Müssen Singles immer und überall suchen?

Traummänner können an jeder Ecke warten, aber müssen Singles deshalb die ganze Zeit nach ihnen suchen? Unsere Autorin findet das ermüdend - und leidet unter Partnersuche-Burnout.

Mein Wochenende war richtig schön. Am Freitag habe ich mich auf dem Sofa von der Arbeitswoche erholt. Am Samstag war das obligatorische Einkaufen/Waschen/Putzen schnell erledigt und am Abend bin ich mit meiner liebsten Freundin an ihrem Küchentisch versackt. Wir haben nur gelacht. Und der Sonntag: Den habe ich hauptsächlich im Bett verbracht, später war ich Joggen. Als ich am Montag einer Freundin davon erzähle, ist sie entsetzt. "Du vergräbst dich total. Geh lieber raus und lern jemanden kennen. Ansonsten wird sich nie was in deinem Leben ändern."

Mich ärgert das. Ich bin Ende 30 und Single - na und? Ich hätte gern eine neue Beziehung, aber im Moment nervt mich die Partnersuche. Lange Zeit habe ich geglaubt, dass ich mich neben meinem Vollzeitjob hauptsächlich um das Projekt "Freund finden" kümmern müsste. Online-Dating, Smartphone-Dating, samstagabends ausgehen, sonntags spazieren gehen mit einem Date und immer und überall die Augen offen halten. Jede, aber auch wirklich jede Situation sollte genutzt werden, um den Mann für die nächsten Jahre zu finden, war der Tipp einiger Freundinnen. Ich will das nicht mehr. Mich hat diese Einstellung in den Partnersuche-Burnout getrieben.

Verhindere ich damit eine Beziehung? Die Hamburger Psychotherapeutin Ursula Böhm sieht das so: "Immer nur auf der Suche zu sein, kann zum Krampf werden. Eine entspanntere Einstellung wäre es, sich einzugestehen, dass man einen neuen Partner möchte, aber nicht alles davon abhängig macht. Wenn ich lerne, mit mir selber zufrieden zu sein, hängt nicht mein ganzes Seelenglück davon ab."

Das sehen einige Single-Freundinnen anders. Eine ging sogar so weit, dass sie für uns Termine gesetzt hat, an denen wir durch die Bars ziehen sollten, um Männer kennenzulernen. Stellte sich dabei eine Bar als Fehlschuss heraus, musste sie schnell gewechselt werden. Alles nach Plan, alles effizient, genau wie im Job. In ihren Augen war es ein Makel, Single zu sein. Deshalb heulte sie mir auch oft die Ohren voll und analysierte in endlosen Gesprächen, was wir falsch machten und andere, Liierte eben, richtig. Ich treffe sie nicht mehr. Ich möchte keine Strategie-Termine fürs Wochenende und ich bin auch kein Makel. Ich bin Single.

Einigen Userinnen der BRIGITTE-Community geht es ähnlich. Sie erzählen, wie anstrengend es sei, mit Freundinnen auszugehen, die auf der Suche seien. Immerzu schweiften ihre Augen durch den Raum nach geeigneten Männern - was das Gegenüber zu sagen habe, interessiere nicht mehr.

Ich habe beschlossen, dass es für mich diese Abende nicht mehr geben soll, und habe eine Pause von der Partnersuche eingelegt. Ich will mir selber wieder wichtig sein und meine Zeit genießen. Das klappt nicht immer, denn natürlich ist nicht alles toll. Seit ich keinen Freund mehr suche, lerne ich auch niemanden mehr kennen. Ich frage mich, ob es nicht einen Mittelweg gibt? Ein Suchen, das mich nicht auffrisst?

Partnersuche: Ein Wort macht den Unterschied

Ursula Böhm rät: "Es gibt Menschen, die mit einem offenen Blick durchs Leben gehen, andere sind mehr nach innen gerichtet. Es lohnt sich zu fragen, zu welchem Typ man gehört. Sind es offene oder verhaltene Signale, die man aussendet? Wenn man merkt, dass man mehr bei sich ist und das verändern will, kann man sich durch ein Lächeln, durch nette Worte oder Blicke ein Stück weit öffnen und schauen, wie Männer darauf reagieren."

Ich gebe zu, dass ich nicht der Typ bin, der Männer leichten Herzens anlächelt. Dafür bin ich zu misstrauisch. Eine Eigenschaft, die ich selbst nicht an mir mag. Ursula Böhm sagt dazu: "Viele Frauen haben zwar eine große Sehnsucht nach einer Beziehung, aber auch Ängste, sich einzulassen. Das nehmen sie oft nicht wahr, weil ihre Sehnsucht in ihren Gedanken mehr Platz einnimmt als ihre Angst. Wer sich aber die Angst eingesteht, kann sich fragen, wodurch sie ausgelöst wird und ob sie wirklich berechtigt ist."

Ich gehöre wohl zu der Gruppe, die Angst bei der Suche hat. Deshalb will ich ab sofort gut zu mir sein - ich bin eine tolle Frau, ich bin weiblich, liebevoll und verletzlich. Ich werde nach einer neuen Beziehung suchen, so gut und so oft ich das kann. Der Rest kommt, wenn er kommt.

Text: Mona Hermsen
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