Verhaltensforscher provoziert: Darum sind Single-Frauen am glücklichsten

Die große Liebe finden, heiraten, Kinder kriegen – für viele (Frauen) das Lebensideal schlechthin. Doch laut einem britischen Verhaltensforscher gar nicht mal sooo gut ...

Nichts macht glücklicher, als mit dem richtigen Menschen sein Leben zu teilen und eine Familie zu gründen – für viele eine unzweifelhafte, naturgegebene Wahrheit. Gerade Frauen wird meist unterstellt, dass "in einer Partnerschaft" der Beziehungsstatus ist, in dem sie sich am wohlsten fühlen, quasi ihr natürlicher Lebensraum. Und wenn sie den erstmal bezogen haben, sind Kinder die einzig logische Konsequenz. 🤷‍♀️

Glücksexperte: "Unverheiratete Frauen sind am glücklichsten" 

Der britische Glücks- und Verhaltensforscher Paul Dolan, Autor des Buches "Happy Ever After: Escaping The Myth of The Perfect Lifes" und Professor an der London School of Economics and Political Science, stellt diese vermeintliche Wahrheit nun allerdings grundsätzlich in Frage. Während Männer von einer Ehe in der Regel profitieren – Datenerhebungen zeigen, dass sie im Schnitt zum Beispiel mehr Geld verdienen und länger leben –, ziehen Frauen dabei eher den Kürzeren. In erster Linie würden sie nämlich in ihrer Freiheit eingeschränkt, trügen ein höheres Risiko, körperlich oder psychisch zu erkranken, und stürben durchschnittlich sogar früher, so Dolan während einer Rede auf dem Hay Festival in Wales.

Weiter sagte er: "Die gesündeste und glücklichste Bevölkerungsgruppe sind Frauen, die niemals geheiratet und keine Kinder bekommen haben. Wenn du also ein Mann bist, solltest du versuchen zu heiraten. Bist du aber eine Frau – spar dir die Mühe!" Das einzige, worunter kinderlose Single-Frauen meist leiden, sei das gesellschaftliche Stigma, mit dem sie belegt werden. 

Dolan: "Wer eine alleinstehende Frau um die 40 trifft, denkt automatisch: 'Die Arme, ganz schön traurig, oder? Vielleicht findet sie eines Tages den Richtigen und alles wird gut.' Aber vielleicht findet sie ja auch den Falschen und alles wird schlecht. Vielleicht findet sie jemanden, der sie unglücklicher und ungesünder macht, sodass sie früher stirbt."

Das will uns der Forscher wirklich sagen

Selbst wenn der Wissenschaftler in der Formulierung seiner zugegebenermaßen krassen These im Grunde genommen sogar einen ganz konkreten Ratschlag gibt: Vor dem Hintergrund seiner Forschungsarbeit und Publikationen wird klar, dass Menschen pauschal vorzuschreiben, wie sie leben sollen und was sie glücklich zu machen hat, das Letzte ist, was der Professor will. Dolans Hauptanliegen ist vielmehr, zu provozieren, wachzurütteln und uns damit dazu zu bewegen, unserem individuellen Weg zu folgen, anstatt unreflektiert alten Traditionen zu folgen – oder dem Weg, der am meisten betreten ist.

Denn, so der Professor, was gesellschaftlich als erfolgreiches Leben angesehen wird – guter Job, Wohlstand, fester Wohnsitz und Familie – korreliere nicht (zwangsläufig) mit dem, was uns glücklich macht. Zum Beispiel seien viele Menschen mit einem durchschnittlichen Einkommen rundum zufrieden, wohingegen manche Spitzenverdiener zutiefst unglücklich sind. Und: "Für manche Leute ist es super, Kinder zu bekommen. Aber für sehr viele ist es das eben nicht und dass wir darüber nicht offen reden können, ist das Problem", so Dolan. 

Letzten Endes spielt es also gar keine Rolle, wie viel an der provokanten These des Briten wirklich dran ist. Solange wir daraus mitnehmen, dass weibliche, kinderlose Singles in ihrem Leben nicht gescheitert sind und in Einzelfällen sogar glücklicher sein können als 30 Jahre lang verheiratete Mütter von drei Kindern, hat sie uns der Wahrheit zumindest ein gutes Stück näher gebracht ... 

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sus
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