Trennungsschmerz: So kommst du über ihn hinweg

Ja, Trennungsschmerz tut weh, doch genau dadurch hat er einen Sinn und tut uns langfristig sogar gut. Wir verraten, warum und wie wir ihn trotzdem lindern können.  

Es ist einfach alles sch...warz! Einsam, lustlos, ausgelaugt, müde, deprimiert, frustriert. Warum ist er nicht mehr da? 

Wenn wir unter Trennungsschmerz leiden, wünschen wir uns vor allem eines: Dass wir uns BITTE nicht mehr so schrecklich fühlen!

Trennungsschmerz: 3 Funktionen 

Aaaber: Trennungsschmerz hat  – wie jedes Gefühl – einen Sinn. Genauer gesagt, haben Trennungsschmerzen sogar gleich drei gute Eigenschaften. (Zugegeben: Wenn wir gerade mitten in einer der Trauerphasen stecken, ist das natürlich kein Trost. Trotzdem hilft es vielleicht zu wissen, dass auch die unangenehmen emotionalen Phasen zu etwas gut sind.) 

  1. Das Vergangene hinter sich lassen: Der Schmerz bewirkt, dass wir die beendete Partnerschaft loslassen und uns (früher oder später) auf etwas Neues einstellen können. Schließlich funktionieren Gefühle wie ein Navigationssystem in unserem Leben: Von den negativen wenden wir uns ab, die positiven steuern wir an. Täte uns nun Scheidung oder Beziehungsende überhaupt nicht weh, würden wir mit dem Expartner und der Beziehung zu viele positive Emotionen verbinden, um wirklich und aus tiefstem Herzen davon überzeugt zu sein: Das war nicht das Richtige! Im schlimmsten Fall würden wir unser Leben lang hoffen, dass wir den Verflossenen eines Tages zurückgewinnen – obwohl es zwischen uns offensichtlich gar nicht passt. 
  2. Entscheidung zur Trennung gut durchdenken: Die Angst vor Einsamkeit, Liebeskummer und Trennungsschmerzen verhindert, dass wir die Frage "Soll ich Schluss machen?" leichtfertig mit einem Ja beantworten. Wäre es schmerzlos und leicht, Ehe oder Partnerschaft zu beenden, würden sich vermutlich viel mehr Leute im Affekt und unüberlegt zu Scheidung oder Trennung entschließen. Der zu erwartende Trennungsschmerz bewirkt dagegen, dass wir Beziehungen auch wirklich die Chance geben, die sie verdienen. Und das ist wichtig und gut so! Schließlich sind die Zeichen der Liebe so subtil, dass wir sie nicht immer und überall erkennen. 
  3. Leben genießen: Für Kummer und Liebeskummer gilt genau das Gleiche wie für körperliche Wunden und Krankheiten: Wenn wir ihn erst mal überwunden haben beziehungsweise wieder gesund sind, können wir das Leben danach plötzlich viel mehr schätzen als vorher und nehmen Positives noch intensiver wahr. Klingt immer wieder blöd – ist aber so.

Trennungsschmerz – wenn's schlecht läuft ... 

Trennungen von geliebten Menschen gehören zu den einschneidendsten Erfahrungen überhaupt. Je nach Beziehung, Persönlichkeit und Ablauf können sie bei den Betroffenen sogar ein Trauma verursachen und es kommt zu ähnlichen Symptomen wie bei Kriegsveteranen oder Opfern von Gewalt. Typische Folgeerscheinung: Beziehungsangst

Gerade für Verlassene ist es oft schwer, die durchlebte Trennung und die anschließenden Trennungsschmerzen zu verarbeiten. Manche fallen in eine Depression und entwickeln starke Selbstzweifel, bei den meisten werden Selbstliebe und Selbstbewusstsein schwer erschüttert.

Trennungsschmerz – wenn's gut läuft 

Keine Frage: Trennungen sind einfach sch...warz! Aber ehe wir jetzt in Selbstmitleid, Opferrolle und düsteren Gedanken versinken: Trennungsschmerz muss nicht ausarten! Bei den meisten verschwindet er früher oder später praktisch von allein. 

Wie lange der Trauerprozess dauert und wann wir wieder bereit für einen Neuanfang sind, hängt unter anderem davon ab, wie die Beziehung zum Ex-Partner ist, sagt die Hamburger Psychologin Heide Gerdts. "Wenn es immer wieder zu wechselseitigen Enttäuschungen kommt, weil Absprachen nicht eingehalten werden, man sich mit Gleichgültigkeit und Groll behandelt, dann zieht sich der Trennungsprozess oft schmerzlich in die Länge", so die Expertin. 

