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Single sein ist schön


Alle Welt will sich paaren. Als wäre das ein Garant für Glück und Zufriedenheit. Keinen Partner zu haben, kann traurig sein - aber auch schön, findet Susanne Arndt.

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"Ich bin Single. Ich bin glücklich. Das ganze Wochenende Video geschaut. Wie lange soll das noch so weiter gehen?", jammert die Schöne auf dem Sofa in der Kinowerbung.

"Ich bin glücklich" ist natürlich ironisch gemeint. Das sieht man schon am weinerlichen Gesicht der Frau. Zehn mal schon musste ich ihr Leid mitansehen, und wie üblich erinnere ich mich nicht mehr an das beworbene Produkt. Aber das ist ja auch Nebensache. Die Hauptsache ist: Wir sehen mal wieder, wie schrecklich es ist, Single zu sein. Einsam ist es. Deprimierend. Keine Liebe weit und breit. Keine Freunde. Doofe Videos glotzen. Den ganzen Sonntag lang. Während alle anderen, glücklich vereint, wie im siebten Himmel durch den wohlverdienten Sonntag schweben.

Single sein ist schrecklich. Täglich fünf Mal muss man erklären, warum es nicht schrecklich ist. Bedauernde Blicke ertragen. Das Mitleid der anderen ansehen. Die Sorge der Eltern erdulden, dass man "im Alter" allein sein wird. Noch als ich 30 war, hat mich meine Oma (Gott hab sie selig) gefragt, ob ich denn eine "alte Jungfer" werden will. Ach, Oma, wenn du wüsstest.

Single sein ist schrecklich. Der soziale Druck, es den anderen gleichzutun. Das unbestimmte Gefühl, abnorm zu sein. Auch unsere Sprache lässt uns keine Wahl: Das Gegenteil von Zweisamkeit ist nun mal Einsamkeit. Da kann man nichts machen. Nicht nur die Lifestyle-Magazine wissen es: Der Trend geht zur Zweierbeziehung in dieser schnelllebigen, kalten Welt. Zugegeben, es ist ekelhaft kalt hier im Winter, eigentlich kein Klima für Menschen. Aber wird es automatisch wärmer, wenn man einen Partner hat?

Single sein ist schön. Genauso schön wie zusammen zu sein. Endlich wieder zusammen mit den alten Freunden. Vielleicht sogar mit neuen. Ich meine, so richtig zusammen, nicht nur als Platzhalter in den Leerstellen der Beziehung, auf die man emotional so fixiert war. Es gibt wieder Wochenendtrips zu denen, die woanders wohnen. Das heißt, wenn man die Telefonnummern noch findet. Es gibt Phasen, in denen man die Welt neu entdeckt, wie das Museum um die Ecke oder die verstaubte Klarinette auf dem Schrank. Es gibt wieder Zeit, die einem selbst gehört. Und natürlich ist man gespannt auf das, was kommt. Wie immer gibt es auch Durchhänger, so ist das Leben. Auch zwischen den Beziehungen.


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