portion Köttbullar mit extra Pommes und angelt in der Kühltheke nach einem Bier.

Sie: "Bier?" Er: "Ja. Wieso?" Sie: "Es ist viertel nach eins." Er: "Na und?" Sie: "Ich meine ja nur." Er: "Gut, dann eben nicht." Sie: "Nein, ist schon okay, trink' ruhig ein Bier zum Essen." Er: "Jetzt nicht mehr." Sie: "Komm, ein Bier kannst Du ruhig trinken." Er: "Ach, auf ein Mal!" Sie: "Sei doch jetzt nicht so." Er: "Wie bin ich denn?" Sie: "Du machst alles immer total kompliziert." Er: "Ich?"

Auch hier hören wir die Bitterkeit in den Sätzen und wissen, wie es weitergeht. Sie diskutiert mit ihren Freundinnen am Telefon stundenlang sein inakzeptables Bauarbeiter-Gen. Er fragt sich, wann sich die hysterische Kuh endlich wieder abregt. Und keiner hat beim Schwedenimbiss das verzehrt, was er eigentlich gerne gehabt hätte. Brauchen wir das? Erneut antworten wir ohne Zögern: Nein! Das braucht kein Mensch!

Du kennst ein Pärchen, bei dem es anders läuft? Meinen aufrichtigen herzlichen Glückwunsch an alle Beteiligten. Du kennst kein Pärchen, mit dem Du - im unerbittlichen Neonlicht des Alltags betrachtet - tauschen möchtest?

Sag' ich doch. Ich schlage vor, Du bestellst Dir nun im Restaurant unseres Möbelhauses, was immer Du willst und soviel Du davon möchtest, und dann fährst Du zufrieden in Deine Wohnung, in der zwar keiner für Dich gespült hat, aber auch niemand außer Dir Geschirr schmutzig macht. Und vergiss nicht, auf dem Heimweg die alte Kassette der Lassie Singers aus dem Handschuhfach zu kramen, die schon lange vor uns wussten: Liebe wird oft überbewertet, Liebe ist nicht so wichtig, wie man denkt. Liebe ist nur ein Teilaspekt des Lebens, und die anderen Teile sind auch nicht schlecht.

Text: Thordis Rüggeberg
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