Gibt es zum Beispiel nach einer Scheidung Streit um Ehevertrag, Sorgerecht oder Unterhalt, werden wir eine erneute Partnersuche wohl eher hinten anstellen. Gerdts: "Im Idealfall würde ich sagen: ein Jahr, dann ist das Schlimmste vorbei." 

Trennungsschmerz: Das hilft 

Als Neu-Single durchlaufen wir in der Regel alle die gleichen Trennungsphasen und die helfen uns dabei, Verlust, Trauer und Schmerz zu überwinden. Unser wichtigstes To-Do in dieser Zeit: Gefühle zulassen, beobachten und auf sie hören (es sei denn, sie sagen uns sowas wie "ohne ihn hat dein Leben keinen Sinn", dann sollten wir unseren Gefühlen antworten "Haltet die Klappe!" und uns professionelle Hilfe suchen!).

Genau wie wenn uns das Herz gebrochen wurde, gilt auch für die Phase des Trennungsschmerzes: Uns selbst in Watte packen, nicht überfordern und am besten Dinge tun, die unsere Glückhormone in Wallung bringen! Laut Gerdts kann Folgendes bei der Trauerarbeit helfen. 

5 Tipps von der Expertin 

  1. Sport: "Sport ist unschlagbar. Bei einer depressiven Stimmung zieht sich Energie ins Körperinnere zurück und die Muskeln sind wenig vitalisiert. Wenn wir Sport machen, sei es Laufen, Yoga oder Training im Fitness-Studio, dann bringt das die Energie wieder in die Muskeln. Ein körperlicher Ausdehnungsprozess vollzieht sich und der wirkt sich positiv auf die Psyche aus." 
  2. Die richtige Gesellschaft: "In der akuten Phase des Trennungsschmerzes sollten wir sehr darauf achten: Wer und was stärkt mich wirklich? Nicht jede Freundin, auch wenn sie noch so lieb ist, tut uns in dieser Situation gut. Wir sollten uns fragen: Brauche ich einen Ratgeber, das offene Ohr, eine, die gut Resonanz geben kann, die mich hält, mich ablenkt, mich zum Lachen bringt, mir ein schönes Essen kocht? Oder die, die mir auch mal den Spiegel vorhält und mich mit meinen schwierigen Seiten konfrontiert?" 
  3. Wut rauslassen: "Erst mal ist wichtig zu unterscheiden: Ist es eine angemessene Wut, die da auftaucht, also beispielsweise eine Reaktion auf eine Kränkung? Oder fühle ich mich davon wie besessen und besetzt? Das kann zum Beispiel ein Hinweis darauf sein, dass ich sie benutze, um mich in der Trennungsphase nicht traurig zu fühlen – wenn man wütend ist, fühlt man sich nämlich stärker, als wenn man traurig ist. Wenn die Wut angemessen ist, hilft es, sie körperlich auszudrücken: Mit einem Teppichklopfer auf die Matratze einhauen, im Fitness-Studio auf den Boxsack oder in den Wald fahren und dort laut schreien. Sie körperlich auszudrücken tut immer dann gut, wenn wir andere nicht verletzen und sich danach ein Gefühl der Erleichterung einstellt." 
  4. Die Neue hassen: "Die Neue ist mit keinen Emotionen belastet, im Gegensatz zum Ex, der uns oder den wir verlassen hat oder haben. Er wurde mal geliebt, wird es vielleicht noch immer. Die Next ist einfach nur eine Konkurrentin, die wir oft genug nicht mal kennen. Deshalb ist sie ein gutes Objekt, auf das wir zerstörerische Gefühle richten können, ohne dass etwas in uns selbst zerstört wird, weil unser Herz nicht dran hängt. Allerdings: Wir sollten schon darauf achten, wie wir mit diesem Hass umgehen. Wer mit Freundinnen lästert und schimpft, macht nichts kaputt. Auch wenn das Gefühle sind, die eigentlich zu dem Mann gehören." 
  5. Nicht vergleichen oder mit dem Ex konkurrieren: "Vergleichen ist der absolute Killer für das eigene emotionale Wohlbefinden. Und was haben wir davon, wenn es dem anderen schlechter oder besser geht? Stattdessen sollten wir uns lieber vor Augen halten, dass die eigene tiefe Emotionalität eine Qualität ist. In guten Zeiten hat der Partner uns genau dafür ja auch geliebt. Das ist was Tolles, aber dann haben wir eben auch mehr Tiefs, die wir fühlen. Wir haben die Freiheit zu entscheiden, wie wir auf uns selbst gucken. Und das kann einen großen Unterschied machen." 

Weitere Inspirationen, was Trennungs- und Herzschmerz lindern kann, findest du im Video. 

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